Mark Hoppus: Fahrenheit-182
Ein Tipp von Carolin Orthofer
Wer, so wie ich, seine Jugend um die Jahrtausendwende verbracht hat, kann sich an diese Band bestimmt noch sehr gut erinnern: Blink-182, drei Jungs aus Kalifornien, eroberten damals den Rock- und Punkkosmos und fielen mit ihren frechen Texten und wilden Videoclips auf. Mittlerweile sind 25 Jahre vergangen, sowohl die Band als auch ich sind erwachsen geworden. In dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen, und davon berichtet nun der Bassist und Sänger der Band, Mark Hoppus. Von Anfang an wird man auf eine spannende und höchst unterhaltsame Zeitreise mitgenommen. Der Ton ist freundschaftlich-lässig, aber nicht oberflächlich, alles fühlt sich wie ein entspannter Abend mit einem guten Freund an, mit dem man über alte Zeiten plaudert. Und es gibt eine Menge zu erzählen: beginnend von seiner zunächst behüteten Kindheit in einer abgelegenen Wüstenstadt über die Trennung seiner Eltern, zu den ersten Gehversuchen der Band, dem langen Ritt auf der Erfolgswelle, bis zu den Schattenseiten des Bandlebens. Es folgen Auseinandersetzungen, Trennungen, Umbesetzungen und persönliche Krisen, doch auch nach diesen schwierigen Jahren finden die Jungs, inzwischen gestandene Männer, wieder zusammen. Doch gerade, als es wieder gut läuft, erhält Mark die Hiobsbotschaft: Krebs. Glücklicherweise ist er mittlerweile geheilt und er beendet das Buch mit einem positiven Blick in die Zukunft. All die verschiedenen Facetten machen das Buch so spannend. Es ist nicht „Hey, guckt mal, ich bin reich und berühmt und mir kann keiner was!“, sondern eher „Es ist so viel in meinem Leben passiert– wie habe ich das alles überstanden?“ Nach der letzten Seite ziehe ich folgendes Fazit aus dem Buch: egal, wie sehr dich das Leben runterzieht, du findest immer einen Weg, aufzustehen und den Spaß daran wiederzufinden. Frei nach dem Motto: Keep on rockin‘!
Standort: In der Zentralbibliothek im Untergeschoss (UG R Musik, Signatur R 93 Hop).
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Tipps der letzten Monate
Alexandria Warwick: The North Wind - Reich aus Eis und Schatten
Seit dem Tod ihrer Eltern kämpfen Wren und ihre Schwester Elora jeden Tag ums Überleben. In ihrem Dorf Edgewood herrscht ein strenger und erbarmungsloser Winter, doch das ist nicht der einzige Feind. Der Schattenwall, der das Dorf von den Dunkelgängern trennt, beginnt zu bröckeln, und die Gefahr rückt unaufhaltsam näher.
Nur eine Hochzeit zwischen dem mächtigen Frostkönig Boreas, dem Nordwind, der auf der anderen Seite des Schattenwalls herrscht, und einer sterblichen Frau kann die Menschen in Edgewood retten. Als Boreas Elora auswählt, um seine nächste Frau zu werden, setzt Wren alles aufs Spiel, um sie zu beschützen, und heiratet an ihrer Stelle den gefürchteten Frostkönig und begibt sich in sein Königreich. In Boreas’ eisigem Reich beginnt für Wren ein neues Leben, fremd, einsam und voller Zweifel. Jenseits des Schattenwalls ist nichts, wie sie es sich vorgestellt hat.
Wer ist Boreas wirklich? Kann sie ihm vertrauen? Und wird sie stark genug sein, um den Schattenwall zu retten und ihre Schwester zu beschützen?
Die Autorin entführt die Lesenden in eine faszinierende Welt aus Eis und Schatten. Die Enemies-to-Lovers-Geschichte zwischen Wren und Boreas ist mitreißend geschrieben und lässt einen die tiefen Gefühle zwischen den beiden Hauptfiguren hautnah miterleben. Ein perfektes Winter-Romantasy-Buch! Emotional, märchenhaft und voller Magie!
Ein Tipp von Tamara Katzmann
Standort: In der Zentralbibliothek im Untergeschoss, Bereich Fantasy (Signatur War 15).
