Der Liebling der Genossen, der Abgott schöner Frauen

Die Kasseler Musiker Iwan Urwalow (Klavier), Helmut Simon (Violine), Peter Gries (Viola) und Emanuel Wehse (Cello) spielen Stücke von Prinz Louis Ferdinand von Preußen und Antonin Dvorák.

Unterschiedlicher könnten die Lebensläufe zweier Komponisten eines Programms auf den ersten Blick nicht sein: Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der Neffe des großen Königs Friedrich II., und Antonin Dvorák, der Metzgerssohn aus der böhmischen Provinz. Und doch verbindet beide der Geist des Aufbruchs und der Neuerung, der das 19. Jahrhundert so entscheidend prägte. Sie stehen sozusagen für den Beginn und das Ende einer geistesgeschichtlichen und musikalischen Epoche, die wir als Romantik bezeichnen.

Louis Ferdinand von Preußen, als Ludwig Christian getauft und später zum Zwecke der Unterscheidbarkeit mit einem Vetter mit dem Beinamen Ferdinand versehen, entstammte einer der führenden Dynastien im deutschsprachigen Raum und genoss selbstverständlich auch in musikalischer Hinsicht eine hervorragende Ausbildung. Mit seiner ebenfalls kompositorisch tätigen Tante Amalie in Weimar stand Louis Ferdinand zeit seines Lebens im engen persönlichen und fachlichen Austausch. Als Pianist erreichte er ein so hohes Niveau, dass der heute zwar weniger bekannte, damals aber führende Pianist und Kompositionslehrer Franz Ladislaus Dussek ihn als Schüler akzeptierte und später auch bei Uraufführungen seiner Werke mitwirkte. Noch eindrücklicher beschreibt ihn indes ein Zitat Ludwig van Beethovens wohl, der nach einer Begegnung im Jahr 1796 urteilte, der Louis Ferdinand spiele nicht wie ein Prinz oder ein König, sondern wie ein tüchtiger Pianist. Aus dem Mund des Titanen der Musikgeschichte zweifelsohne eine Art künstlerischer Ritterschlag. Auch Robert Schumann äußerte sich mehr als anerkennend über ihn als Pianisten. Louis Ferdinands berufliche Laufbahn verlief allerdings in den dynastisch geprägten Bahnen einer Militärkarriere, bei der er sich ebenfalls große Meriten und auch anhaltende Popularität im Volke erwarb, vor allem, nachdem er 1806 bei Saalfeld in einer Schlacht gegen die französische Armee fiel. Aus dem Jahr 1920 stammt das Urteil Kurt Tucholskys im Programmtitel. Der Prinz galt als Freigeist und Patriot. Im Salon der Rahel Levin kam er in Kontakt mit führenden Vertretern der Geisteswelt seiner Zeit wie den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schleiermacher oder Ludwig Tieck, die damals im Vorgriff auf die spätere deutsche Nationalbewegung nach der Einigung des Römisch-deutschen Reiches gegen die Napoleonischen Eroberungsfeldzüge strebten. Die Variationen entstanden im Jahr seines frühen Todes und atmen den Geist der Wiener Klassik und Beethovens.

Antonin Dvoráks Lebensweg und künstlerischer Werdegang erscheint hingegen weit weniger vorherbestimmt. Musik spielte in seinem Elternhaus nachweisbar eine Rolle, gab sein Vater Franz doch schließlich die Metzgerei und das angeschlossene Wirtshaus auf, um als Zitherspieler seinen Lebenslauf zu verdienen. Seine Liebe zur Musik führt ihn, gefördert durch Johannes Brahms und Eduard Hanslick, über die Orgel und die Bratsche an die Spitze des Musiklebens in Österreich-Ungarn. Lange Zeit stand er im Schatten von Johannes Brahms und war auch versucht, sich der Neudeutschen Schule in der Nachfolge Richard Wagner anzunähern. Vor allem für die Musiktradition seiner tschechischen Heimat setzte sich Dvorák sein ganzes Leben ein. Mit „Die Heilige Ludmilla“ schuf er das erste Oratorium der Musikgeschichte auf ein tschechischsprachiges Libretto. 1890, im Entstehungsjahr des 2. Klavierquartetts, akzeptierte er im zweiten Anlauf den Ruf einer Professur am Prager Konservatorium, wo er Komposition unterrichtete. 1892 wurde er dann Professor am National Conservatory of Music in New York - in der damaligen eurozentristischen Musikwelt nahezu eine Pioniertat. In den USA schrieb dort seine berühmte 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, die vielen eher als eine Liebeserklärung mit Heimweh an seine böhmisch-mährische Heimat und ihre Musik gilt. Auch in seinem 2. Klavierquartett macht Dvorák Anleihen an die Musik seiner Heimat und lässt auch erkennen, dass er sich seinem Instrument, der Bratsche, sein ganzes Leben lang verbunden fühlte.

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