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Muslimische Notfallbegleitung

Es war hessenweit in dieser Form einmalig, als Anfang 2017 in Kassel die ersten 14 muslimische Frauen und Männer als ehrenamtliche Notfallbegleiterinnen und –begleitern zertifiziert wurden. Vorangegangen war eine mehrmonatige Ausbildung.

Zertifikatsübergabe an muslimische Notfallbegleiterinnen und -begleiter mit dem damaligen Oberbürgermeister Bertram Hilgen.

Sie können nun in Kassel die etablierten Notfalldienste dabei unterstützen, Menschen – insbesondere Muslime - nach traumatischen Ereignissen seelisch zu betreuen. Bislang bieten der Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes und die Notfallseelsorge der Evangelischen Landeskirche Beistand in solchen Fällen, wenn sie von der Polizei und Rettungskräften hinzugezogen werden.

Der damalige Oberbürgermeister Bertram Hilgen hatte den vier Teilnehmerinnen und zehn Teilnehmern die entsprechenden Zertifikate überreicht und würdigte ihr Engagement. "Ich möchte Ihnen herzlich danken, dass Sie sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen wollen, die persönliche Schicksalsschläge erlitten haben", sagte Hilgen. Dabei sei es egal, welche Nationalität und Religion die Betroffenen haben. Bei Todesfällen in muslimischen Familien, in denen religiöser islamischer Beistand gewünscht werde, stoße christliche Notfallseelsorge aber an ihre Grenzen.

"Viele Menschen wünschen sich, beim plötzlichen Tod eines geliebten Angehörigen nicht allein zu sein. Je besser die Notfallbegleiter das kulturelle und religiöse Umfeld, oft auch die Muttersprache der Betroffenen kennen, desto angemessener können sie Beistand leisten." Wenn eine Person in einer extrem belastenden Situation in ihrer Muttersprache angeredet werde, mache das Interaktion manchmal überhaupt erst möglich. Die ausgebildeten Notfallbegleiterinnen und –begleiter fungieren auch als Brückenbauer zwischen Angehörigen und Rettungsdiensten.

Diese kommen alle aus Kassel und haben ihre Wurzeln in Albanien, Ägypten, Kosovo, Somalia, Tunesien, Türkei, Marokko und Mazedonien. Sie können nunmehr auf ehrenamtlicher Basis die etablierten Notfalldienste unterstützen. 

Die Stadt hatte die Fortbildung "Muslimische Notfallbegleitung" koordiniert, finanziert wurde sie vom Arbeitskreis der Muslimischen Gemeinden in Kassel. Inhalte waren mit Vertretern der Evangelischen Landeskirche, des Polizeipräsidiums Nordhessen und des Deutschen Roten Kreuzes abgestimmt. Das Kursangebot richtete sich an Muslime, die Muslimen in Notsituationen beistehen wollen. Für das Projekt wurde die Bezeichnung Notfallbegleitung eingeführt, da der Begriff Notfallseelsorge an das christliche Verständnis der Seelsorge gebunden ist.

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