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Karen Masters: Geschichte der Astronomie
Das 2025 im Berner Haupt-Verlag erschienene Buch „Geschichte der Astronomie“ ist ein Werk der amerikanischen Professorin Karen Masters aus Pennsylvania. Anhand von über 100 bedeutenden Büchern aus aller Welt wird in dem 270 Seiten starken Band die Geschichte der Astronomie dargestellt. Dabei ist das Werk in sechs Kapitel gegliedert:
Zunächst einmal sind da die „Himmelsatlanten“ mit den ersten Sternkarten, den Astrolabien und der berühmten Himmelsscheibe von Nebra aus der Bronzezeit. Dann kommen die „Karten anderer Welten“ mit der Darstellung von Sonne und Mond durch Galileo Galilei und des niederländischen Astronomen Christian Huygens. Das nächste Teil, „Astronomie und Kultur“ genannt, befasst sich mit den alten Karten aus dem Islam und dem prähistorischen Mesoamerika. In der „Entwicklung des Universums“ werden dann Bücher vorgestellt, die den Übergang vom ptolemäischen zum heliozentrischen Weltbild beschreiben. Die Werke des Ptolemäus und der modernen Forscher wie Galilei, Johannes Kepler und von Nikolaus Kopernikus stehen hier im Mittelpunkt. „Astronomie für Alle“ zeigt dem Leser besonders schön illustrierte Lehrbücher von der Zeit des Mittelalters bis hin ins frühe 20. Jahrhundert. Das Buch schließt ab mit der „Astronomie des 20. Jahrhunderts“, erzählt von den aktuellen Standardwerken z. B. von Stephen Hawking.
Das Buch von Karen Masters erzählt die Geschichte der Astronomie nicht stringent in chronologischer Abfolge, sondern stellt die Entdeckungen in der Astronomie anhand ausgewählter, historischer Werke dar. Es besticht durch seine hervorragenden Abbildungen der astronomischen Werke aus mehreren Jahrhunderten. Passend dazu gibt es Texte, die die Bedeutung des jeweiligen Werkes für die Forschung herausheben.
„Die Geschichte der Astronomie“ ist ein wunderschön illustriertes Buch, nicht nur für am Universum und den Himmelskörpern interessierte Menschen. Jeder Buchliebhaber wird seine Freude an den Abbildungen alter Bücher, den historischen Darstellungen alter Karten und den Darstellungen des Sternhimmels vergangener Jahrhunderte haben.
Ein Tipp von Hendrik Bühnemann
Standort: In der Zentralbibliothek im Untergeschoss (Signatur T 30 Mas).
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Nadine Bieg: Stempel selber machen - individuelle Motive schnitzen und kreative Projekte gestalten - mit einfachen Anleitungen und Vorlagen
Das kennt man ja: man braucht eine Geschenkkarte oder einen Anhänger für ein Geschenk und findet einfach kein passendes Motiv. Die Abbildungen, die man findet, hatte man schon gefühlte 500-mal und sie sind nur noch langweilig. Dieses Buch hat die Lösung für dieses Problem. Stempel. Selbstgemachte Stempel, die sehr vielseitig verwendbar sind. Es vermittelt die Grundlagen für den Umgang mit Stempelgummi und Schnitzwerkzeug und erklärt, wie das Bedrucken von unterschiedlichen Materialien gelingt. Ob Papier, Kork oder Textilien – die Einsatzmöglichkeiten für die Stempel sind fast grenzenlos. Viel Spaß!
Ein Tipp von Christine Rettig
Standort: In der Zentralbibliothek und in den Stadtteil- und Schulbibliotheken Niederzwehren und Oberzwehren (UG Z Sport/Basteln Z 42.9 Bie).
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Julia Friedrich: Rund um Kassel – 20 Wohlfühlwege
Der September lädt mit schönen Spätsommertagen zum Wandern ein. Es müssen aber nicht unbedingt die Alpen oder der Harz sein. Auch direkt vor der eigenen Haustür kann man die Stadt Kassel und das Umland zu Fuß neu entdecken.
Die Gäste- und Wanderführerin Julia Friedrich hat in ihrem Buch 20 Wanderungen für Naturliebhaber und Genussmenschen zusammengestellt. Die Touren führen in den Urwald, durchs Moor und über Felsen.
Alle Wanderwege werden ausführlich beschrieben und sind sehr schön illustriert. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es eine Karte und eine Zusammenfassung der Tour mit den wichtigsten Informationen. Die Autorin gibt auch wertvolle Tipps zur Einkehr.
