www.kassel.de
Logo: Stadt Kassel

Chronik der Jahre 1900 - 1944

1900

28. Februar
Der Klempner- und Installateurmeister Carl Föbus gründet einen eigenen Handwerksbetrieb.

18. April
Die Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Kassel konstituiert sich feierlich.

21. April
Konditormeister Siegfried Nenninger übernimmt die frühere Konditorei Dippel in der Wilhelmshöher Allee. Seit 1955 sind Café und Konditorei Nenninger in der Garde-du-Corps-Straße zu finden.

12. Dezember
In der Gastwirtschaft "Bunter Bock" in der Mönchebergstraße gründen 26 Bürger den "Konsum- und Sparverein Kassel" heute coop.

1901

Im Januar liefert Wegmann & Co. in Rothenditmold den 10 000. Waggon aus. Wegmann und die junge Waggonfabrik Gebrüder Credé & Co. in Niederzwehren haben mittlerweile einen Marktanteil von 10 % an der gesamten deutschen Produktion von Eisenbahnwagen errungen.

1. April
Die Reinigung der städtischen Straßen und die Beseitigung des Hausmülls war bisher Sache der Hausbesitzer; jetzt wird dies von der Stadtverwaltung übernommen.

6. Oktober
Heinrich und Gertrud Krönert eröffnen eine Bier- und Getränkegroßhandlung, die, 1925 in die Kart- häuser Straße verlegt, viele Jahrzehnte hindurch eine zufriedene Kundschaft hat.

15. Oktober
Konditoren und Pfefferküchler schließen sich zu einer Innung zusammen. Am gleichen Tag eröffnet der Frisör Eduard Metzger ein Parfümeriegeschäft im Königstor.
In diesem Jahr gründen Dr. Karl Siebert und Albert Kühn eine Firma, die sich mit der Herstellung von Präzisionsglasinstrumenten, z. B. Thermometern, befasst.

1902

12. März
Führende Männer des Fleischerhandwerks gründen die "Genossenschaft für Häute- und Fettwertung zu Cassel", später HAFEKA abgekürzt.

26. Mai
Im Steinweg 10 wird die "obligatorische Fortbildungsschule" eröffnet. Damit beginnt die Geschichte der Gewerblichen Berufsschule.

1. August
Ingenieur Wilhelm Ponndorf läßt seine mechanische Werkstatt in das Handelsregister eintragen, Beginn der renommierten Ponndorf Maschinenfabrik KG.

2. Oktober
In Bettenhausen gründen die Brüder Rudolf und August Manns eine Fassfabrik und einen Fassgroßhandel.
In diesem Jahr werden in Kassel 224 "Fabriken" gezählt, 48 davon im Bereich Metallverarbeitung, Maschinen, Werkzeuge, Instrumente und Apparate, 45 im Bereich Nahrungs- und Genußmittel, 43 im Bereich Holzverarbeitung.

1903

3. Januar
Carl Weidner und August Mühlau gründen eine Stempelfabrik mit angeschlossener Buchdruckerei. 1904 übernimmt Carl Weidner die Firma als alleiniger Inhaber und nennt sie nach Eintritt seines Bruders Philipp als Teilhaber im Jahre 1911 Gebrüder Weidner.
Karl Schölch beginnt mit dem Aufbau eines Sägewerks und einer Holzhandlung in Bettenhausen, die sich bald zu einem leistungsfähigen Unternehmen entwickelt. Früh wendet er sich auch dem Karosseriebau zu.

27. April
Die Herkulesbahn, die bereits seit einem Jahr Braunkohle aus dem Habichtswald zu Tal befördert, nimmt jetzt auch den Personenverkehr auf.

1. Mai
Maurermeister Friedrich Straube gründet eine eigene Baufirma, die sich zu einem renommierten Baugeschäft für Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau entwickelt.

22. Juni
Im Gerichtsgebäude am Steinweg beginnt der Prozess gegen Adolph Schmitt, den ehemaligen Generaldirektor der Kasseler Aktiengesellschaft für Trebertrocknung. Der Zusammenbruch der Firma hatte zu einem Finanzskandal geführt, der die traditionsreiche Leipziger Bank ruinierte. Auch viele Kasseler Bürger wurden um ihr Geld gebracht.
Im Juli stirbt der Gründer der AG für Federstahl, vormals A. Hirsch & Co., Siegfried Hirsch. Als einer der ersten hatte er vor Jahrzehnten begonnen, Stahleinlagen für Korsetts (als Ersatz für Fischbein) zu fabrizieren. Damit gelang es dem Unternehmen, eine führende Stellung in Deutschland zu erlangen.

17. Oktober
Der Hauptmann a. D. Ernst Simons, Königstor 26, gründet die "Simonsbrotfabrik Nr. 25", die sich später Mitteldeutsche Simonsbrot-Fabrik nennt.

1904

1. April
Nachdem bereits am 28. Oktober 1903 die Teilstrecke Wilhelmshöhe-Elgershausen der neuen Naumburger Kleinbahn in Betrieb genommen wurde, kann nun die Gesamtstrecke bis Naumburg befahren werden.
Baumeister Arno Arold gründet ein Bauunternehmen. Am gleichen Tag macht Ludwig Bachmann einen Schrott- und Metallhandel auf.

21. Juli
Apotheker Dr. Eugen Dombois erhält die Konzession für eine Apotheke in der Moritzstraße, die Victoria-Apotheke.

3. August
Robert Mees gründet ein Baugeschäft, das er lange Jahre leitet. Beim 50jährigen Bestehen beschäf- tigt die Firma 120 Mitarbeiter.

2. September
Am "Sedan-Tag", dem Erinnerungstag an die Schlacht bei Sedan, wird der Bismarck-Turm auf dem Brasselsberg eingeweiht. Die Bauarbeiten führte die Firma August Zahn aus.

1905

1. April
Glasermeister Louis Hundertmark macht sich selbständig und eröffnet ein Geschäft am Altmarkt.

8. Juni
In der Hohenzollernstraße 2 eröffnet Carl Scheyhing ein Optik-Geschäft.

1. Juli
Die Jubiläumsgewerbeausstellung, die anlässlich des 50jährigen Bestehens des Handels- und Gewerbevereins veranstaltet wird, öffnet ihre Pforten in der Voraue.
Am Friedrichsplatz richtet Theodor Ziehe eine Gravieranstalt ein, zu der später die Fertigung von Gummistempeln hinzukommt. Seit 1945 befindet sich die Firma in der Tränkepforte 4.

3. September
Letztmalig strömen zahlreiche Besucher in die Jubiläumsgewerbeausstellung, die ein voller Erfolg geworden ist. Besonderes Interesse finden die mit modernsten Maschinen eingerichteten Musterwerkstätten.

1906

1. April
Die Vorortgemeinden Wahlershausen, Kirchditmold, Rothenditmold und Bettenhausen vereinigen sich nach längeren Verhandlungen mit dem Stadtkreis und der Stadtgemeinde Kassel.
In diesem Jahr wird das Gebäude der Oberpostdirektion in der Hohenzollernstraße 24 fertiggestellt.

1907

1. März
Die Bauingenieure Otto Gerdum und Karl Breuer gründen eine Baufirma, die sich frühzeitig dem Stahlbetonbau zuwendet und über den nordhessischen Raum hinaus Bedeutung erlangt.

1. April
Christian Berghöfer gründet in der Mönchebergstraße 8 1/2 eine Metallschlauchfabrik. Beim 50jährigen Bestehen beschäftigt das Werk in Kassel-Niederzwehren 200 Arbeitnehmer und expor- tiert seine Erzeugnisse in alle Welt.

13. Mai
Elf Jahre nach dem ersten Volksbad am Wall eröffnet die Stadt in der Luisenstraße eine zweite Ein- richtung für Reinigungsbäder, das "Wannen- und Brausebad II".

Im gleichen Jahr:
Die Fassfabrik von M. B. Bodenheim schließt sich mit zwei anderen Betrieben zu den Vereinigten Fassfabriken AG zusammen. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kommt die Firma in Schwierigkeiten, die zur Schließung des Betriebes führen.

