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In den Weiten des INTERIM schlägt das dunkle Herz der deutschen Romantik. Haltlos irrt der Holländer auf dem Ozean des Weltmarkts umher und häuft abstrakte Reichtümer an. Der schrankenlose Zwang zur Geldvermehrung erscheint ihm als Fluch, der ihn zu ewiger Rastlosigkeit verdammt. Einzig das kompensatorische Gegenmodell ewiger Treue verspricht dem Holländer Erlösung von der Konkurrenz und so findet er seine letzte Hoffnung im bürgerlichen Ideal der Liebe. Der Geschäftsmann Daland macht ihm seine Tochter Senta schmackhaft, die ebenfalls von der bedingungslosen Liebe träumt und auf der verzweifelten Suche nach einer höheren Aufgabe im Leben ist. Deal ist Deal im Zeitalter der Tech-Milliardäre und so ist der Handel schnell geschlossen, auch wenn Senta sich eigentlich gerade nicht hinters Spinnrad spannen lassen möchte. Und dann ist da auch noch Erik, der Senta ebenso für sich beansprucht. Zwischen unterschiedlichen Lebensmodellen erweist sich das Idealbild von Senta bald als leere Abstraktion …
So manches Weltbild gerät ins Wanken, wenn Wagners gewaltige Klangstürme unter der musikalischen Leitung unseres neuen 1. Kapellmeisters und stellvertetenden GMDs Clemens Fieguth durchs INTERIM wehen. Im Auge des Sturms steht Wagners Lebensthema: die Aufopferung des Subjekts für die größere Idee. Für Der fliegende Holländer verwandeln die Regisseur:innen Marlene Pawlak und Florian Lutz das INTERIM in einen kleinstädtischen Mikrokosmos, in dem die Drangsale der gesellschaftlichen Verhältnisse zu Tage treten.