Machen Sie sich auf die Region zu Fuß zu entdecken. Ihre Wege führen Sie u.a. nach Felsberg, Germerode, zur Künstlernekropole in Kassel oder in den Urwald Sababurg.
Sehr empfehlenswert ist auch die Website der Autorin Julia Friedrich gruenstiefel.de (Öffnet in einem neuen Tab)
Ein Tipp von Knut Hoffmann
Standort: In der Zentralbibliothek im Untergeschoss (Signatur D 40.1 Fri). Das Buch gibt es auch in der Jugendbücherei und den Stadtteil- und Schulbibliotheken Niederzwehren, Oberzwehren und Waldau.
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Mary E. Pearson: The Courting of Bristol Keats
Bristol Keats und ihre Schwestern, Harper und Cat, haben erst vor Kurzem ihre Eltern verloren. Um die kleine Familie zusammenzuhalten, stemmt Bristol alles allein, bis eines Tages wie aus dem Nichts eine entfernte Verwandte auftaucht und eine schockierende Wahrheit ans Licht bringt: Alles, was Bristol über ihre Eltern zu wissen glaubte, war eine Lüge. Ihr Vater könnte sogar noch am Leben sein.
Um ihn zu finden, geht sie einen Pakt mit dem Danu-König Tyghan ein und reist mit ihm nach Elfheim. Tyghan braucht Bristols verborgene Fähigkeit, und im Gegenzug wird er ihr helfen, ihren Vater zu suchen. Doch anders als Bristol ist es ihm egal, ob er tot oder lebendig gefunden wird.
Mit jedem Schritt tiefer in diese fremde Welt wird Bristol nicht nur mit Intrigen und dunklen Mächten konfrontiert, auch Tyghans rätselhafte Anziehungskraft zieht sie immer stärker in ihren Bann. Wird Bristol trotz all der Hindernisse und Schwierigkeiten ihren Vater finden und retten können?
Der erste New-Adult-Fantasyroman der Autorin überzeugt mit einer starken Protagonistin, einem fesselnden Schreibstil und einer wunderschönen Fantasywelt, in die man sofort eintauchen kann.
Ein Tipp von Tamara Katzmann
Standort: In der Zentralbibliothek im Untergeschoss, Bereich Fantasy (Signatur Pea 7).
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Martina Behm: Hier draußen
In "Hier draußen" erzählt Martina Behm die Geschichte eines Paares, das gemeinsam mit seinen Kindern den Großstadtalltag in Hamburg gegen ein Leben auf dem Land eintauscht. Lara und Ingo lassen sich in einem Dorf in Schleswig-Holstein nieder, in der Hoffnung, dort mehr Ruhe und Nähe zur Natur zu finden. Während Lara sich schnell an das neue Leben gewöhnt und in der Dorfgemeinschaft Anschluss findet, fühlt sich Ingo zunehmend entfremdet – vor allem wegen seines langen Arbeitswegs zurück in die Stadt, wo er weiterhin in einem Start-up tätig ist.
Die Handlung nimmt eine Wendung, als Ingo eines Abends eine weiße Hirschkuh mit dem Auto überfährt. In dem Dorf kursiert der Aberglaube, dass ein solches Ereignis schlimme Folgen nach sich zieht – „denn wer so eine tötet, heißt es, hat nur noch ein Jahr zu leben“. Dieses Ereignis löst eine Kette von inneren und äußeren Veränderungen aus, nicht nur bei Ingo, sondern auch bei den anderen Dorfbewohnern.
Durch wechselnde Perspektiven wirft der Roman einen differenzierten Blick auf das Leben in der ländlichen Gemeinschaft mit kleinbäuerlichen Betrieben. Unterschiedliche Figuren – von der tatkräftigen Landfrau über einen eigenbrötlerischen Jäger bis hin zu den letzten Verbliebenen einer alten Öko-WG – geben dem Buch Tiefe und Vielstimmigkeit. Dabei wird das Dorfleben nicht verklärt, sondern realitätsnah mit all seinen Licht- und Schattenseiten geschildert: Gemeinschaftsgefühl und Naturnähe stehen Problemen wie Isolation, traditionellen Rollenbildern oder eingeschränkter Mobilität gegenüber.
In ihrem warmherzigen Debüt gelingt es der Autorin, mit trockenem Humor und einem feinen Gespür für Zwischentöne, ein authentisches Bild vom Leben „draußen“ zu zeichnen. Ein Leben, das nicht nur Idylle und die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben widerspiegelt, sondern auch die Komplexität der menschlichen Beziehungen im Dorf. Was es eigentlich bedeutet, „gut“ zu leben – um diese Frage kreist der Roman.