1908

13. Juni
Die Kaiserliche Familie bezieht - wie jedes Jahr - Schloss Wilhelmshöhe als Sommerresidenz.

1. Juli
Durch Übernahme des Privatbankgeschäfts Mauer & Plaut, Kölnische Straße 11, wird die Dresdner Bank in Kassel ansässig.

5. August
Aus Anlaß der Zerstörung des Zeppelin-Luftschiffs LZ 4 bei Echterdingen rufen die städtischen Körperschaften zur Sammlung einer Nationalspende auf. Es werden 16.552 Reichsmark gesammelt.

1. September
Die städtische Wohnungsinspektion nimmt ihre Arbeit auf, die vor allem auf eine Verbesserung der teilweise überaus schlechten Wohnungsverhältnisse der Altstadt gerichtet ist.

28. September
Apotheker Max Kühn erhält die Konzession zur Einrichtung und Führung einer Apotheke in der Weserstraße, der Wesertor-Apotheke.

18. Oktober
Am Rande der Karlsaue wird das neue Gebäude der Königlichen Kunstakademie eingeweiht.

31. Oktober
Die neue Fuldabrücke in der Nähe des Hafens, die Hafenbrücke, wird dem Verkehr übergeben.

2. November
Einweihung der Krankenpflegeanstalt "Rotes Kreuz" auf dem "Langen Feld" südlich der Wilhelmshöher Allee.

1909

4. Februar
Verursacht durch starken Regen, Tauwetter und Eisgang tritt die Fulda über die Ufer und über- schwemmt die Unterneustadt und Bettenhausen. Das Hochwasser erreicht eine Höhe, wie sie seit 1841 nicht mehr zu verzeichnen war.

31. März
Aus Anlass des Abbruchs des Stadtbaues, des alten Hochzeitshauses an der Fulda, das einem Brückenneubau weichen muss, veranstalten Bürger der Altstadt eine Abschiedsfeier.

1. April
Ernst Krell eröffnet eine Großhandlung für Butter, Käse und Fettwaren.

14. April
Apotheker Karl Trautmann erhält die Konzession für eine Apotheke in der Hohenzollernstraße westlich der Querallee.

9. Juni
Tag der Einweihung des neuen Rathauses in der Oberen Königsstraße. Am Morgen erklingt Choral- musik vom Rathausturm. Vor 400 geladenen Gästen hält Oberbürgermeister August Müller eine Weiherede.

11. Juni
Letzte Aufführung im Hoftheater in der Oberen Königsstraße.

26. Juni
In der Holländischen Straße eröffnet Färbermeister Theodor Ebeling eine "Kunstfärberei und Chemische Reinigungsanstalt". Zunächst werden überwiegend getragene Kleidungsstücke umgefärbt.

13. August
Kaiser Wilhelm II. besichtigt das neue Rathaus und trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

21. August
Die Firma Beton- und Monierbau AG errichtet eine Niederlassung in Kassel.

26. August
Mit der Oper "Undine" wird das neue Hoftheater am Friedrichsplatz in Anwesenheit des Kaisers feierlich eingeweiht.

1. Oktober
Das städtische Verkehrsamt nimmt seine Tätigkeit auf. Heinrich Hille gründet eine Zuckerwarengroßhandlung, später Mitteldeutscher Schokoladen- und Zuckerwarenvertrieb.

2. November
Der durch seine bedeutenden Stiftungen bekannte Ehrenbürger Georg André Lenoir stirbt im Alter von 84 Jahren und wird in der Familiengruft auf dem Gut Teichhof bei Hessisch-Lichtenau beigesetzt.

1910

1. April
Zimmermeister Nicolaus Bode gründet ein Holzbauunternehmen.

1. Mai
Hans Mertl gründet die Firma Etuis-Mertl.

3. Juni
Die Automobil-Rallye des kaiserlichen Prinzen Heinrich, die Prinz- Heinrich-Fahrt, erreicht Kassel.

6. Juni
Der Verband deutscher Zeitungsverleger trifft sich für zwei Tage in Kassel.

26. Juni
Der Verband deutscher Installateure, Klempner und Kupferschmiede veranstaltet einen zweitägigen Kongress in Kassel.

16. Juli
Wilhelm Schmidt gründet die Schmidt'sche Heissdampfgesellschaft mbH, mit Sitz in Kassel, Wilhelmshöher Allee 273, Ecke Rolandstraße. Das Unternehmen besteht heute noch unter dem Namen ALSTOM Power Energy Recovery GmbH, Kassel.

15. August
Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Firma Henschel und Sohn und der Fertigstellung der 10 000. Lokomotive stiftet die Unternehmerin Sophie Henschel 250 000 DM als Grundstock für die Errichtung eines Schwimmbads. Durch weitere Zuwendungen wächst die Summe auf über 600 000 Mark.

26. September
Der Hessische Bankverein kauft von der Stadt Kassel das Palais Hessen-Rotenburg am Königsplatz.

1. Oktober
153 196 Menschen leben in der Stadt Kassel.

3. Dezember
Die fertiggestellte einbogige Fuldabrücke wird dem Verkehr übergeben.

4. Dezember
Erstmals erscheint in Kassel eine Abendzeitung, die bürgerliche "Kasseler Neueste Nachrichten", die bis 1943 von vielen Kasselern gern gelesen wird.

Im gleichen Jahr:
Hans Mertl gründet eine "Etuis-Fabrik". Um seine Erfindungen selbst zu nutzen, gründet der Ingenieur Wilhelm Schmidt die Schmidt'sche Heißdampfgesellschaft mbH, die Hochdruck- Dampferzeuger herstellt.

1911

16. Januar
Apotheker Wilhelm Lappe erhält die Konzession zur Errichtung einer Apotheke in Wahleshausen. Er nennt sie Herkules-Apotheke.

16. April
Die ersten zwei Taxis ("Automobildroschken") finden neben dem Droschkenverkehr mit Pferdebe- spannung Verwendung.

14. Juni
Anläßlich seines 85. Geburtstages schenkt der Kasseler Unternehmer Sigmund Aschrott der Stadt Kassel ein Grundstück von 10.000 Quadratmetern im Westen der Stadt mit der Auflage, eine Stadthalle darauf zu errichten.

22. Juni
Die 25. Deutsche landwirtschaftliche Wanderausstellung wird auf dem Forst bei Bettenhausen eröffnet und zieht in sechs Tagen nahezu 200 000 Besucher an.

3. Juli
"Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten", Teilnehmer des dritten deutschen Rundfluges, landen in Kassel auf dem Forst.

10. Juli
Die Herkulesbahn wird um eine Zweiglinie vom Luisenhaus zum Brasselsberg erweitert.

5. Oktober
Die Leonhard Tietz AG eröffnet an der Stelle des alten Hoftheaters ein großes Warenhaus (heute Kaufhof).
Fritz Westhoff macht sich in diesem Jahr selbständig und baut ein Unternehmen der Kraftfahrzeugbranche auf.
Wilhelm Brzezina gründet ein Zigarreneinzelhandelsgeschäft, das er in der Hohenzollernstraße 9 eröffnet.

1912

1. Januar
Das neue städtische Elektrizitätswerk wird in Betrieb genommen.

5. Januar
Die Motorwagenhandelsgesellschaft E. und H. Apell wird ins Handelsregister eingetragen. 1926 wird ihr die Generalvertretung der Daimler-Benz AG für Nordhessen und Südhannover übertragen.

1. April
Die Bauingenieure Hans Sauerwein und Willi Schaefer gründen einen Spezialbetrieb für Beton- und Eisenbetonbau.

6. Juli
Vor dem Rathaus wird ein Brunnen eingeweiht, den Sophie Henschel, die Chefin der Henschel- Werke, gestiftet hat.

20. August
Die neue Eisenbahnlinie zwischen Wellerode-Wald und Kassel-Bettenhausen, die Söhre-Bahn, nimmt ihren Betrieb auf.

21. September
Der Zentralverband der Maler-Einkaufsgenossenschaften Deutschlands tagt in Kassel.

29. September
Tausende sind hinausgezogen auf den Forst, Kassels ersten Flugzeuglandeplatz (zwischen Betten- hausen und Waldau gelegen), um die erste Landung eines Zeppelin-Luftschiffs in Kassel zu erleben.

