Arnold-Bode-Preis

Kassel war in ganz Deutschland bekannt für seine Altstadt, doch die wurde im Krieg zerstört. Es musste sich neu erfinden, und mit der documenta trug deren Begründer Arnold Bode maßgeblich dazu bei. An ihn erinnert auch der mit 10.000 Euro dotierte nach ihm benannte Preis für Leistungen in der Kunst der Gegenwart.

Arnold Bode während der documenta 2 im Jahr 1959 im Museum Fridericianum

Arnold Bode wurde am 23. Dezember 1900 in Kassel geboren und studierte Malerei an der Kasseler Kunstakademie.

Erste Erfolge erzielt er als Maler (Preise; Ankauf Nationalgalerie Berlin), aber auch als Raumgestalter, Grafiker und Ausstellungsmacher (Moderne Kunst, Orangerie Kassel 1929). Er geht als Dozent nach Berlin, erhält 1933 von den Nazionalsozialisten Berufsverbot und kehrt zurück nach Kassel in die innere Emigration. Den Krieg überlebt er als Soldat in der französischen Etappe.

Schon bald nach 1945 initiiert Bode in seiner kriegszerstörten Heimatstadt anspruchsvolle Kunstausstellungen, träumt von einer "Großen internationalen Kunstausstellung", verdient sein Geld aber als gefragter Entwerfer von Möbeln und Firmenständen auf Industriemessen. 1955 gelingt ihm, gegen viele Widerstände, aber mit Hilfe eines Freundeskreises, die erste documenta als Begleitprogramm zur damaligen Bundesgartenschau. Mit sensationellem Erfolg.

Das Erfolgsrezept: Erstens war die documenta anders als die Biennale in Venedig unabhängig von nationalen Interessen und Ambitionen. Ein hochkarätig besetztes Auswahlgremium war autonom in seinen Entscheidungen und garantierte einen internationalen Überblick auf hohem Niveau. Zweitens verstand es Bode auf einzigartige Weise, dem individuellem Kunstwerk durch ästhetisch anspruchsvolle Präsentation einen würdigen Rahmen zu geben. Dieser Inszenierungsstil prägte die insgesamt vier documenten (1955, 1959, 1964, 1968), die unter Bodes künstlerischer Leitung stattfinden. Unvorstellbar heute die Schwierigkeiten und Widerstände, gegen die der unermüdliche Bode und seine Mitstreiter immer wieder anzukämpfen hatten, um eine neue documenta durchzusetzen.

Mit Harald Szeemann findet 1972 ein Generationswechsel in der documenta-Leitung statt. Doch Bodes Engagement für die documenta hält an. Er hat noch Großes mit ihr vor. Er träumt von einer documenta urbana (Städtebau als gemeinsame Aufgabe für Künstler und Architekten), und er träumt vom Oktogon-Projekt (das monumentale Herkules-Denkmal als documenta-Spielort): Zwei obsessiv verfolgte Ziele, für die er sich vergeblich engagiert. Arnold Bode stirbt am 3. Oktober 1977, einen Tag nach Ende der 6. documenta.

Seit dem 19. März 1999 trägt Kassel den offiziellen Namenszusatz „documenta-Stadt“, um die enge Verbindung zur weltbekannten Kunstausstellung zu betonen.

Preis, Stiftung, Kuratorium

Der Arnold-Bode-Preis der documenta-Stadt Kassel wird seit 1980 an Künstlerinnen und Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde von 1980 bis 1988 jährlich, seitdem meist zweijährig, aber obligatorisch in einem documenta-Jahr, verliehen. Eine documenta‐Teilnahme ist dafür nicht die Voraussetzung, documenta‐Niveau aber Maßstab der Entscheidung. Die Verleihung findet in der Regel in den Räumlichkeiten des Kasseler Kunstvereins in Zusammenhang mit einer Ausstellung der jeweiligen Preisträger statt.

Die Arnold‐Bode‐Stiftung wurde 1978 von der Stadt Kassel ins Leben gerufen. Das Grundkapital der Arnold-Bode-Stiftung entstammt Kunstwerken, die Arnold Bode von documenta-Künstlern anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 1975 geschenkt wurden. Der Zweck der Stiftung liegt in der Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere durch Vergabe des Arnold-Bode-Preises. 

Dem Kuratorium gehören entsprechend der Stiftungsverfassung ein Mitglied der Familie Bode, ein Finanzsachverständiger sowie drei Kunstsachverständige an. Die Mitglieder sind jeweils für fünf Jahre im Amt. Es sind dies derzeit Ingo Buchholz, Prof. Heiner Georgsdorf (Vorsitzender), E.R. Nele, Prof. Dr. Julia Voss sowie die künstlerische Leitung der documenta, Naomi Beckwith. Das Kuratorium tagt gemeinsam mit Kulturdezernent Dr. Sven Schoeller, der den Stiftungsvorstand vertritt.