Ein Tipp von Petra Richter
Standort: In der Zentralbibliothek im Untergeschoss, Bereich Romane (Signatur Beh 3) und als eBook in der Onleihe.
Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl transportiert.
Romy Herold: Ritter Sport - ein Traum von Schokolade
„Quadratisch, praktisch, gut“ – fast jeder kennt diese drei Worte und verbindet die Ritter Sport Schokolade damit. In die Geschichte eingegangen ist Clara Ritter als die Erfinderin des Schokoquadrats. Der Roman zeichnet den Weg der jungen Clara von ihren Kindheits- und Jugendtagen bis zu ihrem Wirken als Unternehmerin in Waldenbuch nach – jener Stadt zwischen Stuttgart und Tübingen, in der die Schokoladenfabrik Ritter bis heute zuhause ist.
Clara Göttle wird 1877 im idyllischen Tomerdingen auf der Schwäbischen Alb geboren. Die Eltern bewirtschaften dort einen Hof und führen eine Gaststätte, in der die junge Clara und ihre Geschwister mithelfen müssen. Eines Tages probiert Clara zum ersten Mal ein Stück Schokolade, das sie von einem Gast geschenkt bekommt, der den berühmten Blautopf in Blaubeuren besuchen will und in der Gastwirtschaft Pause macht. Sie weiß sofort, dass sie diese süße Köstlichkeit zu ihrem Beruf machen will. Von da an beginnt sie, in der heimischen Küche selbst Schokolade herzustellen. Nach der Schule macht Clara eine Ausbildung zur Handelsmamsell im Ulmer Feinkostladen Gaissmaier. Mit dem da angeeigneten Wissen und viel Unternehmergeist eröffnet Clara zusammen mit ihrer Schwester in Cannstatt ein Süßwarengeschäft. Dort lernt sie den Konditormeister Alfred Ritter kennen – die Liebe ihres Lebens und den Mann, der ihre Leidenschaft teilt. 1912 heiraten die beiden und gründen noch im selben Jahr die Schokoladen- und Süßwarenfabrik Alfred Ritter. Durch zwei Weltkriege und vielen Hindernissen hindurch schaffen sie es, die Firma zum Erfolg zu führen.
Das Autorenduo Romy Herold hat einen schönen und unterhaltsamen Roman über Clara Ritter geschrieben, der gut recherchiert ist und auf historischen Fakten beruht. Clara Ritter war viel mehr als nur der kreative Kopf hinter dem Schokoquadrat. Der Roman zeichnet eine außergewöhnliche Frau nach, die mit Eigenständigkeit, Leidenschaft und Mut trotz der Widrigkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Unternehmen aufbaut, in deren Tradition heute die vierte Generation der Familie Ritter steht.
Ein Tipp von Sabine Koch
Kai Artinger: Raubkunst - Kunstraub. 19 Werke und ihre Geschichten
Der Kunsthistoriker Kai Artinger vom Kunstmuseum Stuttgart stellt in seinem neuen Buch verschiedene Fälle aus dem Bereich der Raubkunst bzw. des Kunstraubes vor. Durch die geraubte oder käufliche Aneignung von Kunstgegenständen wurden zum Beispiel während der Kriegswirren des 2. Weltkrieges reiche Juden um ihre Kunstsammlungen gebracht. Und auf eine ähnliche Weise gelangten die Werke wie die Nofretete-Büste vom Fundort in Kairo in das Ägyptische Museum nach Berlin. Im Zuge aktueller historischer Debatten befassen sich immer mehr sogenannte Provenienzforscher mit der Frage, wer die ursprünglichen Besitzer der Kunstwerke waren und wie diese Kunstwerke wieder an die Nachkommen zurückgegeben werden können. Das sind teils sehr komplizierte Fälle, die sich oft spannend wie ein Krimi lesen. So wurden im Jahr 1897 die Benin-Bronzen, 5000 Jahre alte Messing-Gegenstände, bei der Eroberung des Königreiches Benin durch die Briten als Beutekunst mit nach London genommen. Wenige Jahre später wurden diese Bronzen an Kunstmuseen in London, Berlin und Wien verkauft. Erst im Jahr 2022 kam es zwischen der nigerianischen Regierung, auf deren Boden das alte Benin heute liegt, und den beteiligten europäischen Ländern zu einer Einigung für die Rückgabe der Gegenstände. Das zeigt, dass erst in heutiger Zeit das Bewusstsein für diese Raubkunst bei den europäischen Ländern und ihren Museen entstanden ist. Durch die verschiedenen Kunstwerke und die verschlungenen Wege, den diese Kunstwerke genommen haben und die Detektivarbeit der Kunsthistoriker, diese Kunstwerke wieder aufzuspüren, liest sich das Ganze sehr spannend. Das ist etwas für historisch Interessierte, es ist ein Buch für Kunstliebhaber. Das Buch ist ein echter Geheimtipp für Leser, die mal was ganz anderes lesen wollen.