1. Oktober
In Niederzwehren gründet Schreinermeister Hermann Schaumann eine Schreinerwerkstatt und einen Verkaufsladen für zum Teil selbst gefertigte Möbel.

1913

22. Januar In Gegenwart des Bischofs von Fulda, Dr. Schmitt, wird das neuerbaute Marienkrankenhaus auf dem Rothenberg feierlich eröffnet.

1. Februar
In der Unteren Königsstraße, Ecke Hohentorstraße, eröffnet das aus Münster kommende "Groß- Etablissement für moderne Herren- und Knaben-Kleidung H. Hettlage" eine Niederlassung.

8. Februar
Die Ziegeleibesitzer Deutschlands halten ihren Verbandstag in Kassel ab.

1. Mai
Einrichtung eines städtischen Nachrichtenamtes.

22. Juni
Mit der Erteilung einer Konzession an Dr. Rudolf Gaze ist der Weg frei für eine Apotheke in Bettenhausen, die Landgrafen-Apotheke in der Leipziger Straße.

24. Juni
Die Brüder Georg und Hans Reisse gründen in Korbach ein Bauunternehmen, das sie zwei Jahre später nach Kassel verlegen. Hier spezialisieren sie sich auf Gleisbau.

23. August
Der Neubau des Hessischen Landesmuseums am Wilhelmshöher Platz wird eingeweiht.

7. - 29. September
Die dreitägige Tausendjahrfeier der Stadt wird durch ihre vielfältigen Veranstaltungen zu einer gelungenen Großattraktion, die nicht zuletzt auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu Buche schlägt.

9. Oktober
Zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Arbeitslose bewilligt die Stadtverordnetenversammlung 300.000 Reichsmark.

22. November
Die "Wehr- und Großschifffahrts-Schleusenanlage" in der Fulda nahe dem Finkenherd wird dem Verkehr übergeben. Jetzt können größere Schiffe bis an die Schlagd in der Altstadt gelangen.

1914

31. März
Die städtische Feuerwehr wird mit Kraftfahrzeugen ausgerüstet.

1. April
Die Stadthalle, zur Tausendjahrfeier bereits genutzt, wird offiziell eingeweiht.

1. Mai
Bei Bohrungen in Wilhelmshöhe wird eine starke Sole zu Tage gefördert.
Der Inhaber der Henschel-Werke, Geheimer Kommerzienrat Dr. Karl Henschel, stiftet 600.000 Reichsmark zu den Baukosten einer städtischen Badeanstalt. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, dem zu errichtenden Gebäude den Namen Henschelbad zu geben.

19. Mai

Die Teilnehmer des Prinz-Heinrich-Fluges landen, von Frankfurt am Main kommend, auf dem Forst und fliegen am Tag darauf nach Hamburg weiter.

24. Mai
Heinrich und Elisabeth Albert eröffnen im Haus Ludwigstraße 8 eine Schuhmacherei mit Schuhver- kauf. 1952 werden großzügige Geschäftsräume in der Unteren Königsstraße 46 bezogen.

1. August
Der Erste Weltkrieg bricht aus. Auch in Kassel trifft der Befehl zur Mobilmachung ein. Die aus- rückenden Soldaten werden bis zu den Verladebahnhöfen begleitet und mit Blumen verabschiedet.

5. August
Die Stadthalle wird der Militärverwaltung als Arbeitsstätte für 1500 Schneider überwiesen.

20. September
Zur Finanzierung des Kriegs wird eine (erste) Kriegsanleihe aufgelegt. Im Geschäftsbezirk der Reichsbankstelle Kassel werden 45 Millionen Reichsmark gezeichnet.

1915

18. - 23. Februar
Auf Veranlassung des "Kriegsausschusses für warme Unterkleidung für die im Felde stehenden Truppen" findet eine "Reichswollwoche" statt. Ältere Schüler sammeln Kleiderspenden ein, gebrauchte wollene Kleidungsstücke und sonstige Wollsachen.

25. Februar
Mit der Einführung von Brotmarken wird der Brotkauf staatlich reguliert.

25. März
Mit dem Verkauf eines großen Areals südlich von Bettenhausen an den Militärfiskus beginnt die Errichtung einer Munitionsfabrik riesigen Ausmaßes. Im Frühjahr 1917 ist sie vollständig in Betrieb. Bis zu 15 000 Menschen sind in Tag- und Nachtarbeit mit der Herstellung von Munition beschäftigt.

22. April
In der Opernstraße wird eine Auskunftstelle für Gasverwertung eröffnet.

13. Juli
Bei Bohrungen in Wilhelmshöhe wird in 1250 Meter Tiefe eine neue Solequelle angebohrt.

12. August
Auf dem Friedrichsplatz wird für die Dauer des Krieges eine städtische Markthalle errichtet.

24. September
Für die 3. Kriegsanleihe werden im Bezirk der Kasseler Reichsbankstelle 133 Millionen Reichsmark gezeichnet.

13. Oktober
Eine Sammlung von getragenen "aber noch gebrauchsfähigen" Schuhen und Stiefeln wird veranstaltet.

21. Oktober
Im Evangelischen Vereinshaus in der Kölnischen Straße wird der Kasseler Hausfrauen-Verein gegründet.

1916

24. März
Auf 97 Millionen Reichsmark beläuft sich das Zeichnungsergebnis auf die 4. Deutsche Kriegsanleihe im Kasseler Bezirk der Reichsbankstelle.

16. April
Bei der Firma Henschel & Sohn wird die 14 000. Lokomotive fertiggestellt.

22. Juni
Zur Finanzierung kriegsbedingter Lasten beschließt die Stadtverordnetenversammlung die Aufnahme einer Kriegsanleihe von 20 Millionen Reichsmark.

24. Juli
Zur Stärkung der Goldrücklage der Reichsbank wird in der Gewerblichen Fortbildungsschule in der Hedwigstraße eine Goldsammelstelle eingerichtet.

29. August
Geheimer Kommerzienrat Dr. ing. Karl Henschel stiftet 500.000 Reichsmark für ein Hallenschwimmbad.

7. Oktober
Das Ergebnis der 5. Kriegsanleihe beträgt im Bezirk der Reichsbankstelle 103 Millionen Reichsmark, davon 94 Millionen in der Stadt Kassel.

1917
Außerhalb des bebauten Stadtgebiets entsteht ein weiträumiger Werkskomplex der Firma Henschel & Sohn: Das Werk Mittelfeld. Im Jahr darauf ist dort die Eisen- und Metallgießerei fertiggestellt.
Die Rüstungsproduktion läuft in diesem Jahr auf Hochtouren. Zum Teil wird mit Tag- und Nacht- schichten gearbeitet. Die zivile Bautätigkeit (Wohnungsbau) kommt zum Erliegen.

17. April
Der Ingenieur Andreas Bitter gründet die "A. Bitter und Co. GmbH", um elektromechanische Be- darfsartikel herzustellen und zu vertreiben. Vor allem durch ihre Kühlschränke wird die bis 1966 in der Nordstadt bestehende Firma bekannt.

1918

6. Mai
Die "Casseler Wohnungsfürsorge GmbH" wird gegründet. Sie erhält den Namen "Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel" (GWG).

9. November
In Berlin ruft ein "Kasseläner Junge", Philipp Scheidemann, gegen 14 Uhr die "deutsche Republik" aus. Auch in Kassel bildet sich ein Arbeiter- und Soldatenrat, der die Macht übernimmt.

14. November
Mit dem "Großen Hauptquartier" trifft Generalfeldmarschall von Hindenburg in Kassel ein, um von Wilhelmshöhe aus die Demobilisierung der deutschen Truppen zu leiten.

22. November
Die Wirtschaftsgenossenschaft Kasseler Hausbesitzer wird gegründet.

1. Dezember
Georg Schüßler gründet nach abgelegter Meisterprüfung ein Fachgeschäft für sanitäre Installation.

Im gleichen Jahr:
Der Kaufmann Carl Jürgens eröffnet ein Geschäft, in dem er Leiter- und Kastenwagen anbietet. Bald erweitert er das Angebot um Stahldraht- und Polstermatratzen.
Xaver Wiethoff gründet eine Werkzeug-, Werkzeugmaschinen- und Industriebedarfsartikelhandlung.

