Veranstaltungsinformationen
Links
Die Welt steht hier und jetzt am Scheideweg. Damit öffnet der Prophet Elias den Vorhang für Felix Mendelssohn Bartholdys packendes Oratorium. Basierend auf Texten des Alten Testaments entspinnt sich ein Schlagabtausch zwischen alten und neue Göttern. Die angekündigte Dürre setzt das ungläubige Volk unter Druck – und Elias weiß die Situation geschickt auszuspielen. In einer spektakulären Machtdemonstration lässt er Feuer regnen und zieht so die Umstehenden auf seine Seite. Erschreckend aktuell ist dieses Szenario: eine Gesellschaft am Rande ihres Zusammenbruchs, leicht manipulierbar und gewillt, den lautesten Versprechen Glauben zu schenken.
Mendelssohns Elias bewegt sich an der Gattungsgrenze zwischen Oratorium und Oper und treibt das große Solist:innen-Ensemble und den Opernchor in hochdramatische, exzessive Dialoge. Plastisch setzt Mendelssohn die Natur in Szene, wenn das Feuer Funken wirft, endlich Regen fällt oder die Erde bebt. Kontrastreich stehen daneben die Menschen, die zwischen Macht und Scheitern auf ihre Hybris zurückgeworfen werden. Wer wird zum Täter und wer zum Opfer? Wer formt die Narrative unserer Gesellschaft?
Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis und der preisgekrönte Regisseur Timofey Kulyabin zeichneten bereits am Opernhaus in Nowosibirsk zusammen für eine skandalträchtige Tannhäuser-Inszenierung verantwortlich, die den russisch-orthodoxen Erzbischof von Nowosibirsk damals so sehr verärgerte, dass dieser Rubiķis und Kulyabin anzeigte. Es folgten Straßenproteste und Petitionen zur Kunstfreiheit und eine künstlerische Freundschaft, die mit Elias bildmächtig am Staatstheater Kassel fortgesetzt wird.