Die Zähmung der Widerspenstigen

Baptista möchte seine beiden Töchter verheiraten. Bianca hat schon einige Anwärter, darf jedoch erst geheiratet werden, wenn sich auch jemand für ihre Schwester entscheidet. Katharina allerdings ist „borstig“ und gibt gerne Widerworte, weshalb sie nicht so gut auf dem Heiratsmarkt „geht“. Da kommt Petruccio ins Spiel, er braucht Geld und will (vor allem deshalb) heiraten. So nimmt er sich Katharina und ihrer „Zähmung“ an, mit Schlafentzug, Hunger, Demütigung. Kurz gesagt: Psychofolter.

Schon der Titel Die Zähmung der Widerspenstigen löst unmittelbar Widerstand aus, einen feministischen Würgereflex. Eine Frau, die von ihrem Ehemann gebrochen wird, der seinen Erfolg mit einem süffisanten „Kiss me, Kate“ besiegelt – Shakespeare! Dein Ernst?! Das ist doch sonst nicht deine Art.

Doch auch Katharina terrorisiert ihr Umfeld, sie quält ihre Schwester Bianca. Alle Figuren dieser Komödie haben sich mehr oder weniger einer gewissen Widerspenstigkeit verschrieben. So auch der Vater, der die Bewerber seiner Tochter Bianca zum Warten verdonnert. Diese wiederum verklären Bianca zum Lustobjekt und widersetzen sich dem Willen des Vaters: ihre Widerspenstigkeit zeigt sich in der Bereitschaft zum Rollenspiel, um in Biancas Nähe zu bleiben.

Shakespeares frühe Komödie beschreibt die Liebe als ein sadistisches (Rollen-)Spiel, das die Geschlechter miteinander treiben.

Die Regisseurin Pia Richter ist bekannt für ihre starken Setzungen. Auch in vergangen Arbeiten hat sie auf kluge Weise Klassiker auf ihre heutigen Themen hin befragt und dabei immer neue Abzweigungen in den Inszenierungstraditionen gefunden, um Platz zu machen für zeitgenössische Diskurse. In ihrer zweiten Beschäftigung mit Shakespeare werden Geschlechterrollen zur Diskussion gestellt und bis ins Monströse verzerrt: Die Frage nach der Macht der Geschlechter wird so zur Absurdität getrieben.

Komödie von William Shakespeare

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