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„Auf jeder Grenze, auf der man sich aufhält,
halbiert man sich ein Mal.
Was ist von meinem Menschsein geblieben?
What remains of my goods? My bads? My friends?“
Grenzen sind von Menschenhand gemacht. Und wenn in Zeiten gestürzter politischer Brandmauern die Wahrung von Menschenrechten keine Selbstverständlichkeit ist, entscheiden von Menschenhand gezogene Linien über die bloße Existenz. Die Komponistin Julia Mihály und Autorin Sina Ahlers suchen in ihrer großformatigen Uraufführung nach den Affekten und Klängen des politischen Komplexes Migration. Die tatsächlichen wie metaphorischen Brände sind dabei der Orgelpunkt dieses dokumentarischen Musiktheaters: vom Brand in Moria auf Lesbos bis zu bröckelnden Brandmauern.
In der eindrucksvollen Klangwelt von Julia Mihály aus dokumentarischen Aufnahmen und Livemusik mit großem Orchester und in der musikalischen Leitung von Clemens Fieguth tun sich immer wieder widersprüchliche Abgründe auf: zwischen aufklärerischem Anspruch Europas und Realpolitik, zwischen schwelendem Feuer und Wasserschutzpolizei. Die Autorin Sina Ahlers, die bereits mit Milch & Schuld sowie Schamparadies im Kasseler Schauspiel große Erfolge feierte, verarbeitet eine Recherche mit zahlreichen Expert:inneninterviews in eine poetische Form, zugeschnitten auf Komposition und Sprache.