Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes

Im Frühjahr/Sommer 2023 sollen die auf zwei Jahre angesetzten Bauarbeiten beginnen: Nach ihrem Abschluss soll der Brüder-Grimm-Platz die Bedeutung besitzen, die er verdient. Die Neugestaltung ist ein Projekt nationalen Ranges.

Der Platz im Februar 2022 (Blick vom Vorplatz des Hess. Landesmuseums in Richtung Obere Königsstraße): So soll er nicht bleiben.
Info-Walk mit Stadtbaurat Christof Nolda (rechts)
Vogelflugperspektive bzw. Blick von der Dachkante Obere Königsstraße 1 auf das Hess. Landesmuseum
Bestandsfoto Januar 2020 – Blick in etwa gleich wie oben

Nationales Projekt des Städtebaus

Seit 2021 steht das Ergebnis des vergaberechtlichen Verhandlungsverfahrens seiner Neugestaltung fest: Danach soll der historische Grundriss des Brüder‐Grimm‐Platzes wieder sichtbar werden; in seiner Mitte wird ein immergrünes Baumrondell von hohem symbolischen und ökologischen Wert entstehen; die Parkplätze an den Rändern weichen zugunsten von mehr Aufenthaltsqualität; und die Flächen vor den Museen und die Fassaden der Museen am Platz kommen neu zur Geltung. Das sind Eckpunkte des Entwurfs der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro RÖVER Ingenieursgesellschaft, Beratende Ingenieure VBI aus Gütersloh. Durchgesetzt hat er sich in einem Wettbewerbsverfahren mit hochkarätigen Teilnehmenden. Das Entwurfskonzept befindet sich jetzt in der Planungsphase. 

„Mit der Umgestaltung des Brüder‐Grimm‐Platzes wird die Verbindung zwischen Innenstadt, Museumslandschaft und Wilhelmshöhe auf besondere Weise wiederhergestellt,“ so Stadtbaurat Christof Nolda. „Mehr Grün, mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität: Der jetzige Entwurf hat das Potenzial, den Brüder-Grimm-Platz neben Königs- und Friedrichsplatz wieder als dritten innerstädtischen Platz erlebbar zu machen und die touristische Attraktivität Kassels zu steigern. Das grüne Rondell ist eine starke, stadtökologische Figur, die selbst ein Hingucker sein wird, durch ihre Positionierung aber auch alle Häuser am Platz neu in Szene setzt.“

„Der Brüder‐Grimm‐Platz als Gelenk zwischen Bergpark und Innenstadt ist ein wesentlicher Ort innerhalb der Kasseler Museumsinsel. Eine Neugestaltung nach einem zeitgemäßen Nutzungskonzept unterstreicht die historische und gegenwärtige Bedeutsamkeit des Platzes", ergänzt mhk‐Direktor Prof. Dr. Martin Eberle. Die Neugestaltung unterstreiche diese historische und gegenwärtige Bedeutsamkeit. Oberbürgermeister Christian Geselle dankt den Beteiligten des Verfahrens, mit denen man gemeinsam "zu einem so überzeugenden Ergebnis gekommen" sei.

Die Neugestaltung ist ein "Nationales Projekt des Städtebaus". Dieses Bundesprogramm fördert Projekte mit besonderer nationaler bzw. internationaler Wahrnehmbarkeit. Die Gesamtkosten sind mit 9,75 Mio. Euro veranschlagt, von denen der Bund 6,5 Mio. übernimmt. Die Stadt zahlt das verbleibende Drittel. 

Derzeit vorwiegend Verkehrsraum...

In seinem derzeitigen Zustand wird der Brüder‐Grimm‐Platz seiner Bedeutung im Stadtgefüge nicht gerecht. Auch sein touristisches Potenzial schöpft er nicht aus. Er besitzt wenig Aufenthaltsqualität und wird eher als Verkehrsraum mit grünen Restflächen und ohne Bezug zur Randbebauung wahrgenommen. Dabei bildet der Platz seit seiner Entstehung das Gelenk zwischen der Königsstraße als Haupt- und Fußgängerachse der Innenstadt und der Wilhelmshöher Allee, der Sicht- und Verbindungsachse zum UNESCO Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe. Er liegt darüber hinaus inmitten musealer Einrichtungen von nationalem und internationalem Rang.

Kassel besitzt eine bis heute überzeugende städtebauliche Grundstruktur. Sie beruht auf der barocken Erweiterung der damals mittelalterlichen Innenstadt und der daran anknüpfenden Wilhelmshöher Allee - mit ihrer Sichtachse zum Herkules. Entscheidend für diese Grundstruktur sind die drei großen, geometrisch angelegten Stadtplätze: der runde Königsplatz (mit den sechs sternförmig auf ihn zulaufenden Straßen), der rechteckige Friedrichsplatz (mit Bezug in die Landschaft) und der ursprünglich sechseckige Brüder-Grimm-Platz. Auf der Grundlage der Ziele der Kasseler Charta für Baukultur soll der Brüder-Grimm-Platz wieder als solcher wahrnehmbar und erlebbar werden und seiner historischen Bedeutung gerecht werden.

