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Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.
Die Lage ist schlecht. Nicht nur das Wetter, auch die Finanzen. Eine schöne Aussicht hatte hier schon lange niemand mehr. Der Hotelbesitzer Strasser und seine Mitarbeiter wären bereit für Gäste, doch es kommt niemand. Einzig die Baronin Ada von Stetten finanziert das Hotel mit ihrer Dauermiete – sie bezahlt die Männer für alles, was sie ihr so bieten. Alle wissen: Das geht nicht mehr lange gut, das Hotel steht kurz vor dem Bankrott.
Da steht auf einmal Christine vor der Tür! Im letzten Jahr hatte sie eine Affäre mit Strasser und da all ihre Briefe unbeantwortet blieben, möchte sie nun direkt vor Ort mit dem Vater ihres Kindes sprechen. Ohne sie auch nur zu Wort kommen zu lassen, vermuten Strasser und die Männer um ihn herum das Schlechteste. Sie denken, Christine möchte sich festsetzen, das Hotel an sich reißen, eine Heirat erzwingen. Deshalb schmieden sie einen gehässigen Plan, mit dem Strasser sich aus der Verantwortung ziehen und Christine loswerden kann. Aber Christine hatte ganz andere Pläne. Geld jedenfalls braucht sie nicht.
Da ist nun einerseits die marode, dem Untergang geweihte Gesellschaft im Hotel, die von vergangenen Zeiten träumt. Andererseits Christine, die keine Angst vor der Zukunft hat und die richtigen Fragen stellt. Sie scheint aus ihrer Zeit zu fallen, man könnte meinen, sie hätte mit bell hooks über Liebe gesprochen, mit Chimamanda Ngozi Adichie über die Stellung der Frau in der Gesellschaft, mit Virginies Despentes über all die Forderungen, die noch gestellt werden müssten und mit Emilia Roig über neue Beziehungsmodelle.
Vor knapp 100 Jahren scheiterte die Uraufführung von Zur schönen Aussicht leider an Geldmangel und konnte erst 40 Jahre später nachgeholt werden. Nun wagt die Regisseurin und Schauspielerin Katharina Marie Schubert einen Versuch, die Zeiten, die Aussichten und die Werte, die unser Leben heute bestimmen, neu zu beleuchten. Und vielleicht ergibt sich ja ein Moment von Kontakt, von Utopie und von Zukunft.