WAS BISHER GESCHAH (UA)

A: Ich weiß einfach nicht, wie ich anfangen soll. Versteht ihr? Es will mir einfach nicht gelingen, einen Gedanken zu fassen, irgendetwas zu formulieren, von dem ich sagen kann, das beschäftigt mich, das ist mein Leben.

 

B: Ja, ich würde so gern sagen, das ist der Anfang von etwas Neuem, von etwas Bedeutendem, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, was das sein soll. „Am Vorabend der Katastrophe“, da frage ich mich ja vor allem, was bisher nicht geschah. Wie konnte es dazu kommen? Seit dem Ende des Kalten Krieges, das angeblich mit dem Ende der Geschichte zusammenfallen sollte, befinden wir uns eindeutig auf einer Bahn der Beschleunigung, die in der Vernichtung endet. Ich meine, mir als Katastrophenliebhaber macht das nichts aus, aber man sollte schon zur Kenntnis nehmen, dass die Zukunft von damals inzwischen unsere Gegenwart ist. Und zwar eine Gegenwart der multiplen Krisen, in der die Katastrophe greifbar ist, und der wir sozusagen quasselnd oder sprachlos beiwohnen, gefangen in programmierten Sinnschleifen. Aber ich will hier niemandem die Laune verderben, ich versuche nur einen Anfang zu finden.

 

C: Der Anfang geht so: Dies ist eine wahre Geschichte. Alle hier dargestellten Ereignisse sind wahr und können nur von den Personen wiedergegeben werden, die dabei waren, die sie wirklich erlebt haben. Und dann sprechen wir darüber, wie es sich nicht zugetragen hat und wie es sich hätte zutragen können, wenn wir nur eher darüber gesprochen hätten.

 

B: Also gut, fangen wir an.

 

A: Aber wie wollen wir denn jetzt anfangen? 

 

Gemeinsam mit dem Ensemble entwickelt Regisseur und Schauspieler Milan Peschel einen Abend vor der Katastrophe auf der Suche nach Begegnung und Kontakt. Was ist das eigentlich, was positive Gefühle in uns auslöst? Trotz alledem und vielleicht auch gerade deswegen. Eine Begegnung, die zum Weiterdenken anzettelt.