Elephant | Elefant | 大象 // tHE bAD

Elephant | Elefant | 大象 ist eine choreografische Auseinandersetzung mit unserer Wahrnehmung und unserem Verhältnis zu den eigenen Erfahrungen. Aus Fragmenten von Erinnerungen, Träumen und Ereignissen versuchen wir, greifbare Schlüsse zu ziehen. Doch unsere Gegenwart erscheint oft wie ein dunkler, gefährlicher Raum. Wir stehen vor Fragen, die zu groß wirken, um sie vollständig zu begreifen: politische Spannungen, gesellschaftliche Konflikte, kollektive Ängste. Wir versuchen zu handeln – und doch bleibt das Ganze unsichtbar. Die Untätigkeit füllt sich mit Ohnmacht. Und dennoch existiert er: der sprichwörtliche Elefant im Raum – ob wir ihn benennen oder nicht.

 

Der endlose Traum.

Schichten von Träumen.

Jede führt uns tiefer ins Unbewusste.

 

Die Wirklichkeit entgleitet uns.

Verloren im kollektiven Traum.

Hilflos.

 

Du und ich und alle anderen

erscheinen zugleich vertraut und völlig fremd.

 

Die Zeit steht still.

Ich wünsche mir, dass all das aufhört.

 

Wie kehren wir zurück

zu dem Moment,

in dem wir noch wach waren.

 

(Yi-Chun Liu)

 

Das Stück wird an diesem Doppeltanzabend im Kontext mit der Arbeit tHE bAD von Hofesh Shechter stehen, tHE bAD von Hofesh Shechter ist ein packender Tanzabend über Macht, Verführung und die dunklen Energien menschlicher Gemeinschaft. Mit seiner charakteristischen, pulsierenden Bewegungssprache und einer treibenden musikalischen Struktur erleben wir eine Reise durch eine düstere, zugleich hypnotische Welt, in der Gewalt, Ekstase und Zusammenhalt eng miteinander verwoben sind. Der Abend zeigt, wie leicht Menschen von kollektiven Dynamiken, Ideologien und Emotionen mitgerissen werden – und stellt die Frage, wo im Spannungsfeld von Gemeinschaft und Individualität das „Gute“ und das „Böse“ entstehen.

 

Yi-Chun (Yi Jun) Liu ist Tänzerin und Choreografin aus Taiwan. Ihre künstlerische Laufbahn begann früh mit einer intensiven Ausbildung in chinesischer Oper und Kampfkünsten, bevor sie sich dem zeitgenössischen Tanz zuwandte und an der Taipei National University of the Arts studierte. Diese unterschiedlichen körperlichen Traditionen prägen bis heute ihre Arbeit und verleihen ihrer Bewegungssprache eine besondere Verbindung aus Präzision, Kraft und subtiler theatraler Nuancierung.

 

International wurde Liu vor allem als Performerin in europäischen Companyn bekannt. Sie arbeitete mit zahlreichen Choreograf:innen und Ensembles zusammen und pflegt seit vielen Jahren eine enge künstlerische Verbindung zur belgischen Kompanie Peeping Tom, deren physisch intensive und filmisch anmutende Ästhetik ihr künstlerisches Profil nachhaltig geprägt hat.

 

Neben ihrer Tätigkeit als Tänzerin entwickelt Liu eigene choreografische Projekte, in denen sie Körper, Raum und Wahrnehmung erforscht. Ihre Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Tanz, Performance und visueller Komposition und verhandeln Fragen von Erinnerung, Identität und kollektiver Erfahrung. In ihren Choreografien verbindet Yi-Chun Liu körperliche Präzision mit poetischen Bildwelten und sucht nach Formen, in denen der Körper zugleich Träger persönlicher Geschichte und Resonanzraum gesellschaftlicher Fragen sein kann.