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Erfahrungsbericht 2018 zum Projekt „Active Youth Participation"

Wie haben die Jugendlichen selbst die internationalen Begegnungen mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern aufgefasst? Die Erfahrungsberichte geben Aufschluss darüber - dieser gehört zum Projekt „Active Youth Participation". Von Zoe Bunje.

Aktiv für eigene Ideen

Bei der Jugendbegegnung zum Thema „aktive Jugendbeteiligung“ in Kassel lernen Jugendliche, wie sie Ideen für ihre Stadt verwirklichen können.

Kevin zieht sich einen Helm auf und schwingt sich auf eines der Fahrräder der Dirtbike- Strecke in Kassel. Erst fährt er eine Runde auf gerader Fläche, dann gesellt er sich zu den anderen Dirtbikern und probiert sich an seinen ersten Hügeln und Sprüngen. Für ihn ist es das beste Erlebnis der Jugendbegegnung in Kassel: „Es hat mich beeindruckt, dass Leute eine Idee haben und diese dann tatsächlich so umsetzen“, beschreibt der 17- jährige Italiener seinen Eindruck von der Dirtbike- Strecke, die 2015 auf Initiative einer Gruppe Jugendlicher entstand.

Vom 7. bis 14. Oktober 2018 haben sich Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren aus den Ländern Norwegen, Italien, Griechenland und Deutschland in Kassel versammelt, um das Thema der aktiven Jugendbeteiligung zu beleuchten. Im internationalen Austausch sprechen sie dabei über schon umgesetzte Projekte und neue Ideen. Sie setzen sich für ihre Ziele ein und erlernen die richtigen Fähigkeiten, um tatsächliche Konzepte zu entwickeln.

Die Jugendbegegnung beginnt mit einem gemeinsamen Abendessen im Hostel Sandershaus, in dem die Gruppe auch untergebracht ist. Schnell lernen die Jugendlichen sich kennen und treffen alte Bekannte wieder. Dabei wechselt die Sprache am Tisch immer wieder von den Muttersprachen der einzelnen Nationen ins Englische. Die ausländischen Teams erzählen Geschichten von ihrer Anreise nach Kassel. Sie sind froh, angekommen zu sein. „Ich habe viele neue Leute kennengelernt und gelernt, meine Komfortzone zu verlassen“, beschreibt der Norweger Alexander.

Um in das Thema der Jugendbegegnung zu finden, sprechen die Teilnehmer über Formen der Jugendbeteiligung, die es in ihrem Land schon gibt und auf welche Art sie in diese Projekte involviert sind. Projekte gibt es bereits in Kassel und Oslo. Die beiden deutschen Teilnehmerinnen Feline und Paula präsentieren das Konzept eines Jugendparlaments, das Jugendlichen in Kassel mehr Einfluss auf die Politik ermöglichen soll. An den weiteren Tagen der Jugendbegegnung besuchen die Teilnehmer unterschiedliche Projekte, die in Kassel durch die Initiative Jugendlicher umgesetzt werden konnten. Darunter neben der Dirtbike- Strecke auch die Mr.- Wilson Skatehalle und die legale Graffiti- Wand in der Liebigstraße.

Das norwegische Team erläutert das Projekt „Perspective“, bei dem sie selbst als sogenannte „Peer Educator“ mitarbeiten. Die meisten norwegischen Teilnehmer haben in ihrer Jugend mit Drogen oder anderen Problemen gekämpft. „Wir sind eine Art Brücke zwischen den Jugendlichen und der Regierung“, erklärt Alexander. Durch ihre eigenen Erfahrungen haben sie ein Verständnis dafür, was die Betroffenen durchmachen und helfen ihnen, sich bei Entzugsprogrammen oder Terminen mit Sozialarbeitern anzumelden.

„Die Länder können von den anderen Partnergruppen lernen, wie diese mit Schwierigkeiten umgehen“, erläutert Karl- Heinz Stark, der das Projekt als Jugendbildungsreferent der Stadt Kassel koordiniert. Funktioniert ein Projekt schon in einem anderen Land, kann es möglichweise auch als Lösung für das eigene Land dienen.

Aus den gemeinsam gesammelten Erfahrungen und den in Kassel besuchten Beispielprojekten sollen die Jugendlichen neue Projekte für ihre Stadt entwickeln. In einem Workshop erstellen sie in den nationalen Gruppen erste Konzepte. Bei einer Rückbegegnung der Teilnehmer im Sommer 2019 im griechischen Larisa zeigen die Teilnehmer, inwieweit die Projekte umgesetzt werden konnten.

Am letzten Abend der Jugendbegegnung findet eine große Abschiedsfeier statt. Gemeinsam sitzen die Teilnehmer an einem Lagerfeuer im Außenbereich des Hostels Sandershaus. Sie lachen und diskutieren über die Erfahrungen der letzten Tage. Es gibt Flammkuchen, Schokolade und Marshmallows, viele neue und alte Bekanntschaften.

„Ich fahre mit vielen neuen Ideen und Erfahrungen nach Hause.“, sagt die griechische Teilnehmerin Ageliki. Sie sieht die Jugendbegegnung auch als Chance, die Welt zu sehen und internationale Freunde zu finden. „Jugendbegegnungen sind eine wichtige Möglichkeit über seinen Tellerrand herauszuschauen“, unterstreicht auch Karl- Heinz Stark. „In der direkten Zusammenarbeit kann man viele kulturelle Missverständnisse klären und neue Sichtweisen auf die Welt kennenlernen.“ 

von Zoe Bunje

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