1919

1. Januar
Zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung nimmt die Stadtwehr ihre Tätigkeit auf. Zeitweise stehen 6500 Bürger unter Waffen.
Anfang des Jahres richtet der Begründer und Generaldirektor des Wintershall-Konzerns, August Rosterg, im 2. Stockwerk des Hauses Hohenzollernstraße 139 ein zentrales Leitungsbüro ein, kurz darauf mietet er den 3. Stock dazu. Wenige Jahre darauf wird das Haus vom Erdgeschoß bis zum 4. Stock für die Wintershall in Anspruch genommen.

28. Januar
Generalfeldmarschall von Hindenburg wird zum Ehrenbürger der Stadt Kassel ernannt.

29. Januar
Gründungsversammlung der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft mbH "Hessische Heimat", die am 5. April ins Handelsregister eingetragen wird.

2. März
Erstmals sind Kassels Frauen bei einer Wahl zur Stadtverordnetenversammlung wahlberechtigt (aktiv und passiv). Sechs Frauen werden in das Stadtparlament gewählt.

7. März
Der Ladenschluss wird von 20 Uhr auf 19 Uhr vorverlegt.

1. April
Die Nordhessischen Braunkohlenzechen gründen eine gemeinsame Verkaufs- und Vertriebsorganisation mit Sitz in Kassel.
Wilhelm Heindrich gründet im Hause Kaiserplatz 45 ein bautechnisches Büro, verlegt sich aber bald auf die Vermittlung von Grundbesitz und die Verwaltung von Häusern.
In der Frankfurter Straße eröffnet Ludwig Jordan ein Unternehmen, das sich mit dem Handel von Rundhölzern befasst.

21. Juni
In der Innenstadt, insbesondere in der Unteren Königsstraße, kommt es zur Plünderung zahlreicher Ladengeschäfte, ausgelöst von ungefähr 50 Männern und Frauen, deren Empörung sich zunächst nur auf die ihrer Meinung nach viel zu hohen Eierpreise in den Lebensmittelgeschäften gerichtet hatte.

17. Oktober
Die von Kasseler Malermeistern ins Leben gerufene "Einkaufs- und Lieferungsgenossenschaft der Malermeister Cassels und Umgebung" wird in das Genossenschaftsregister eingetragen.
Georg Pfannkuch eröffnet in diesem Jahr ein Geschäft für Bürobedarf, Büromaschinen und Büromöbel.

1920

19. Januar
Philipp Scheidemann tritt sein Amt als Oberbürgermeister der Stadt Kassel an.

1. März
Josef Karl und Eduard Leister gründen die "Großhandlung in Installations-Material für Gas-, Wasser- und elektrische Artikel Josef Karl & Co., Bahnhofsstraße 17".

Im gleichen Jahr:
In den Gebäuden der aufgelösten Munitionsfabrik in Bettenhausen richten die "Deutschen Werke" eine Produktionsstelle für landwirtschaftliche Maschinen ein.
Robert Gerling richtet in Kassel eine Geschäftsstelle ein, die sich mit "Versicherungen aller Art" befasst.

Der Juwelier Hans Ferdinand Burgtorff und der Juwelier Albert Hardt eröffnen in der Hohenzollernstraße und in der Wilhelmsstraße ihre Fachgeschäfte.
Der aus dem Elsass kommende Messerschmiedemeister Karl Paul übernimmt ein Stahlwarenfachgeschäft in der Wilhelmsstraße und führt es mit Erfolg.

1921

17. Juni
Im Garten des gastronomischen Großbetriebes "Stadtpark" an der Wilhelmsstraße wird das erste Freiluftkino in Deutschland eröffnet.

1. Juli
Niederzwehren erhält eine "Vollapotheke", die Reh-Apotheke.
Der Kaufmann und Ingenieur Otto Schmidt eröffnet im gleichen Jahr in der Hohenzollernstraße 53 ein Fachgeschäft, das als "Farben-Schmidt" viele Jahrzehnte hindurch ein Begriff ist.

1922

4. Juni
Bei einem Spaziergang im Park Wilhelmshöhe entgeht Oberbürgermeister Scheidemann nur knapp einem Attentat mit Blausäure.

20. Oktober
In wirtschaftlich schwieriger Zeit gründen Martin Petzing und sein Teilhaber Hartmann die Maschi- nenfabrik Petzing & Hartmann. Zunächst werden 10 Gesellen und vier Lehrlinge beschäftigt.

22. Oktober
Heinrich Apel gründet ein Unternehmen, das sich mit dem Großhandel von Schlauchleitungen u. a. befasst.

1. November
Der Ingenieur Daniel Köbberling übernimmt die Vertretung für Artikel der Elektrotechnik.
Wilhelm Heinrich Riffer erwirbt in diesem Jahr das Grundstück Leipziger Straße 204 - 212 und baut hier ein Sägewerk. Es ist sein zweites nach dem in Reimenrod, das 1891 errichtet wurde.

1923

1. Februar
In Kirchditmold wird die Luisen-Apotheke eröffnet.

19. Mai
Das neue Flussschwimmbad an der Fulda wird von Oberbürgermeister Philipp Scheidemann eingeweiht.

30. Juni
Im ehemaligen Residenzschloss am Friedrichsplatz öffnet des Deutsche Tapetenmuseum seine Pforten.

20. August
Die Inflation schreitet rasend voran. Die Stadtverwaltung läßt wieder einmal Notgeldscheine drucken. Wenig später folgen die Firma Henschel und die Handelskammer mit eigenem Notgeld.

25. August
Julius Langenau übernimmt die Generalvertretung der Total-Gesellschaft, der Erfinderin des Trocken-Feuerlöschers, und gründet eine Fachfirma für Feuerschutz.

1. November
Im Hause Mittelgasse 6 eröffnet Eduard Schumann eine Lederhandlung.

23. November
Susanne Langlotz, später verehelichte Meid, gründet in der Hohenzollernstraße ein Lederwarenge- schäft. Die einige Jahre später in die Obere Königsstraße übersiedelnde Firma entwickelt sich zu einem weithin geschätzten Fachgeschäft.
Im Dezember kostet das Kilo Brot 399 Millionen Mark. Ein Jahr zuvor brauchte man "nur" 163,15 Mark zu zahlen und im Dezember 1921 kostete das Kilo noch 3,99 Mark.

In der Yorckstraße und in der Hohenzollernstraße richtet der Innenarchitekt Wilhelm Koch Möbel- werkstätten und Verkaufsräume ein. Im 50. Jahr ihres Bestehens zählt die Firma zu den größten Möbelhäusern in Hessen.

1924

2. Januar
Walter und Johanna Vesper gründen ein Klempnerei- und Installationsunternehmen, zwei Jahre darauf wird ein Ladengeschäft eröffnet.

1. März
Am Töpfenmarkt richten Christian und Johanna Schulz ein Bekleidungsgeschäft ein, das 1974 in der Wilhelmsstraße sein 50jähriges Bestehen feiern kann.

1. April
Hans Höpken eröffnet in der Fünffensterstraße 9 eine Farbenhandlung. Seit 1960 befindet sich die Firma im Hause Karlsplatz 5. Am gleichen Tag macht Albert Dittschar in der Gießbergstraße 37 ein Installationsunternehmen auf.

24. August
Der neue Kasseler Flugplatz bei Waldau wird mit einem Festakt und einer großen Flugveranstaltung seiner Bestimmung übergeben.

1. Oktober
Gründungstag der Kleiderfabrik Brandt, die heute sportive Mode herstellt.

24. Oktober
Paul Beier gründet in Rothenditmold eine eigene Firma für Werkzeug- und Maschinenbau.

1. November
David Dippel und sein Schwager Karl Vogtländer gründen die Süßwaren-Großhandlung Dippel & Vogtländer.

1. Dezember
Fritz Link gründet ein Büromöbel-, Bürobedarfs- und Büromaschinen-Fachgeschäft. Nach dessen Tod 1951 führt Diplom-Kaufmann Walter Henning die Firma Link & Henning weiter.

Im gleichen Jahr:
Die Gebrüder Abe gründen am Holländischen Platz einen Fachbetrieb für Kraftfahrzeugbereifung.
Anna Trischl eröffnet ein eigenes Spezialgeschäft für Handarbeitsartikel und Wollwaren.

