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Sprachförderprojekt TiGa - Theater im Ganztag

Das Sprachförderprojekt TiGa- Theater im Ganztag wird im Schuljahr 2020/21 an zehn Kasseler Ganztagsstandorten angeboten und erreicht dort rund 2.200 Kinder. Über Theaterpädagogik wird die Sprachfreude der Schülerinnen und Schüler gestärkt und ein niedrigschwelliges kulturelles Angebot bereitgestellt.

TiGa- Die schönsten Gedichte für Kinder

TiGa - Theater im Ganztag geht in die nächste Runde!

Wir freuen uns ganz besonders, das Pilotprojekt TiGa- Theater im Ganztag im Schuljahr 2020/21 im dritten Jahr weiterzuführen auf einen weiteren Grundschulstandort auszuweiten.

Die Verzahnung von Bildung und Kultur insbesondere auf kommunaler Ebene ist ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Bildungskette in der Zusammenarbeit zwischen Kitas, Schulen, Jugendzentren und Volkshochschulen mit kulturellen Institutionen wie Theatern, Musikschulen oder Museen. Vor diesem Hintergrund ging die Stadt Kassel mit einem innovativen Theater- Pilotprojekt für neun Kasseler Grundschulen mit Ganztagsangeboten an den Start (TiGa – Theater im Ganztag). In den Schuljahren 2018/19 und 2019/20 konnten jeweils rund 2.000 Kinder von kostenfreien Theatervorstellungen und theaterpädagogischen Angeboten im Ganztagsbereich ihrer Schule profitieren. Zum Schuljahresbeginn 2020/21 wurde das Projekt auf einen weiteren Standort ausgeweitet und wird so in diesem Jahr voraussichtlich rund 2.200 Schülerinnen und Schüler erreichen.

„Ins Theater zu gehen, können viele Familien sich gar nicht leisten oder sie haben einfach keinen Bezug zum Theater. Durch unser Projekt sollen Kinder unabhängig von der ökonomischen Situation ihrer Familien die Möglichkeit bekommen, den Zauber von Theater zu erleben. Denn Theater kann so viel mehr als bewegte Bilder zu zeigen: Es weckt Emotionen, fördert Empathie und bildet zahlreiche Anregungen für Sprachanlässe. Kultur und Sprache sind hier wechselseitig eng miteinander verbunden. Das Pilotprojekt ist ein hervorragender Beitrag zur Qualität im Ganztag an unseren Grundschulen und für mehr Bildungsgerechtigkeit“, so die damalige  Bildungsdezernentin Anne Janz im Herbst 2018.

Kulturdezernentin Susanne Völker erklärte dazu: „Die Verknüpfung von Sprachentwicklung und kultureller Bildung ist ein moderner Ansatz in der Kompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen, der darüber hinaus ermöglicht, kulturelle und soziale Grenzen zu überwinden und Perspektivwechsel zu erreichen. Gerade mit Blick auf die Vielfalt von kulturellen Hintergründen in unserer Stadtgesellschaft ist dieser kulturelle Bildungs-Ansatz deshalb so wichtig.“

Der Märchenkoch Stefan Becker

Stefan Becker vom  Spielraumtheater Kassel präsentiert bereits in  Kasseler Kindertagesstätten Aufführungen für Kinder, die auf Sprachförderung zielen. Weil die Entwicklung und Förderung von Sprache nicht mit der Einschulung endet, ist es nur konsequent, die Förderung entlang der Bildungskette auch in der Grundschule fortzuführen.

„Über das Zuhören und Zuschauen prägt sich die Geschichte tief ein, so dass die Kinder noch Jahre später die Geschichte auf das Genaueste erinnern und versprachlichen können“, berichtet Stefan Becker, der in der Auftaktveranstaltung in der Valentin-Traudt-Schule das Gemüse sprechen und am Ende sogar aufessen lässt. „Wir wissen aus Erfahrungen der Kindertagesstätten, dass Theateraufführungen sich exzellent zur Förderung der Sprachfreude- und Kompetenz eignen: Emotional geführte Erzählungen wie die im Theater verinnerlichen Sprache im emotionalen Sprachgedächtnis des Kindes und erzielen so eine nachhaltige Wirkung des Lernerfolges“, ergänzt Juliane Schmidt, Koordinatorin für den Ganztag im Amt für Schule und Bildung.

Im Schuljahr 2018/19 gab es für neun Kasseler Grundschulen mit Ganztagsangeboten insgesamt 72 Theateraufführungen. Mit der Bereitstellung von Begleitmaterialien für den Schulunterricht und für die Ganztagsangebote der Grundschulen hat die Förderung auch in den schulischen und pädagogischen Alltag Einzug gehalten. Damit das gut und nachhaltig gelingen konnte, gab es theaterpädagogische Angebote für Kinder im Ganztag und Fortbildungsmöglichkeiten für das pädagogische- und Lehrpersonal.


