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Paul von Hindenburg

Späterer Reichspräsident residierte in Schloss Wilhelmshöhe

Paul von Hindenburg ist eine der umstrittensten maßgeblichen Figuren des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Er war im Ersten Weltkrieg Oberbefehlshaber derjenigen deutschen Armee, die 1914 die in Ostpreußen einmarschierten russischen Truppen vernichtend schlug. Das trug ihm den Mythos vom Retter Deutschlands ein. Nach der Kapitulation des Reiches 1918 wurde Schloss Wilhelmshöhe für drei Monate Sitz der Obersten Heeresleitung mit Hindenburg an der Spitze. Bei seiner Ankunft wurde er von Tausenden bejubelt. Von Kassel aus organisierte der Generalfeldmarschall mit seinem Stab die Demobilisierung der Truppen. Anfang 1919 ernannte ihn die Stadt zu ihrem Ehrenbürger.

Für viele Menschen in Deutschland  wurde Hindenburg - gerade nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 -  zu einer Identifikationsfigur. Andererseits aber war er einer der führenden Exponenten, wenn nicht sogar der Urheber der sogenannten „Dolchstoßlegende“, die die Verantwortung der militärischen Führung für das Desaster des Krieges von sich selbst weg- und statt dessen den maßgeblichen Kräften der Novemberrevolution zuschob. Die "Dolchstoßlegende" trug maßgeblich dazu bei, die Demokratie in den Augen vieler verächtlich zu machen. Sie vergiftete das politische Klima in der Weimarer Republik, war eine der Wurzeln für das Aufkommen des Nationalsozialismus und ebnete letztlich mit den Weg in die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte.

Hindenburgs Ansehen in der Bevölkerung war seinerzeit indes so groß, dass er 1925 als Kandidat des unter anderem von DVP und DNVP angeführten "Reichsblocks" zum Reichspräsidenten gewählt wurde -  ein Amt, das mit erheblichen Machtbefugnissen ausgestattet war. Er blieb es - bei einer Wiederwahl 1932 von einem breiten Bündnis der demokratischen Parten unterstützt, um den Sieg des Gegenkandidaten Adolf Hitler zu verhindern - bis zu seinem Tod 1934. In seine Amtszeit fielen somit das Ende der Weimarer Demokratie und der Beginn der NS-Diktatur. Seine Rolle dabei wird sehr kritisch gesehen, denn mit der Art seiner Amtsführung verlieh er diesem Einschnitt in die deutsche Geschichte den Schein von Legalität.

Bis zum Abzug der Bundeswehr aus Kassel 1994 trug eine der Kasernen in der Stadt Hindenburgs Namen.

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