1925

25. Januar
Der erste Rundfunksender in Kassel, der "Casseler Zwischensender", wird im Saal der Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel feierlich eröffnet.

1. März
Erich Welscher und seine Frau eröffnen eine Wäscherei mit dem Firmentitel: "Erste Bielefelder Dampfwaschanstalt". Weithin bekannt wird der spätere Werbeslogan: "Welscher wäscht Wäsche".

1. April
In Niederzwehren gründet Heinrich Fröhlich eine Baustoff-Großhandlung, der er einige Jahre später eine Fliesenabteilung angliedert.

22. April
55 Tabakwarenhändler gründen die "Einkaufsgenossenschaft der Cigarren- und Tabakhändler Cassel und Umgebung eGmbH".

1. Mai
Wilhelm Gundlach und Otto Gläser richten eine Automobil-Reparaturwerkstatt mit angeschlossener Verkaufsabteilung ein.

16. Juni
Die große Volks-, Berufs- und Betriebszählung, die an diesem Tag durchgeführt wird, ergibt folgende Gesamtzahlen: Die Stadt hat 171 234 Einwohner. 71 702 beschäftigte Personen werden gezählt (55 094 männlich und 16 608 weiblich). Es bestehen 8740 "gewerbliche Niederlassungen".

20. Juni
Im Orangerie-Schloss wird für drei Tage vom Schuhmacher-Innungsverband für Kurhessen und Waldeck die "2. große Schuhmacher-Fachausstellung" präsentiert.

Im gleichen Jahr:
Der Elektromaschinenmeister Heinrich Pape eröffnet in der Parkstraße eine Reparaturwerkstatt für elektrische Maschinen, die heute in der Niedervellmarer Straße zu Hause ist.

Der Kaufmann Fritz Klotz gründet eine Reifenfirma. Der Vulkaniseur und Reifenhändler Adam Reibold gründet eine Dampfvulkanisieranstalt. Es ist der erste Runderneuerungsbetrieb, der im nordhessischen Raum Reifen in Vollform erneuert.
In der Sandershäuser Straße gründet der Kaufmann Heinrich Friedrich Röttger eine Schrott- und Metallgroßhandlung.

Arthur Schuchhardt gründet in der Wilhelmshöher Allee 247 eine Firma für Autozubehör und Ersatzteile. Später spezialisiert er sich auf Anhänger- und Kranvertrieb.

31. Dezember
Wieder müssen die Unterneustädter mit einem Hochwasser fertig werden, das erst in der Mittagszeit des Neujahrstages seinen Höchststand erreicht. Die Stadtverwaltung beschließt daraufhin, die zwei Eisbrecher in der Fulda beseitigen und das Flussbett austiefen zu lassen, um einen besseren Durchfluss im Bereich der Fuldabrücke zu erreichen.

1926

1. April
Der Kaufmann Karl Kroh gründet eine Immobilienfirma.

8. April
In der Vogt'schen Mühle an der Weserstraße bricht ein Brand aus, der erheblichen Schaden verursacht. Am gleichen Tag landet die erste fahrplanmäßige Maschine der Deutschen Lufthansa auf dem Waldauer Flugplatz. Bis 1930 bleibt Kassel im Linien-Verkehrsnetz der Lufthansa.

2. Mai
Die Voraue, zuvor häufig als Ausstellungsgelände genutzt, ist zu einer Sportstätte gestaltet worden, der Hessenkampfbahn, die unter Mitwirkung von 10 000 Sportlern eingeweiht wird.

23. Juni
Für Kassel und das Umland wird eine Drechsler-Innung errichtet.

8. August
Erstmals wird der Zissel in größerem Rahmen organisiert: Strandfest im Flussbad, abends Beleuch- tung des Fuldastrandes und Abbrennen von Feuerwerk.

6. – 10. September
Deutschlands Gastwirte finden sich zu ihrer 51. Tagung in Kassel zusammen.

4. Dezember
Was viele Geschäfts- und Privatleute schon lange taten, wird amtlich: Cassel heißt jetzt Kassel.

Im gleichen Jahr:
Heinrich Walter, Parkstraße 41, gründet eine Baustoffgroßhandlung.
Der Elektro- und Installationsmeister Otto Pitsch eröffnet ein Geschäft am Holzmarkt.

1927

1. Januar
Ferdinand Kraft gründet die Firma FEKA, Fabrik für Spezialfahrzeuge Kraft & Co. 1938 zählt die Firma fast 300 Beschäftigte. Weithin bekannt wird der "FEKA- Kipper".
Die Kaufleute Walter Messerschmidt und Karl Heußner gründen eine Firma, die mit Brennstoffen und Kartoffeln en gros handelt.

19. April
Zum ersten Mal wird von der Deutschen Lufthansa die Strecke Leipzig - Kassel - Dortmund - Amsterdam geflogen.

19. Juni
Zum ersten Mal seit dem 16. Jahrhundert findet eine Fronleichnamsprozession statt. Sie wird auf dem Friedrichsplatz durchgeführt.

Im Juli beginnt der Kaufmann Adolf Weber mit der Aufstellung von Personenwaagen und Unterhaltungsspielen. Seit 1930 stellt er Geldspielautomaten auf, die aber 1934 verboten werden.
Ende August treffen drei Güterwagen in Kassel ein, die das Inventar des noch jungen Bärenreiter-
Verlags nach Kassel bringen.

16. Dezember
Johannes Rohde in Niederzwehren macht sich als Fuhrwerkbesitzer selbständig und baut ein be- kanntes Güternahverkehrsunternehmen auf.

Im gleichen Jahr:
Die Waggonfabrik Wegmann & Co. liefert einen Salonwagen aus für den türkischen Staatsgründer Atatürk. Im gleichen Jahr wird der Bau von Automobilen und Karosserien in Angriff genommen.
Das Schuhgeschäft Feist, heute in der Treppenstraße, wird gegründet.
Hermann Fischer gründet in der Orleansstraße 4 ein Einzelhandelsgeschäft, in dem er sich mit dem Verkauf von Bürobedarf, Büromöbeln und Büromaschinen befasst.
Die Optiker Eduard Reuss und Otto Hertel gründen ein Unternehmen, dessen Produktionsprogramm zunächst lose Optik, Prismen, Linsen und Objektive umfasst. Vor allem auf den Auslandsmärkten erzielt die Firma im Laufe der Jahre bedeutende Erfolge.

1928

2. Januar
Richard Haussknecht eröffnet im Hause "Herkulesbräu" in der Oberen Königsstraße ein Reisebüro.

27. Januar
"Pläne und Projekte der Hafraba" heißt eine Ausstellung im Landesmuseum, die Entwürfe für eine Autobahn Hamburg - Frankfurt - Basel vorstellt.

12. Mai
Die Südend-Apotheke in der Frankfurter Straße wird eröffnet.

12. - 20. Mai
Die groß angelegte Ausstellung "Grüne Maiwoche Kassel" präsentiert Neues und Interessantes aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei.

27. September Der Kaufmann Otto Damm eröffnet einen Kfz-Betrieb in der Wörthstraße 7, den er kontinuierlich ausbaut.

Im gleichen Jahr:
Bogenmachermeister Willy Eichler eröffnet in der Obersten Gasse, Ecke Entengasse, ein Musikfachgeschäft.

1929

1. April
Der Friseur Hermann Kaske eröffnet in der Jägerstraße 4 ein Friseurgeschäft.

1. Juni
Die "4. Große Kunstausstellung Kassel", dem Thema "Neue Kunst" verpflichtet, wird in der Orangerie eröffnet. Einige Künstler vermitteln auch eine "neue Sicht auf die Industrie".

1. Juli
Die neu gegründete Raab Karcher Thyssen GmbH kann mit ihrer Großtankanlage in der Söhrestraße bereits 75 öffentliche Benzinzapfstellen und 15 Selbstverbraucherpumpen beliefern. 1979 sind es über 3000 Kunden.

6. September
Neun kommunale Stromversorgungsunternehmen im Oberweser- und Maingebiet schließen sich zur EAM zusammen. Das Gebäude des Zweckverbandes Überlandwerk Edertalsperre, Wilhelmshöher Allee 2, wird Sitz der Hauptverwaltung der EAM.

