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Gleis 13/14 – Das Gedächtnis der Gleise

Gleisbett mit Schienen; © Stadt Kassel; Foto: Soremski


Gedenken an ein dunkles Kapitel der Geschichte

Zwischen 1941 und 1942 wurden jüdische Kinder, Frauen und Männer vom damaligen Kasseler Hauptbahnhof in das jüdische Ghetto von Riga, in das Konzentrationslager Majdanek, das Vernichtungslager Sobibor und in das Ghetto und KZ Theresienstadt deportiert. Etwa 2500 Menschen wurden vom Gleis 13 in drei Sonderzügen abtransportiert und Opfer des Nationalsozialismus. Ihnen soll nun an dem historischen Ort gedacht werden. Das von dem Künstler Dr. Horst Hoheisel entworfene Mahnmal mit dem Titel „Gleis 13/14 – Das Gedächtnis der Gleise“ erinnert an die deportieren und ermordeten Kasseler Juden.   

 

Einweihung des neuen Gedenkortes mit dem Oberbürgermeister, dem Künstler und weiteren Beteiligten; © Stadt Kassel; Foto: Soremski
Dr. Gunnar Richter (Leiter der Gedenkstätte Breitenau), Dr. Horst Hoheisel (Künstler), Bertram Hilgen (Oberbürgermeister), Dr. Klaus Vornhusen (Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für das Land Hessen), Wolfram Ebert (Vorstandsmitglied Kasseler Sparkasse), Leif Niklas Wulf (Leiter des Bahnhofsmanagements Kassel) (von links)

Das Mahnmal wurde im Kulturbahnhof Kassel als Ort des Gedenkens von Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Dr. Klaus Vornhusen, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für das Land Hessen, sowie Dr. Gunnar Richter, dem Leiter der Gedenkstätte Breitenau, eingeweiht worden. Es besteht aus 1007 Namen von Kasseler Juden, die auf 120 Metern neuverlegter Schienenstrecke eingraviert sind, sowie aus einer Gedenktafel.

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel hatte im Januar 2014 angeregt, dass an dem ehemaligen Abfahrtsgleis der Züge eine angemessene Gestaltung zum Gedenken an die Deportationen erfolgen sollte. Mit dem von Dr. Hoheisel gestalteten Kunstwerk, das mit Unterstützung der Deutschen Bahn AG und der Förderung durch die Kasseler Sparkasse, die Henschel GmbH, Volkswagen Osnabrück und durch die Volkswagen Akademie Kassel realisiert werden konnte, soll nun an dem historischen Ort der deportierten und ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer gedacht werden.

Oberbürgermeister Hilgen bedankte sich bei den Wegbereitern und Mitgestaltern für die Realisierung des Projektes, das daran mitwirke, die Erinnerung an das Leid der im Nationalsozialismus deportierten Kasseler Mitbürger, an das Grauen dieser dunklen Zeiten wach zu halten. „Unser Dank richtet sich vor allem an den Künstler Dr. Horst Hoheisel sowie an die Gedenkstätte Breitenau. Die Stadt hat gern für dieses Projekt die Koordination übernommen und auch ihren Beitrag aus Mitteln des Kulturetats geleistet, damit das Mahnmal heute eingeweiht werden kann“, sagte er.

Das Gleis; © Stadt Kassel; Foto: Soremski

Nah-Ansicht der Gleis-Gravur; © Stadt Kassel; Foto: Soremski


Erinnerung an die ‚Entgleisung‘ aller menschlichen Normen durch die Nationalsozialisten

"Alle Opfer haben das Recht auf die Erinnerung an ihren Namen, an ihre Identität, ihr Schicksal", erklärte Dr. Horst Hoheisel. "Dieses Gleis zur Erinnerung an die ‚Entgleisung‘ aller menschlichen Normen durch die Nationalsozialisten wird nie mehr befahren werden. Es ist jetzt ein Ort der Erinnerung. Die in die Schienen gravierten Namen sind so groß, dass man sie beim Abschreiten des Bahnsteigs gut lesen kann." "Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland ist und bleibt außerordentlich wichtig. Und es ist gut, dass gerade junge Leute, Auszubildende verschiedener Unternehmen, durch ihre Mitarbeit an dem Projekt auch das Nachdenken über das Thema Deportation in die Zukunft tragen. Ich bin der Stadt Kassel und den Partnern dieses Projekts daher dankbar für ihr vorbildliches Engagement. Die Deutsche Bahn verbindet mit dem Gedenken das Engagement gegen jegliche Form von Hass und Gewalt", so Dr. Klaus Vornhusen.

Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau: "Mit dem neugeschaffenen Denkmal von Horst Hoheisel ist ein eindrucksvoller Gedenkort entstanden, der an die deportierten und ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer erinnert. Wir wünschen uns, dass dieses Mahnmal von vielen Menschen als Ort der Erinnerung und des Gedenkens wahrgenommen und angenommen wird. Gleichzeitig möchten wir mit dem Blick auf die Geschichte auch dazu auffordern, gegenwärtigen Entwicklungen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten und sich aktiv für Menschenwürde, Gleichberechtigung, Toleranz und gegenseitige Achtung einzusetzen."

Zahlreiche Auszubildende und ihre Ausbilder, die an der Umsetzung des Kunstwerks mitwirkten, nahmen an der Veranstaltungen teil. Beteiligt waren Auszubildende der Deutschen Bahn am Verlegen der Gleise, von VW am Programmieren der Schrift, der Firma Henschel bei den Fräsarbeiten.

Veröffentlicht am:   23. 12. 2015  

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