Steinsuppe

Aktuelles vom Theater im Ganztag

Im September 2019 startete wieder das THEATER IM GANZTAG- TiGa mit dem Spielraum-Theater und neun Kasseler Grundschulen. In diesem Jahr werden neben den Klassikern auch neue Produktionen gezeigt. Für die ersten Klassen die Geschichte von der STEINSUPPE (Bild rechts):

ein alter Wolf kommt aus einem fremden Land in das Dorf der Tiere, die jedes für sich in ihrem Haus hocken und sich langweilen. Er will eine Steinsuppe kochen. Die Tiere werden neugierig und jeder bringt etwas für die Suppe mit. So erfahren die Kinder ganz nebenbei, dass Vorurteile über „Wölfe“ nicht immer stimmen und dass die Tiere, so unterschiedlich sie sind, doch etwas Gemeinsames tun können, wenn jeder etwas mitbringt. Ganz nah an der Lebenswirklichkeit der Erstklässler, die ja auch sehr unterschiedlich sind.
Die Lehrer*innen freuten sich über das inspirierende Begleitmaterial bis hin zum Suppe kochen und die Kinder über das mitgebrachte Spielgemüse, nebst Stein und Bilderbuch, dass sie nun im Ganztag nutzen können.
Viele Diskussionen über den Weltraum, den Mond und die erste Landung auf dem Mond verursachte das Stück „Vom ersten Mann, der auf den Mond pinkelte“ bei den Viertklässlern. Schon der Titel machte mehr als neugierig und so lernten die Kinder Neil Armstrong, Buzz Aldrich und Michael Collins kennen und manche waren sehr erstaunt, dass der Mond nicht gelb, sondern grau ist. In der Schule am Wall traf das Spielraum-Theater auf lauter Fachleute, die sich schon gut im Planetensystem auskannten. Das Spiel mit dem Müll aus dem gelben Sack faszinierte die Kinder, verwandelte sich doch eine Chipsdose in eine Rakete und Margarinenbecher in Houston. Bücher zum Weltraum für die Kinder hatte das Theater auch dabei.

Die „Metamorphosen“ von Ovid starten im 2. Halbjahr und zeigen dass diese jahrtausendealten Geschichten heute leider noch sehr aktuell sind. Geht es doch um Mobbing und einen Jungen – Phaeton – der sich an „göttlichen“ Techniken vergreift und mit dem Sonnenwagen die ganze Erde in Brand setzt. Alles gespielt mit einem Putzwagen. Die Losseschule durfte schon mal schnuppern und die Kinder kamen den Geschichten hinter der Geschichte schnell auf die Spur und fanden es „echt cool“.

Vom ersten Mann, der auf den Mond pinkelte
Lalula
„Ein grandioser Schauspieler mit großem Respekt vor den Autoren und noch größerem Humor“ schrieb die HNA. Die Viertklässler der Lindenbergschule waren aber bei einer Voraufführung zum Teil skeptisch. Zum Teil, denn einige fanden es sehr schön bis cool, andere aber konnten sich gar nicht  erwärmen. Das Programm wird sich aber auch eher an die zweiten und dritten Klassen richten, die mehr Lust auf Sprachspielereien haben. Alle, die Kontakt zu älteren Menschen mit Demenz haben, wissen, dass Gedichte und Lieder aus der Kindheit das Letzte sind, was bleibt. Da sollte das Theater im Ganztag den Grundstein legen. Ganz neu ist ein Programm mit Gedichten von Goethes „Zauberlehrling“ bis hin zum „Großen Lalula“ (Bild links) von Christian Morgenstern.
Diese Produktion wurde extra im Hinblick auf das Theater im Ganztag erarbeitet, da vielen Kindern Gedichte doch eher unbekannt sind, sich aber bestens über die Reimstruktur zur Förderung der Sprache eignen. Die Premiere vor bürgerlichem Publikum wurde mit standing ovations gefeiert und die Kritik war mehr als überschwänglich „Ein grandioser Schauspieler mit großem Respekt vor den Autoren und noch größerem Humor“ HNA. Die Viertklässler der Lindenbergschule waren aber bei einer Voraufführung zum Teil skeptisch. Zum Teil, denn einige fanden es sehr schön bis cool, andere aber konnten sich gar nicht  erwärmen. Das Programm wird sich aber auch eher an die zweiten und dritten Klassen richten, die mehr Lust auf Sprachspielereien haben. Alle, die Kontakt zu älteren Menschen mit Demenz haben, wissen, dass Gedichte und Lieder aus der Kindheit das Letzte sind, was bleibt. Da möchte das Theater im Ganztag den Grundstein legen.

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