29. Dezember
Durch Zusammenfassung der unter der Bezeichnung "Gewerbliche Werke der Stadt Kassel" ge- führten städtischen Eigenbetriebe der Strom-, Gas- und Wasserversorgung entstehen die Städtischen Werke AG. Zugleich übernimmt die AG die Betriebsführung der städtischen Bäder.

31. Dezember
Nach 85jährigem Bestehen geht das Privatbankhaus L. Pfeiffer in der Deutschen Bank auf. Zur gleichen Zeit gehen vier andere kleine Kasseler Banken aus Mangel an Eigenkapital in Konkurs.
Ernst Krell errichtet im gleichen Jahr am Lindenberg in Bettenhausen einen Molkereibetrieb, die Germania-Molkerei.
Mit einem 1 1/2 Tonnen-Lieferwagen eröffnet Konrad Eisenbach aus der Hafenstraße einen Fuhrbe- trieb, der sich gut entwickelt.

1930

Zu Beginn des Jahres werden 14 134 Personen vom städtischen Wohlfahrtsamt unterstützt, darunter 3772 Langzeitarbeitslose, die keine Arbeitslosen- oder Krisenunterstützung mehr erhalten.
Im Frühjahr dieses Jahres eröffnen der Kaufmann Hans Glinicke und seine Ehefrau in der Goethe- straße 29 eine Kraftfahrzeughandlung für DKW-Motorräder, Hanomag-Pkw und Magirus-Lkw.

1. Februar
Brauerei-Ingenieur Hans Vetter gründet ein Unternehmen, das sich zunächst mit der Herstellung von Brauereimaschinen befasst. Seit 1936 ist die Firma in der Leipziger Straße ansässig.

1. April
Friedrich Sinning, Sternstraße 20, richtet an der Fulda einen Handel mit Booten sowie Unterstell- möglichkeiten für rund 200 Paddelboote ein.

8. Juni
Die "Hessenheim Wohnungsbaugesellschaft mbH" wird gegründet; seit 1941 heißt sie "Kurhessen- Wohnungsbaugesellschaft".

1. August
An der Hohenzollernstraße, Ecke Weißenburgstraße, eröffnet Heini Weber ein Geschäft für Optik, Photo und Radio, das zu einem der führenden Geschäfte seiner Branche wird.

3. September
Tausende verfolgen die Landung des Luftschiffs LZ 127 "Graf Zeppelin" auf dem Flugplatz in Waldau. Der deutsche Meister Gerhard Fieseler führt in seiner Kunstflugmaschine halsbrecherische Flugfiguren rund um den Luftriesen aus.

30. September
In der Hohenzollernstraße 171 eröffnet Georg Claudius die Beethoven-Apotheke.

1. Oktober
Adolf Rehbein eröffnet in der Fuchsgasse eine Kohlenhandlung.

1931

28. Januar
Karl Rümenapps Reparaturwerkstatt für Fahrräder, Motorräder und Landmaschinen in der Frankfurter Straße 103 wird in der Handwerksrolle der Handelskammer eingetragen.

1. März
Die Kaufleute Willy Gerke und Louis Scheuch gründen die Baugerätegroßhandlung ihres Namen in der Holländischen Straße 3/7. Am gleichen Tag werden Dipl.-Ing. Fritz Richter und Dipl.- Kaufmann P. G. Schmidt autorisierte Ford-Händler. Sie führen die Fahrzeuge der Ford-Werke Köln in Kassel und Umgebung erfolgreich ein.

15. Mai
Rudolf Majert erwirbt die 1911 entstandenen "Hessenwerke Maschinenfabrik", die fortan als "Hessenwerk Rudolf Majert" firmieren. Seit 1964 lautet die Firmenbezeichnung "Regel + Meß- technik GmbH, Regler- und Anlagenbau für Gas-Druckregelung".

12. Juni
Die Tageszeitung "Kasseler Post" berichtet, daß in Kassel der Preis für den Liter Benzin jetzt 40,5 Reichspfennig betrage. Nur in Augsburg, Regensburg und Stuttgart sei das Benzin noch teurer.

1. Dezember
Kaufmann Heinz Schade eröffnet in der Hohentorstraße ein Geschäft für Werkzeuge und Eisen- waren. Die Firma Werkzeug-Schade wird zu einem festen Begriff im Kasseler Raum.

Im gleichen Jahr:
Auftragsausfälle - eine Auswirkung der Weltwirtschaftskrise - veranlassen das Waggonbauunternehmen Credé & Co. in Niederzwehren, den Betrieb für mehrere Wochen stillzulegen.

1932
Im Januar, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, kommt es zu drastischen Senkungen der Arbeitslöhne zwischen 10 und 15 Prozent. Die Henschel & Sohn AG legt mangels Aufträgen das gesamte Werk für vier Monate still. Fehlende Aufträge veranlassen auch die Waggonfabrik Credé, ihre Mitarbeiterzahl drastisch zu reduzieren.
Im Februar erreicht die Arbeitslosigkeit den Höhepunkt. In der Stadt sind 18 000 Menschen arbeitslos.

12. April
Die beiden Industrie- und Handelskammern Kassel und Mühlhausen (Thüringen) schließen sich zu einer Kammer mit Sitz in Kassel zusammen.

Im Mai werden die Löhne erneut herabgesetzt, die der Bauarbeiter sind dadurch 22 % niedriger als Ende 1931.

Anfang Juni muß das Wohlfahrtsamt 23 416 Personen unterstützen, darunter 10 392 Langzeitarbeits- lose. Für jugendliche Arbeitslose wird ein Freiwilliger Arbeitsdienst (FAD) eingerichtet.

1. Oktober
Mit der Übernahme der Werksvertretungen für Fiat, NSU-Fiat und Simca baut Otto Cöster in der Oberen Karlsstraße 17 einen erfolgreichen Automobilvertrieb auf.

1. Dezember
Franz Behrens gründet im Königstor einen Automobilvertrieb. Werden zunächst ausschließlich Fahrzeuge der Auto-Union angeboten, sind es später die Bremer Fabrikate Borgward und Lloyd.

Im gleichen Jahr:
Anton Scholand gründet in der Wolfhager Straße 36-38 einen Betrieb für die Herstellung und Montage von Drahtzäunen und Gittertoren.

1933

31. Januar
Nachdem am Vortag Reichspräsident Paul von Hindenburg den Führer der Nationalsozialisten Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hat, feiern dies die Kasseler Anhänger mit einem Fackelzug vom Friedrichsplatz zur Stadthalle. Gegendemonstranten werden verprügelt, die Polizei greift nicht ein.

1. März
Die an die Macht gelangten Nationalsozialisten gehen auch in Kassel radikal und vielfach mit Brachialgewalt gegen Demokraten vor. Die sozialdemokratische Tageszeitung "Kasseler Volksblatt" wird verboten. Einige Tage darauf werden Gewerkschaftshaus und Rathaus von NS-Horden "gestürmt", der Oberbürgermeister abgesetzt und politische Gegner verprügelt und gefoltert.

31.März
Rechtsanwalt Dr. Max Plaut stirbt an den eine Woche zuvor in den Kellergewölben der Gaststätte „Bürgersäle“ erlittenen Misshandlungen.

1. April
In Kassel kommt es wie auch andernorts erstmals zu zentral organisierten Boykottmaßnahmen gegen Ladengeschäfte mit jüdischen Inhabern.

27. Mai
Emil Dittmann gründet einen Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Großvertrieb.

Im Juni wird das Autohaus Kassel GmbH gegründet. Hauptgesellschafter ist Dr. Ing. e. h. Fritz Opel. Beim 25jährigen Bestehen 1958 arbeiten 250 qualifizierte Fachkräfte und Angestellte in der Firma.

1. August
Als Voraussetzung für die Zulassung zum Studium wird für männliche Abiturienten die halbjährige Arbeitspflicht eingeführt.

1. September
Hermann Knauf gründet ein Reklame-Atelier, das sich zu einem renommierten Werbeunternehmen einwickelt.
Helene Wiedersich und Margarethe Schmidt eröffnen am Königsplatz ein Fachgeschäft für Damenmoden, das nach dem Zweiten Weltkrieg in modernen Verkaufsräumen in der Wilhelmsstraße, Ecke Neue Fahrt, erfolgreich weitergeführt wird.