Ein Tipp von Hendrik Bühnemann
Charlotte von Feyerabend: Seid nett aufeinander
Ein starker Roman über das abenteuerliche Leben von Beate Uhse: Beate Uhse, geborene Köstlin, wird im Oktober 1919 auf einem stattlichen Gut in Ostpreußen geboren. Sie genießt eine behütete, unbekümmerte und freie Kindheit. Schon früh träumt sie vom Fliegen, möchte später Pilotin werden. Die Eltern unterstützen und fördern das Kind in jeglicher Hinsicht. Beates Mutter war eine der ersten Ärztinnen Deutschlands. Von ihr wurde Beate gründlich aufgeklärt und sogar über gängige Verhütungsmethoden informiert. Als Jugendliche verlässt sie Ostpreußen und geht auf die neuartige „Schule am Meer“ auf Juist, eine reformpädagogische Einrichtung, die auf „ganzheitliche“ Bildung setzt: auf Musik, Natur, Handwerk. In der Fliegerschule Rangsdorf nahe Berlin beginnt Beate 1937 ihre Flugausbildung. Als Frau muss sie sich durch Leistung behaupten, wird Einfliegerin bei einem Flugzeugbauer und fliegt auch im Zweiten Weltkrieg, überführt Maschinen für die Luftwaffe. Ihr Ehemann Hans-Jürgen Uhse ist auch Pilot, er verunglückt 1944. Vor dem Einmarsch der Roten Armee gelingt ihr die Flucht nach Schleswig-Holstein, wird dort mit ihrem Sohn heimisch. Aus der Not der Nachkriegsjahre heraus, entwickelt sich Beate Uhse zur Aufklärerin - über die weibliche Fruchtbarkeit, mit ihrer Aufklärungsbroschüre, die sie "Schrift X" nannte. Denn Beate Uhse hat einen Traum: Jede Frau soll das Recht auf einen Orgasmus haben! So wird nicht nur ihr unternehmerisches Talent geweckt, sondern auch ihr Wunsch, für die sexuelle Befreiung der Frau zu kämpfen – die Geburt einer Legende und der Beginn eines Imperiums, das jeder kennt…
Die Autorin Charlotte von Feyerabend hat gründlich recherchiert, deshalb ist ihr Roman reich mit Fußnoten versehen. Das unterscheidet diese Biografie wesentlich von anderen. Es ist die Roman-Biografie einer beeindruckenden, mutigen Frau. Man wird mit anderen Augen auf Beate Uhse schauen und verstehen, was diese Frau wirklich geleistet hat.
Ein Tipp von Sabine Koch
Alina Herbing: Tiere, vor denen man Angst haben muss
Es ist Herbst, es ist eiskalt, ein abbruchreifes Haus voll mit wilden Tieren, die auf dich lauern, sobald du dein Zimmer verlässt… Wer jetzt denkt, dass dies der Beginn eines atemberaubenden Horrorschockers ist, irrt.
Alles beginnt Anfang der 1990er‐Jahre: die DDR ist untergegangen, viele neue Möglichkeiten eröffnen sich und so vermeintlich auch für die Familie, die in diesem Roman im Mittelpunkt steht. Sie erwerben ein heruntergekommenes Haus inmitten der Einöde von Mecklenburg‐Vorpommern. Es gibt kein fließendes Wasser, das Plumpsklo steht am Rande einer Viehweide und ständig ist es kalt. Die Mutter möchte ihren Traum von einem antikapitalistischen Leben verwirklichen, überzeugt davon, dass in der DDR alles besser gewesen sei. Der Vater hält es in dieser verordneten Einfachheit nicht lange aus und macht sich mit den drei älteren Kindern bald aus dem Staub. Nur die jüngsten Geschwister Madeleine und Ronja bleiben bei der Mutter, die aus falsch verstandener Tierliebe heraus Hunde, Katzen, Ziegen und Wildschweine in immer größerer Zahl anschleppt. Die Tiere bekommen von der Mutter die gesamte Aufmerksamkeit und Fürsorge, für ihre Kinder bleibt oft nur ein Schulterzucken übrig.
