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Erfahrungsbericht 2017 zur Jugendbegegnung in Athen

Wie haben die Jugendlichen selbst die internationalen Begegnungen mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern aufgefasst? Die Erfahrungsberichte geben Aufschluss darüber - dieser gehört zur Jugendbegegnung in Athen anlässlich der documenta. Von Maximilian Hanke.

DOCUMENTAthens 2017

Ein Bericht über einige persönliche Eindrücke aus der Jugendbegegnung anlässlich der documenta in Athen. 

Unsere Reise nach Griechenland startete an einem Mittwochabend. Unser Flug ging vorteilhafter Weise vom Flughafen Calden bei Kassel ab und brachte uns auf direktem Wege nach Athen. Als Unterkunft diente uns das Hotel Achillion inmitten der Metropole - etwa eine halbe Autostunde vom Flughafen entfernt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Spanien, Italien, Polen, Griechenland und Deutschland wurden gemischt und teilten sich jeweils zu dritt ein Hotelzimmer.

Da die Gruppen aus den verschiedenen Ländern über den ganzen Tag verteilt anreisten, konnte es passieren, dass man in sein Hotelzimmer kommt und dort schon ein fremder Mensch im Bett liegt und schläft. Diese Art der ersten Zusammenkunft war wahrscheinlich für beide Seiten nicht die angenehmste, aber wir sind damit so gut es eben ging umgegangen.

In den nächsten Tagen der Begegnung gab es natürlich noch genügend Möglichkeiten, sich besser kennenzulernen. Ich teilte mein Zimmer mit einem Polen namens Szymon und einem Griechen namens Thanos. Die beiden waren sehr angenehme Zimmerkumpanen und wir kamen immer gut miteinander aus. Szymon pflegte es nachts noch eine ausgiebige Dusche zu nehmen, was Thanos und mich manchmal vom Schlafen abhielt, doch wir nahmen es mit Humor.

Um den Schlaf ging es während dieser Jugendbegegnung ja auch eigentlich nicht. Wir hatten ein tägliches Programm mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern(zwischen 17 und 25 Jahre alt) und den dazugehörigen Begleiterinnen und Begleitern. 

Als Seminarraum nutzen wir die Räumlichkeiten des Hotels, welche leider nur begrenzt für unsere Zwecke ausreichten. Wir konnten glücklicherweise einige Teile des Programms nach draußen verlegen. Das kam uns gerade bei dem schönen sonnigen Wetter mit bis zu 25 Grad sehr gelegen.

Das Programm bestand aus Ice- breaking activities, Kooperationsübungen, Workshops rund um Kunst und Kreativität, Länderpräsentationen, Gelegenheiten zum Austausch, dem Besuch der Documenta in Athen und noch einigem mehr. So war man tagsüber also immer gut beschäftigt und hatte dann nachmittags bzw.  abends Freizeit. Ich verbrachte meine Freizeit damit, mich unter die Leute zu mischen und neue Kontakte zu knüpfen. Dabei verbrachte ich die meiste Zeit mit den Teilnehmern, die nicht aus Deutschland kamen.

Viele der Teilnehmer kannten sich aus ihrer Heimat bereits und blieben die ersten Tage mehr oder weniger unter sich. Ich kannte niemanden, also gesellte ich mich einfach zu den Gruppen und versuchte den Austausch etwas anzutreiben. Die Kontaktaufnahme verlief eigentlich immer reibungslos und ich wurde stets freundlich und aufgeschlossen in Gespräche miteinbezogen.

Ich tauschte mich über viele unterschiedliche Dinge mit den jungen Menschen aus Spanien, Italien, Polen und Griechenland aus. Es ging um Politik, Arbeit, Musik, Hobbys und um noch einiges mehr. In dieser Woche gab es so viele neue Eindrücke, Inspirationen und Informationen, dass ich mich teilweise fast erschlagen fühlte, allerdings im positiven Sinne.