9. September
Clemens Overmeyer gründet am Pferdemarkt ein Herrenbekleidungsgeschäft, das sich seit 1947 am Königsplatz zu einem der führenden Modehäuser für Herren entwickelt.

25. September Helmut Knobloch beginnt mit der Instandsetzung von Auto-Lichtanlagen und entwickelt seinen Betrieb zu einem Spezialunternehmen für Autoelektrik.

Im gleichen Jahr:
Die Henschel & Sohn AG erhält den Entwicklungsauftrag für ein leicht gepanzertes Kettenfahrzeug.
Der Kunstflieger und Flugzeugbauer Gerhard Fieseler verlegt seine Sportflugzeugproduktion von Ihringshausen nach Bettenhausen in Hallen der ehemaligen Munitionsfabrik.

1934

1. März
In der Frankfurter Straße eröffnet Hans Lehn ein Fachgeschäft für Herrenbekleidung. Seit 1936 be- findet sich das Herrenausstattungsgeschäft "Der Herr" in der Oberen Königsstraße 30.

5. Mai
Der Schreiner Hans Reckert eröffnet in der Sandershäuser Straße einen Betrieb, der auch Möbel als "Fertigprodukte" liefert.

4. Juni
In der Schillerstraße eröffnet Friedrich Schwaab eine Holzhandlung, die sich gut entwickelt.

Im Juli beginnen die Henschel-Werke mit der Produktion von 150 leichten Panzerkampfwagen des Typs I.

19. August
Nach dem Tod Hindenburgs gehen die Befugnisse des Reichspräsidenten auf den "Führer und Reichskanzler Adolf Hitler" über. Die Volksbefragung dazu ergibt in Kassel 118 837 Ja-Stimmen und 2724 Nein-Stimmen.
Gerhard Fieseler, der im gleichen Jahr Kunstflugweltmeister wird, erhält Aufträge vom Reichsluft- fahrtministerium. Neben Zivilflugzeugen soll die Firma einen Sturzkampfbomber entwickeln. Sein Werk entwickelt sich zum Großbetrieb.

1935

8. März
Die "Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG Wuppertal-Elberfeld" und die "Deutsche Revisions- und Treuhand AG Berlin" vereinbaren die Gründung eines Unternehmens zur Herstellung von Stapelfaser und die Errichtung eines Werkes in Kassel (Spinnfaser AG).

3. Mai
Mit dem Erwerb der Gebäude und des Geländes der ehemaligen Munitionsfabrik in Bettenhausen fällt der Startschuss zum Aufbau der Spinnfaser AG (1984 Schließung des Werks; jetzt Industriepark Kassel).

13. Juni
Das "Freilicht-, Luft- und Schwimmbad" im Stadtteil Wilhelmshöhe wird eingeweiht.

6. -7. Juli
Der erste Reichskriegertag führt nahezu 200 000 Menschen nach Kassel. Im gleichen Monat finden in der neu errichteten Kurhessenhalle die ersten Vieh- und Wollauktionen statt.

1. August
Direkt gegenüber dem städtischen Schlachthof gründet Georg Siemon mit seiner Ehefrau ein Fachgeschäft für Fleischereibedarf, Gewürze, Kunst- und Naturdärme sowie Maschinen.

28. September
Das 125jährige Bestehen der Firma Henschel & Sohn wird von der Stadt Kassel durch Überreichen der Silbernen Plakette der Stadt an den Firmenchef Oskar Henschel gewürdigt.

1. Oktober
Kaufmann Heinrich Löber eröffnet in der Kohlenstraße 67 eine Firma für Werkzeuge und Maschinen.

15. November
In der Unteren Königsstraße, Ecke Hedwigstraße, eröffnet Karl Wolff ein Geschäft für Strümpfe, Wollwaren und Trikotagen. Im März 1950 bezieht das Strumpfhaus Geschäftsräume in der Oberen Königsstraße 49.
In diesem Jahr überträgt die Stadt Kassel der Deutschen Städtereklame GmbH die "alleinige Ausnutzung der Reklamemöglichkeiten" auf den 169 Litfaß-Säulen und 31 Tafeln in der Stadt.

1936

1. März
In der Schlachthofstraße nimmt die Zylinder- und Kurbelwellenschleiferei der Firma Kolben-Seeger ihre Arbeit auf.

1. April
Eugen Trageser eröffnet mit seiner Ehefrau eine Tuch-, Futterstoff- und Schneidereibedarfsartikel- handlung, die 1955 im Hause Entenanger 14 Geschäftsräume bezieht.

9. Mai
Mit der Einweihung des "Freiheiter Durchbruchs", einer neuen breiten Verbindungsstraße zwischen Martinsplatz und Altmarkt, ist die in den zwanziger Jahren begonnene Sanierung der Altstadt im wesentlichen abgeschlossen.

1. Juni
Mit der Eingemeindung der Dörfer Harleshausen, Wolfsanger, Waldau, Niederzwehren, Oberzweh- ren und Nordshausen bieten sich der Stadt neue Entwicklungsmöglichkeiten. Die Gesamteinwohnerzahl überschreitet damit die 200 000.
Im Juli wird die Henschel Flugmotoren GmbH (HFM) gegründet, die im Jahr darauf die Produktion von Daimler-Benz-Motoren in Altenbauna aufnimmt.

15. August
Im Hause Graben 41 richtet Otto Grünenwald ein Geschäft für Hüte und Mützen ein.

14. November
In der Marktgasse 12 eröffnet Karl Busam ein Herrenbekleidungsgeschäft.
Die Spinnfaser AG wird im gleichen Jahr zur größten Zellwollefabrik Europas ausgebaut. 1700 Menschen sind hier beschäftigt.
Die Gerhard-Fieseler-Werke beginnen mit der Produktion des Langsamflugzeugs Fi 156 ("Storch") und fertigen ein Messerschmitt-Jagdflugzeug (Me 109) in Lizenz.

1937

1. April
Das Landeskrankenhaus auf dem Möncheberg wird von der Stadtverwaltung übernommen und heißt jetzt Stadtkrankenhaus.

3. Mai
Der von Oskar R. Henschel gestiftete Kindergarten "Karlshorst" auf dem Möncheberg wird eingeweiht.

16. Mai
Die erste Flasche Coca-Cola wird auf einem zur Abfüllfabrik umgebauten Gutshof an der Quellhofstraße abgefüllt.

22. Mai
In der Stadthalle treffen sich an diesem Wochenende Briefmarkensammler aus ganz Deutschland zum 43. Deutschen Philatelistentag.

20. Juni
Die Reichsautobahnstrecke Kassel-Göttingen und die Kasseler Zubringerstraße werden eingeweiht.

17. Dezember
Die Strecke Kassel-Homberg der Reichsautobahn wird dem Verkehr übergeben. Am gleichen Tag erhält ein Kasseler Verkehrswerbefilm auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille.

1938

23. Februar
Hermann Riede richtet am Söhrebahnhof ein Unternehmen für Straßen- und Tiefbau ein.

11. Mai
Am Schlieffenplatz wird das neue Wehrkreisdienstgebäude ("Generalkommando" heute Bundessozialgericht) eingeweiht.

7. November
In den Abendstunden versammeln sich Nazi-Fanatiker in der Unteren Königsstraße, dringen in die Synagoge ein und demolieren Inventar und Gebäude, Vorboten eines deutschlandweiten Pogroms, der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November.

12. November
Wenige Tage nach der sogenannten Reichskristallnacht ergeht eine "Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben". Sie verfügt die Schließung der von Juden betrie- benen Einzelhandelsverkaufsstellen und Handwerksbetriebe bis zum Jahresende. Diese und eine weitere Verordnung führen dazu, daß die noch verbliebenen Juden zur Erwerbslosigkeit verurteilt sind und nur noch von ihrem Kapital, von Renten oder Unterstützungen leben können.

Henschel & Sohn liefert im gleichen Jahr den ersten in Serie gebauten Panzerkraftwagen an die deutsche Wehrmacht.
Die Fieseler-Flugzeugwerke, bei denen mittlerweile 5300 Arbeitskräfte beschäftigt sind, werden als "NS-Musterbetrieb" ausgezeichnet.