Dem Leser bietet sich im Laufe der Geschichte ein Bild, das immer mehr von vertauschten Rollen geprägt wird. Die Kinder müssen ihren Alltag größtenteils allein stemmen und viel Verantwortung übernehmen. Die Mutter hingegen setzt ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen ihren Willen durch und verliert zunehmend den Blick für die Realität. So ignoriert sie, wie das Haus immer mehr verkommt und zunehmend unbewohnbar wird. Durch die klare Sprache und die ebenso scharf gezeichneten Bilder entsteht das Gefühl, von den ekligen Gerüchen, dem immensen Chaos und der Kälte umgeben zu sein. Ein Roman, der noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Ein Tipp von Carolin Orthofer
Helene Kilb: Resteliebe Tapeten. Alles verwenden, nichts verschwenden, die schönsten Ideen aus Tapetenresten
Es ist mal wieder so weit: Das große Renovieren steht an, natürlich inklusive Tapezieren. Wohnzimmer, Gästezimmer, Kinderzimmer… Mit Tapeten verschiedenster Art, von denen selbstverständlich wieder mal einiges übrigbleibt, da kann man noch so gut planen. Und was wird dann aus den Resten? Die schmeißt man weg, ja? Nein! Dieses Buch zeigt wunderschöne Bastelideen für Tapetenreste. Ob Papiertapeten, Naturtapeten, Textiltapeten, sogar für Metalltapeten. Was auch immer es für eine Tapete ist, es gibt Bastelvorschläge. Für nützliche Dinge, für Accessoires und Geschenke. Sehr schön bebildert und vor allem gut erklärt.
Für alle Bastelfans, die nicht gerne Reste wegwerfen.
Ein Tipp von Christine Rettig
Angelika Overath: Ein Winter in Istanbul
Den 45-jährigen Gymnasiallehrer Cla verschlägt es im Rahmen eines Stipendiums von seiner internationalen Schweizer Schule in eine dreimonatige Beurlaubung nach Istanbul. Währenddessen bleibt in der Schweiz seine Freundin Alva, ebenfalls Lehrkraft, Mitte 30, zurück. In einem der zahlreichen Lokale mit Aussicht auf den Bosporus sitzend, erhascht er einen Blick auf Kellner Baran. Die zwei Männer freunden sich an und beginnen, immer mehr Zeit miteinander zu verbringen.
In seiner Unterkunft im Stadtteil Tarabya will Cla einerseits zu Ruhe und andererseits in Schreiblaune kommen, um seine Arbeit über das Leben des mittelalterlichen Philosophen Nikolaus von Cues, besser bekannt als Cusanus, zu vollenden. Doch Cla bleibt seit seiner Begegnung mit Baran ein Getriebener seiner Gefühle. Die Autorin bringt in die Erzählung um Baran und Cla die Geschichte des Cusanus ein, der eine Gesandtschaftsreise vom Bosporus nach Venedig unternimmt, um an Verhandlungen über die Kircheneinheit teilzunehmen. Dies mutet zunächst ungewöhnlich an, verleiht der Geschichte aber eine zusätzliche historische Note, die die Lebenswege von Cla und Cusanus zu verknüpfen scheint.
Auf Barans und Clas Spaziergängen durch die pulsierende Metropole wird wie im Vorbeigehen viel Wissenswertes über die wechselhafte Geschichte der Stadt vermittelt, die im Laufe ihres Daseins viele Namen trug, ihre Identität nach Belieben der jeweiligen Herrscher veränderte und doch jedes Mal etwas Neues dazugewann, um sich zu dem Ort zu entwickeln, wie wir ihn heute erleben. Und so wie sich Istanbul wandelt, wandeln sich auch die Empfindungen zwischen Baran und Cla, als Alva plötzlich zu Besuch kommt…
Eine vielschichtige Geschichte darüber, wie hilfreich es sein kann, vertraute Pfade zu verlassen und den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, um herauszufinden, was man wirklich will.
Ein Tipp von Ann-Kristin Kemna