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Rache ist ein altes Wort – und in vielen Formen wieder nah. Sie beginnt selten als Plan, fast immer aus der Wut heraus: als Erfahrung von Kränkung, Unrecht, Demütigung. Aus dem Affekt kann Richtung werden, aus dem Schmerz eine Rechnung. Antike Tragödien zeigen diesen Übergang nicht als Psychogramm, sondern als Mechanik: Wo Recht ausgesetzt wird, entsteht eine Ersatzordnung. Gewalt wird zur Logik, die sich selbst bestätigt. Die Welt schrumpft auf eine binäre Alternative. Genau diese Schaltung taucht heute erneut auf: in privaten Kränkungsökonomien, in Kommentarspalten, an ideologischen Fronten, in politischer Sprache.
Das FARN Kollektiv nähert sich dem Thema über die Distanz des Mythos – nicht als Museum, sondern als Labor. Die Überhöhung macht sichtbar, was im Alltag schnell verdeckt bleibt: wie verführerisch Vergeltung klingt, wie elegant sie sich begründet, während sie Beziehungen, Sprache und Regeln verwüstet.
Die Inszenierung beschreibt die Bedingungen, unter denen Rache entsteht und gesellschaftsfähig wird. Sie verfolgt, wie ein Gefühl, das als „blind“ gilt, in westlichen Gesellschaften oft nur verlagert wird: in Verfahren, in Moral, in Codes der Zugehörigkeit und in öffentliche Empörung. Sie unterscheidet Vergeltung von Gerechtigkeit, Strafe von Wiedergutmachung, den Impuls, Schmerz zurückzugeben, von der Hoffnung, ihn zu beenden. RACHE beobachtet, wie schnell aus „es tut weh“ ein „du sollst bezahlen“ wird – und was diese Umstellung für Denken, Sprache und Handeln bedeutet.
Das FARN Kollektiv zeichnet sich für seine Praxis des fortwährenden Changierens der Positionen „hinter der Bühne“ aus, was für die Produktion RACHE konkret bedeutet, dass Sandra Hüller und Tom Schneider Co-Regie führen werden. Mit diesem Stück setzt das Kollektiv nach Hydra und Penthesile:a:s seine Auseinandersetzung mit der Antike fort.