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Alevitische Gemeinde

Der Glaube der Aleviten

Das Alevitentum ist eine eigenständige, synkretistische Religion, die sich aus der islamischen Schia entwickelt hat und zudem sehr viele Elemente aus den verschiedensten vorislamischen Religionen Mesopotamiens und aus dem Sufismus (islamische Mystik) in sich vereint.

In Deutschland zählt die alevitische Gemeinde etwa 600.000 Mitglieder. Fast alle sind in den vergangenen Jahrzehnten aus der Türkei eingewandert oder als Kinder türkischer Eltern hier geboren. Damit ist das Alevitentum nach dem sunnitischen Islam die größte Gruppe unter den in Deutschland lebenden Muslimen. Das Alevitentum geht mit den religiösen Vorschriften, die viele Muslime für verbindlich halten, liberal um; für Aleviten haben die sogenannten fünf Säulen des Islams keinen hohen Stellenwert, sie verrichten nicht das Ritualgebet (Salat), und brauchen zum Beten keinen besonderen Raum und keine spezielle Zeit. 

Das wichtigste Buch ist der Mensch

Der Koran ist für Aleviten, im Gegensatz zum Schari‘a-Islam, kein Gesetzbuch, sondern die Niederschrift von Offenbarungen, die kritisch gelesen werden dürfen und mysthisch interpretiert werden. Das islamische Recht (Scharia), wie es Sunniten und Schiiten kennen, ist für Aleviten nur von untergeordneter Bedeutung. Im Zentrum ihres Glaubens steht der Mensch als eigenverantwortliches Wesen. Wichtig ist ihnen das Verhältnis zum Mitmenschen. Aleviten betonen die wechselseitige Liebe zwischen Gott und den Menschen und betrachten die Erlangung eines vollkommenen Zustands als Lebensziel. Die Philosophie des Alevitentums besagt, dass jedem Menschen die Wahrheit (das Göttliche) innewohnt. In der alevitischen Lehre ist die Seele eines jeden Menschen unsterblich, sie strebt durch die Erleuchtung die Einheit mit Gott an.

"Cem" - Licht - Versammlung und Vereinigung der Aleviten

Aleviten treffen sich in einem sogenannten Cemevi (Versammlungshaus), Männer und Frauen gemeinsam. Es besteht keine religiöse Pflicht für Frauen, eine Kopfbedeckumg zu tragen.  

Der Gottesdienst Cem ist eine Versammlung und Vereinigung der Aleviten. Im Gottesdienst Cem werden die Aleviten im Alevitentum unterrichtet, legen Rechenschaft für Fehlverhalten ab, stellen der Gemeinde ein Gesegnetes Mahl (Lokma) zur Verfügung, gedenken ihrer Toten und beten für das Einssein für Hak (Gott). Die Gläubigen rezitieren gemeinsam Gedichte, musizieren und tanzen. Beim sogenannten Semah, einem rituellen Tanz, bewegen sich die Gläubigen nebeneinander in einem großen Kreis und drehen sich um die eigene Achse. Dies symbolisiert das sich drehende Universum und dient der geistigen Annäherung an Gott. Musik spielt eine große Rolle im alevitischen Leben.

Die alevitische Gemeinde in Kassel und Umgebung

Die Alevitische Gemeinde Kassel und Umgebung e.V. wurde 1990 gegründet. Sie unterhält ein Gebetshaus, eine Bibliothek mit Literatur über die Glaubenslehre der Aleviten-Bektaschiten und betreibt Frauen-, Jugend-, und Kulturgruppen. Es finden mehrmals im Jahr Seminare in den Bereichen Religion, interreligiöser Dialog, Bildungssystem, Einbürgerung und Gesundheit statt. In dem Fastenmonat Muharrem wird in den Vereinsräumen gemeinsam gefastet und das Abendessen eingenommen.

Die Räumlichkeiten werden für alle Aleviten für besondere Anlässe, wie Beschneidungsfeier, traditioneller türkischer Polterabend, das Beerdingungsrituell und das Beerdigungsessen nach 40 Tagen, zur Verfügung gestellt.

Kontakt für den Rat der Religionen

Frau Zöhre Babyigit

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