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Das mechanische Lüften ist der bessere Schutz

Der Einsatz mobiler Luftfiltergeräte zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus, insbesondere durch die Aerosole (feinste luftgetragene Partikel), wird derzeit breit diskutiert. Die Stadt Kassel wird aus fachlichen Gründen derartige Geräte weder anschaffen noch ihren Einsatz empfehlen.

Die hessischen Gesundheitsämter haben sich in Absprache mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) darauf verständigt, derzeit keine Empfehlung für den Einsatz von mobilen Luftfiltergeräten auszusprechen. Diese Einschätzung teilen Stadtbaurat Christof Nolda und Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote in einer gemeinsamen Stellungnahme:

"Die Gesundheit der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in den Kasseler Schulen hat für die Stadt Kassel oberste Priorität. Nach Maßgabe der allgemeinen Hygiene- und Präventionsmaßnahmen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration und den Hygienevorgaben des Hessischen Kultusministerium, hat die Stadt Kassel gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und den Schulen einerseits und dem öffentlichen Gesundheitsdienst andererseits dafür gesorgt, dass das Infektionsrisiko an Schulen minimiert wird. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass nach Auftreten einzelner Infektionen an Schulen die Infektionsketten schnell und wirksam unterbrochen werden konnten, ohne ganze Schulen schließen zu müssen", stellen Nolda und Gote fest.

Eine Notwendigkeit, die Hygienemaßnahmen an Schulen durch weitere technische Einrichtungen, zum Beispiel mobile Luftfilteranlagen, zu ergänzen, lasse sich aus epidemiologischer Sicht nicht begründen.

Laut Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) am Umweltbundesamt ist die möglichst hohe Frischluftzufuhr die wirksamste Methode, virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen. Durch mobile Luftfiltergeräte auf Umluftbasis kommt keine frische Luft in die Klassen. Der Einsatz solcher Luftreiniger mit integrierten HEPA-Filtern in Klassenräumen reicht nach Ansicht der IRK nicht aus, um wirkungsvoll über die gesamte Unterrichtsdauer Schwebepartikel (z. B. Viren) durch Filtern der Raumluft zu entfernen. Der Einsatz solcher Geräte kann das Lüften nicht ersetzen.

Stadtbaurat Nolda stellt zur aktuellen Kasseler Diskussion fest: "Wir können konkret über die Filterqualität und –Wirksamkeit der in der Fridtjof-Nansen-Schule aufgestellten Geräte keine Aussage treffen, denn es fehlen die notwendigen Zertifikate und Nachweise für die Geräte."

Nolda weist darauf hin, dass der Einsatz solcher Geräte generell sogar Gefahren bergen kann. Zum einen seien die technischen Anforderungen an die Filtertechnik zur Reduktion der Aerosole sehr anspruchsvoll: "Sie müssen passgenau für jeden Raum berechnet und kontrolliert werden. Ungenügende oder fehlerhafte Filtertechnik kann die Verteilung der Aerosole im Raum verstärken und so eine Gesundheitsgefährdung bewirken."

Zum anderen berge die bei den in Frage stehenden Geräten häufig zusätzlich vorhandene wasserbetriebene Luftbefeuchtungstechnik ein Verkeimungsrisiko. Der Einsatz von UV-Licht sei gesundheitlich bedenklich und ein zusätzliches Sicherheitsrisiko. "Das IRK erläutert dazu, dass durch Ozonung und UV-induzierte Reaktionen organischer Substanzen nicht vorhersagbare Sekundärverbindungen in die Raumluft freigesetzt werden können. Beim UV-C sind es auch vor allem Sicherheitsaspekte, weshalb der Einsatz im nicht gewerblichen Bereich unterbleiben sollte", so Nolda.

Ulrike Gote ergänzt: "Die positive Wirkung einfacher mobiler Geräte wird überschätzt. Dadurch entsteht das Gefühl einer falschen Sicherheit, das dazu führen kann, dass notwendige Schutzmaßnahmen wie regelmäßiges Lüften unterbleiben. Wir raten deshalb davon ab, Geräte anzuschaffen, die möglicherweise mehr Schaden anrichten als nutzen." Es gelte weiterhin: Abstand, Hygieneregeln, Mund-Nasen-Bedeckung und regelmäßiges Lüften bieten einen guten Schutz.

Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote und Stadtbaurat Nolda halten abschließend fest: "Wir teilen die Sorge der Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder und freuen uns über das Engagement des Fördervereins, der Eltern, der Schulleitung und auch der Sponsoren der Fridtjof-Nansen-Schule. Die Anschaffung der mobilen Luftfiltergeräte können wir dennoch aus den genannten fachlichen Gründen nicht gutheißen und empfehlen sie nicht zur Nachahmung. Eine flächendeckende Ausstattung der Kasseler Schulen seitens der Stadt Kassel ist nicht vorgesehen."

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