Unabhängig davon findet übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft ein anderes Bauprojekt statt: Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) reißt ab Frühjahr 2022 das ehemaligen Verwaltungsgerichtsgebäudes auf der Nordseite des Brüder-Grimm-Platzes ab, um dort den Neubau für das Tapetenmuseum zu errichten.

Klicken Sie in das Bild und begeben Sie sich auf einen virtuellen Rundgang auf dem Brüder-Grimm-Platz!
Das Modell (Maßstab 1:200) des aktuellen Planungsstands wird in Kürze im Rathaus frei zugänglich zu sehen sein.

...zukünftig ein Platz mit Baumrondell

Wo heute der Autoverkehr dominiert, wird künftig ein weitläufiger Brüder-Grimm-Platz mit einem Baumrondell viele Funktionen erfüllen. Die Bäume in seiner Mitte schirmen den Verkehr der Wilhelmshöher Allee ab und schaffen Raum für Aufenthalt und Begegnungen sowie besseren Fuß- und Radverkehr. Fußgänger-Überwege sollen an der Friedrichsstraße und im Bereich der Torwachen, dem Beginn der Wilhelmshöher Allee, entstehen.

Seine Bedeutung für den Tourismus wird erheblich wachsen: Der Platz wird dann zum Entree für die "innerstädtische Museumsinsel" - dazu gehören das Landesmuseum, das künftige Deutsche Tapetenmuseum, die beiden Torwachen, das Hugenottenhaus in der Friedrichsstraße, die GRIMMWELT und der Weinberg, das Museum für Sepulkralkultur und die Murhardsche Bibliothek. Nicht weit entfernt liegen auch die Neue Galerie und die Karlsaue. Neben einer Grundbeleuchtung sieht der Wettbewerbsentwurf eine zusätzliche atmosphärische Lichtinstallation vor. Ob und in welchem Umfang sie realisiert wird, ist noch Teil der Planung.
 
Um den Platz umweltfreundlich zu erschließen, soll westlich der beiden Torwachen eine neue Straßenbahnhaltestelle entstehen. Profitieren werden davon auch das Elisabeth-Krankenhaus und das Friedrichsgymnasium. 

Der künftige Brüder-Grimm-Platz wird einen Grünanteil von über 2.500 Quadratmetern (bisher 1.840) besitzen, also rechnerisch rund 50 mal 50 Meter. Für das grüne Rondell sind rund 70 hochstämmige immergrüne Kiefern (pinus silvestris, Wald-Kiefer) mit drei unterschiedlichen Größen von ca. sieben bis zwölf Metern vorgesehen. Bezogen auf den Siegerentwurf überzeugte die  Wald-Kiefer (pinus sylvestris) - nicht nur in ihrer Wuchsform als gestalterisches Element, sondern auch weil sie sich an Trockenheit, Hitze, Frost und näherstoffarme Böden gut anpasst. Die auch in Nordhessen heimische Wald-Kiefer kommt auf immer mehr prägenden Plätzen in deutschen Städten zum Einsatz. Die Kiefern stehen auf einem standortgerechten und robusten Pflanzenteppich. Ein Wassersprühsystem wird die Pflanzen bei Trockenheit bewässern. Zusätzlich ist ein Sprühnebelsystem im Gespräch, das die Pflanzen benetzt, für ein gutes Mikroklima sorgt und ästhetisch ansprechend ist. 

Als planerische Metapher für den Entwurf ist der Begriff „Märchenwald“ entstanden. Warum auch nicht? Dadurch wird nicht nur ein Bezug zu den Grimms geschaffen - das Kiefern-Rund könnte auch zum Markenzeichen eines belebten und bespielten Brüder-Grimm-Platzes werden.

Video 3D-Stadtmodell des Brüder-Grimm-Platzes

3D-Stadtmodell

Schauen Sie sich den Brüder-Grimm-Platz heute und in Zukunft im digitalen Zwilling der Stadt Kassel an.

Zum 3D-Stadtmodell (Öffnet in einem neuen Tab)
Zum Video 3D-Stadtmodell (Öffnet in einem neuen Tab)

Trickfilm zur Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes

Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Kassel; Foto: Constanze Wüstefeld
  • Stadt Kassel; Foto: Andreas Weber
  • Visualisierung ClubL94
  • Stadt Kassel; Foto: Andreas Fischer
  • Stadt Kassel
  • Stadt Kassel; Foto: Andreas Fischer
  • Stadt Kassel
  • Stadt Kassel
  • F. W. Selig, „Plan der Fürstlich Hessischen Residenz und Haupt Stadt Cassel, 1781, Staatl. Kunstsammlungen Cassel (Holtmeyer, Tf. 15, Umzeichnung Heidelbach, S. 165)
  • F. W. Selig, Stadtplan, 1822 (Holtmeyer, Tf. 16)
  • Stadt Kassel; Foto: Marc Köhler
  • Stadt Kassel; Foto: Marc Köhler
  • Stadt Kassel