1939

31. März
213 852 Menschen leben in Kassel.

3. - 5. Juni
Über 200 000 ehemalige Soldaten und Angehörige der Deutschen Wehrmacht kommen nach Kassel, um das militärische Spektakel des "Großdeutschen Reichskriegertags 1939" zu erleben, das von der Reichskriegertag GmbH und dem Kasseler Verkehrsverein organisiert wird.

1. September
Als in den Morgenstunden bekannt wird, daß Deutschland sich im Krieg befindet, nimmt dies die Kasseler Bevölkerung ruhig, beinahe gelassen hin. Euphorische Kriegsbegeisterung wie im August 1914 gibt es nirgends. Die Opfer und Entbehrungen sind den meisten noch bewußt. Unter welchen verheerenden Auswirkungen Kassel in diesem Krieg leiden wird, ahnt kaum jemand.

2. September
Verdunkelung wird angeordnet: "Täglich von Einbruch der Dunkelheit bis zum Hellwerden als Dauerzustand". Lebensmittel sind nur noch für den persönlichen Bedarf gegen Vorlage eines Berechtigungsscheines erhältlich.
Aus den Wirtschaftsbetrieben werden Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen, zum Beispiel schon Anfang September bei der Spinnfaser AG 300 Beschäftigte. In einigen Abteilungen wird dort die Arbeitszeit auf 12 Stunden erhöht.
Die Firma Credé & Co. stellt verstärkt Waggons für die Deutsche Reichsbahn sowie Lkw-Aufbauten für die Wehrmacht her.

12. Oktober
An die Firma Wegmann & Co. ergeht der Führerbefehl, "unter Zurückstellung von Fertigungspro- grammen für andere Wehrmachtteile, die Reparatur von Panzern der Ostfront vorzunehmen"
In diesem Jahr hat die Firma Henschel & Sohn 650 Lokomotiven, 2700 mittlere und schwere Lkw und 210 Panzer gefertigt. Sie beginnt mit der Herstellung von elektrischen Oberleitungsbussen.

1940

22. Juni
Erster Angriff der britischen Royal Air Force auf Kasseler Stadtgebiet. Er gilt dem Flughafen Waldau und richtet geringfügigen Schaden an.

3. August
Die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG erwerben Industriegelände in Bettenhausen und errichten ein Zweigwerk zur Herstellung von Zubehörteilen für Flugzeugmotoren. Später werden komplette Flugzeugmotoren in Serie gefertigt.

16. August
In der Nacht zum 17. August wirft ein britisches Bombengeschwader zwei Bomben ab. Sie treffen die Häuser Gräfestraße 2, 4 und 6. Zwei Menschen kommen um, da sie nicht in den Luftschutzkeller gegangen sind.

Im August sind bei Henschel in Kassel und Altenbauna 300 Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Zahl der Zwangsarbeiter steigt bis Ende 1944 in Kassel insgesamt auf ungefähr 25 000. Sie werden aus den besetzten Gebieten in Ost und West, aus Polen, Russland, Holland, Frankreich und anderen Ländern, herangeschafft.

1941

3. Juli
Die 25 000. bei Henschel produzierte Lokomotive hat eine Stromlinienverkleidung. 1945 wird die Stromlinienlok nach USA verschifft.

15. August
In Oberzwehren gründet der Kesselschmied Heinrich Becker einen Werkstattbetrieb, der sich zunächst mit Dampfkessel- und Maschinenreparaturen befaßt. 1946 wird daraus die Firma Becker & Rosenthal.

8. September
In der Nacht zum 9. September fliegen 73 britische Bomber nach Kassel mit dem Angriffsziel: Industrieanlagen von Henschel & Sohn und Credé & Co. Sie treffen verschiedene Teile des Stadtgebiets, darunter das Museum Fridericianum mit der Landesbibliothek und das Rote Palais. Beide Gebäude mit ihren wertvollen Büchern und Kunstschätzen brennen aus.

9. Dezember
Etwa tausend Juden aus Nordhessen (Kinder, Männer und Frauen, einige von ihnen über siebzig Jahre alt) werden in das Ghetto Riga abtransportiert. Nur wenige werden überleben.

1942

Mai
Mitte Mai werden etwa 500 Juden aus Nordhessen von Kassel aus in das Konzentrationslager Majdanek bei Lublin deportiert. Kaum jemand wird überleben.

5. Juni
Die Fieseler-Werke bekommen vom Reichsluftfahrtministerium den Auftrag, ein "Ferngeschoß in Flugzeugform" zu entwickeln. Die entwickelte Fliegerbombe Fi 103 wird später als V1 sehr bekannt. Im August läuft die Serienproduktion des schweren Panzerkampfwagens "Tiger" bei den Henschel-Werken an. Der Kraftfahrzeugbau wird in diesem Jahr nach Wien verlegt.

7. September
Ungefähr tausend Juden aus Nordhessen werden in das Konzentrationslager Theresienstadt abtransportiert. Nur ganz wenige werden überleben.

1943

17. Mai
Im Laufe des Vormittags erreicht eine Flutwelle ungeheuren Ausmaßes das Stadtgebiet, nachdem es den Briten gelungen ist, durch Abwurf von Spezialminen ein Loch in die Edertalsperre zu sprengen.

28. Juli
Der erste Angriff der United States Army Air Force (USAAF) auf Kassel gilt einem Betrieb der Rüstungsindustrie, den Fieseler-Flugzeugwerken in Bettenhausen und Waldau. Die Hauptmasse der Bomben fällt jedoch auf die benachbarte Spinnfaser AG und Wohngebiete in Bettenhausen.

30. Juli
Erneuter Angriff der USAAF auf die Bettenhäuser Industrieviertel.

3. Oktober
Mit fast 500 Flugzeugen fliegt die Royal Air Force die Stadt an. Fehler bei der Zielmarkierung führen dazu, dass die tödliche Bombenfracht nicht die Altstadt, sondern Teile der Nordstadt, Wolfsanger, Sandershausen und Bettenhausen trifft.

22. Oktober
Der erneute Angriff der Royal Air Force verfehlt sein Ziel nicht. Ungefähr 10 000 Menschen verlieren an diesem Abend auf schreckliche Weise ihr Leben. Die Innenstadt, und damit auch das Hauptgeschäftsviertel, ist vollständig zerstört. Zerstört oder schwer beschädigt sind sämtliche Industriebetriebe, Versorgungsbetriebe und Verkehrsanlagen.

1944

20. Januar
In Kassels einziger noch erscheinender Tageszeitung, der "Kurhessischen Landeszeitung", ist zu lesen, daß der Reichspostminister "zur schnellen und richtigen Beförderung" die Postleitzahl eingeführt hat. Kassel gehört zum Postleitgebiet 16.

29. März
Gerhard Fieseler, Chef der Fieseler-Flugzeugwerke, wird als Betriebsführer abgesetzt, da die vom Militär geforderten Produktionszahlen nicht erreicht werden.

19. April
Die US-Luftwaffe fliegt mit 213 Bombern einen Angriff auf die wieder instandgesetzten Rüstungs- werke Fieseler, Henschel-Flugmotoren und Junkers.

12. Juli
Die Harleshäuser werden mit einem für Kassel neuen öffentlichen Verkehrsmittel an das Straßen- bahnnetz angebunden. Zwischen Harleshausen und Kirchditmold verkehrt erstmals ein elektrischer Oberleitungsbus, kurz O-Bus genannt.

30. Dezember
Der letzte Luftangriff dieses Jahres gilt dem Verschiebebahnhof Rothenditmold. Der Angriff erfolgt mit Radar durch eine geschlossene Wolkendecke. Dabei wird das gesamte Stadtgebiet getroffen.

Im gleichen Jahr:
Im Werk Kassel der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke werden unter anderem Zubehörteile für den ersten einsatzfähigen Düsenjäger der Welt, die von Messerschmitt entwickelte Me 262, gefertigt.
Henschel produziert den schweren Kampfpanzer Tiger II ("Königstiger") in Serie.

Veröffentlicht am:   15. 01. 2016  


Service

Social Media

Sprachen

  • english
  • flag france
  • flag italy
  • flag spain
  • russian
  • turkey
  • flag japan
  • flag china
  • flag arabic