Dazu kam noch die fremde Stadt Athen, die so groß und facettenreich ist, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Ich sah die Touristenviertel mit den unzähligen Souvenirshops, die mit Graffiti überzogenen Wohngegenden und Universitäten, den Hafen, die Akropolis, die Museen und Ausstellungsorte der documenta, die Bars, Clubs und Restaurants.

Zur documenta kann ich sagen, dass für mich die Ausstellungen zur modernen und zeitgenössischen Kunst sehr interessant waren - auch wenn ich mir manchmal einen ausgeprägteren Sinn für Kunst oder ein besseres Kunstverständnis gewünscht hätte, um einige der Kunstwerke noch besser durchschauen zu können. Zu meinem Glück gab es noch genügend andere Dinge für Kunstneulinge wie mich zu sehen.

Der Besuch der documenta hat mein Interesse an Kunst also auf jeden Fall geweckt und es wird sich zeigen, wie weit ich die gemachten Erfahrungen noch mit der documenta in Kassel ergänzen kann.

Während des Projektes unterhielten wir uns auf Englisch und ich war wieder mal überrascht, wie leicht es mir fiel, die englische Sprache zu benutzen, wenn es denn mal darauf ankommt. Dies lag aber auch an der ungezwungen Atmosphäre, da es für jeden eine Fremdsprache und so auch eine Herausforderung war.

Ein Vorteil des Ganzen war es, dass man sich zumindest oberflächlich auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede konzentrieren konnte. Kam es dann doch mal zu Missverständnissen, hat meistens schon ein simples Nachfragen gereicht, um sie wieder aus der Welt zu schaffen. Eine Jugendbegegnung wie diese bietet also eine gute Möglichkeit, seine Englischkenntnisse zu verbessern und ein bisschen Routine im Sprechen zu bekommen. Meine Selbstsicherheit, ein Gespräch auf Englisch zu führen, ist auf jeden Fall gewachsen.

Aus den geführten Gesprächen ging für mich schnell hervor, dass ich mit den jungen Menschen aus Europa viele Probleme, Gedanken und Gefühle teilen konnte. Ich entdeckte viele Parallelen zu meinem Alltag und mir wurde klar, dass es bis auf unseren kulturellen Hintergrund und der wirtschaftlichen Lage des Heimatlandes gar nicht so viele andere Dinge gab, die uns voneinander unterschieden. Es entwickelte sich immer mehr eine Art „Klassenfahrtsgefühl“, welches ich sonst nur aus der Schule kannte.

Das Thema von Wechsel und Veränderung war nicht nur im Programm des Projektes allgegenwärtig, sondern war grade auch anhand der Stadt und ihrem nach wie vor andauerndem Kampf mit der Finanzkrise zu erkennen.

Besonders auffällig waren natürlich die vielen geschlossenen Läden, die man findet, wenn man erst mal die Touristenviertel verlassen hat und die vielen obdachlosen Menschen sieht, die zusammen mit Hunden und Katzen auf den Straßen leben.

Im Kontrast dazu stand die faszinierende Architektur und Kultur der Griechen. Direkt neben den prunkvollen, historischen Gebäuden saßen Menschen auf den Straßen, die durch das Betteln, den Drogenverkauf oder mit Touristenfallen versuchen ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Das gleiche Phänomen gibt es natürlich auch in deutschen Großstädten, allerdings nicht in diesem Ausmaß. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Jugendbegegnung in Athen eine tolle Erfahrung und Bereicherung für mich war. Mein Interesse an weiteren Projekten ist auf jeden Fall geweckt worden. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, mit denen ich auch in Kontakt bleiben werde. Falls ich nun mal in Italien, Griechenland, Spanien oder Polen bin, habe ich dort Freunde, die mich sofort bei sich aufnehmen würden und auch ich würde das Gleiche für sie tun.

Ich habe bereits damit begonnen, mein Umfeld über Projekte wie dieses zu informieren und bin gespannt auf meine nächste Jugendbegegnung.

Von Maximilian Hanke

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