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Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wird von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel vergeben und zeichnet Schriftsteller aus, deren Werk von Komik und Groteske auf hohem künstlerischen Niveau geprägt ist. Der zugehörige "Förderpreis Komische Literatur" geht an Autoren am Anfang ihrer Laufbahn.

Im Jahr 2020 wird der Schriftsteller, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk mit dem Kasseler Literaturpreis geehrt. Den Förderpreis Komische Literatur erhält Chrizzi Heinen. Die Preisverleihung findet am 29. Februar 2020 im Kasseler Rathaus statt und eröffnet das Festival Kasseler Komik-Kolloquium.

Heinz Strunk - Preisträger 2020

Die Jury begründet ihre Entscheidung folgendermaßen: „Wie kein anderer verkörpert der Schriftsteller, Kolumnist, Song-Texter, Musiker, Comedian und Schauspieler Heinz Strunk als lebendiges Gesamtkunstwerk den grotesken Humor in allen seinen Formen. Literarisch führt seine postmoderne, subversive Erzählkunst auf schonungslose Weise mitten in das von der Konsumgesellschaft beschädigte Leben, so auch, wenn er selbstkritisch und ironisch als seine „Hobbys: TV, Geld zählen, geile SMS, Bundeswehr“ aufzählt. Strunks Prosa ist voller Trostlosigkeit, Scheitern, Obsessionen und Abgründe, das Peinliche wie das Böse balanciert er virtuos auf einem tragikomischen Grat zwischen Ekel und Scham. Das Grotesk-Komische wirkt dabei als Brennglas, als Läuterung und als Schutz. Im Medium des Humors hat er mit dem „Strunk-Prinzip“ eine raffinierte literarische Sprache entwickelt, mit der er menschlichem Leid angemessen komisch und human-humorvoll zugleich begegnet.“

Die Laudatio auf Heinz Strunk hält im Rahmen der Preisverleihung der Regisseur Lars Jessen, mit dem Heinz Strunk Filme wie „Fraktus“ oder „Jürgen – Heute wird gelebt“ gedreht hat.

Förderpreises 2020 geht an Chrizzi Heinen

Chrizzi Heinen, Autorin von Erzählprosa und Hörspielen, bildende Künstlerin, Kuratorin und promovierte Musikwissenschaftlerin, erhält im Jahr 2020 den Förderpreis Komische Literatur. 40 Verlage hatten Vorschläge eingereicht. Der in Berlin ansässige Satyr Verlag brachte seine Autorin Chrizzi Heinen mit ihrem 2019 erschienenen Debütroman „Am schwarzen Loch“ ein und konnte den Stiftungsrat damit überzeugen. 

In seiner Eigenschaft als Jury begründet der Stiftungsrat seine Entscheidung für Chrizzi Heinen wie folgt: „Chrizzi Heinen hat mit ihrem Roman „Am schwarzen Loch“ ein ganz außergewöhnliches Debüt vorgelegt. Vielseitig, witzig und gewitzt entfaltet die Autorin hier die skurrile Idee, ein schwarzes Loch zum Handlungsträger zu machen. Durch dieses Loch getrieben werden Themen wie Großstadtmilieus, musikalische Subkulturen, Wissenschafts- und Kunstbetrieb, Freundschaft, Liebe und Tod mit immer wieder anderen, überraschenden Sprachspielen. Das parodistisch bis grotesk Komische federt.

Die Laudatio auf Chrizzi Heinen hält im Rahmen der Preisverleihung ihr Verleger Volker Surmann. Die Kasseler Sparkasse unterstützt auch diesmal großzügig den Förderpreis.

Über den Literaturpreis

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wird von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel seit 1985 jährlich vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Schriftsteller aus, deren Werk von Komik und Groteske auf hohem künstlerischen Niveau geprägt ist. Der Preis wurde bis 1996 auch an Literaturwissenschaftler verliehen, deren Forschung sich mit diesem Feld beschäftigt; seither geht er ausschließlich an Künstler.

Seit 1985 erhielten folgende Personen die Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt, F.W. Bernstein, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch, Thomas Kapielski, Ulrich Holbein, Wilhelm Genazino, Dieter Hildebrandt, Frank Schulz, Wolf Haas, Karen Duve, Eckhard Henscheid und zuletzt Sibylle Berg. 

Über den Förderpreis Komische Literatur

Seit 1999 vergibt die Stiftung Brückner-Kühner zusammen mit der Stadt Kassel den „Förderpreis Komische Literatur“ zum „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“. Der mit 3000 Euro dotierte Förderpreis wird auf Vorschlag von Verlagen an Autorinnen und Autoren vergeben, die auf Deutsch schreiben und noch am Anfang bzw. in einer frühen Phase ihrer schriftstellerischen Laufbahn stehen.

Bislang wurden folgende Personen ausgezeichnet: Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen, Philipp Tingler, Michael Stauffer, Rebekka Kricheldorf, Jan Neumann, Tino Hanekamp, Wolfram Lotz, Arno Camenisch, Kirsten Fuchs, Ferdinand Schmalz Dagmara Kraus und zuletzt Jakob Nolte. 

Die Stiftung Brückner-Kühner

Die Stiftung wurde 1984 von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der international avancierten Poesie, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um von hier aus die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten.

Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Dr. h.c. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Lektorinnen Friederike Emmerling (Frankfurt a.M.) und Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Literaturwissenschaftler und Autor Christian Maintz (Hamburg), der Literaturprofessor Dr. Uwe Wirth (Gießen), Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter der literaturWERKstatt Berlin, sowie einmalig der jeweilige Preisträger. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.

Während der Preisverleihung 2019, v.l.n.r.: Kulturdezernentin Susanne Völker, Stiftungskurator Dr. Friedrich Block, Laudatorin Katja Riemann, Preisträgerin Sibylle Berg, Oberbürgermeister Christian Geselle, Preisträger Jakob Nolte, Laudator Benjamin Vieth, Stiftungsratsvorsitzender Prof. Dr. Dr. Walter Pape, Stellv. Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Blutte

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