Sommerreise Bundesstiftung Baukultur auf Brüder-Grimm-Platz

Die Bundesstiftung Baukultur war am Montag, 23. August im Rahmen ihrer Sommerreise zu Gast auf dem Brüder-Grimm-Platz. Der Brüder-Grimm-Platz in Kassel hat eine besondere Bedeutung.

Station in Kassel - Sommerreise der Bundesstiftung Baukultur auf dem Brüder-Grimm-Platz: Dr. Doris Fischer (vorne, sitzend von links, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, ICOMOS Monitoring Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe), Teresa Deckert, Clara Rummer, Julian Latzkow (alle Bundesstiftung Baukultur), Prof. Alexander Reichel (hinten, stehend von links, Vorsitzender des Denkmalbeirats der Stadt Kassel), Frank Flor (Club L 94 Landschaftsarchitekten), Reiner Nagel (Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur), Dr. Micha Röhring (Museumslandschaft Hessen Kassel), Stadtbaurat Christof Nolda.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Welterbestatus für den Bergpark Wilhelmshöhe wird er in seiner aktuellen Gestalt der wichtigen Funktion in Verbindung zu Innenstadt und Museumslandschaft nicht gerecht. Deshalb soll er neu gestaltet und in Wert gesetzt werden. 

Gerade wegen seiner herausgehobenen Rolle im städtebaulichen wie im kulturhistorischen Kontext ist der Brüder-Grimm-Platz als Premiumprojekt in das Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus aufgenommen worden. Für die Neugestaltung ist ein zweistufiger freiraumplanerischer Wettbewerb durchgeführt worden, durch den seine Funktion als Platz wieder ins öffentliche Bewusstsein rückt. 

Stadtbaurat Nolda: Gestaltung und Stadtökologie gehen schlüssige Verbindung ein

„Mit der Umgestaltung des Brüder‐Grimm‐Platzes wird die Verbindung zwischen Innenstadt, Museumslandschaft und Wilhelmshöhe auf besondere Weise gelingen“, bekräftige Stadtbaurat Christof Nolda. „Die Würdigung der historischen Bedeutung des Platzes, verknüpft mit der Reminiszenz an die Brüder Grimm, wird innovativ und mit einem starken, bildhaften Entwurf umgesetzt. Mit der klaren städtebaulich gefassten Platzfläche und dem grünen Rondell in ihrer Mitte gehen Gestaltung und Stadtökologie eine schlüssige Verbindung ein und verweisen auf die Anforderungen an die künftige Stadtentwicklung.“

Gemeinsam mit anderen Fachleuten sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern diskutierte Stadtbaurat Nolda die Planungen der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln, deren Entwurf die hochkarätig besetzte, 19-köpfige Jury im Wettbewerbsverfahren überzeugt hatte. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. 

„Der preisgekrönte Entwurf vom Büro Club L 94 ist insofern herausragend, als dass er erstmals einen ganzheitlichen Blick auf die Platzgestaltung wirft und auch das umliegende „Museumsquartier“ miteinbezieht. Die gesteigerte Aufenthaltsqualität und die Reduzierung des Verkehrsaufkommens sind elementar für Flors Entwurf“, sagte Nagel. „Die große Resonanz auf den heutigen Termin hat aber auch gezeigt, dass der Prozess zur konkreten Gestaltung des Brüder-Grimm-Platzes noch nicht abgeschlossen ist. Durch den konstruktiven Dialog zwischen Architekt Frank Flor (Club L 94), der Stadt Kassel, den beteiligten Akteuren sowie der Stadtgesellschaft konnten bereits einige Fragen zur Neugestaltung des öffentlichem Platzes geklärt werden.“

Welterbebeirats-Mitglied Dr. Fischer: Professionelles Verfahren auf hohem Niveau

„Es handelte sich um ein professionelles mehrstufiges Verfahren auf hohem Niveau mit einer hervorragend guten und differenzierten Vorbereitung für eine sehr schwierige Aufgabe, bei der verschiedene und widerstreitende Erfordernisse zu integrieren waren“, betonte Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. „Der Jury gehören anerkannte Fachleute sowie Vertreter der Landesdenkmalpflege und ICOMOS Deutschland an. Der Platz ist nicht Bestandteil des Weltkulturerbes, verbindet jedoch an entscheidender Stelle das Welterbe Bergpark über die Wilhelmshöher Allee mit der Residenzstadt.“ 

Dr. Doris Fischer ist Mitglied im ICOMOS Monitoring Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe. Zu den Aufgaben dieses Beratungsgremiums für das Welterbekomitee und für die UNESCO zählt insbesondere die Evaluierung von Denkmälern und historischen Stätten, die in der Welterbeliste verzeichnet sind oder für eine Aufnahme in die Liste in Betracht kommen.

Denkmalbeirats-Vorsitzender: Städtebauliches Scharnier mit besonderer Bedeutung

Als „spannenden, zeitgemäßen Beitrag“ wertet Prof. Alexander Reichel, Vorsitzender des Denkmalbeirats der Stadt Kassel, die geplante Neugestaltung: „Der Brüder-Grimm-Platz hat städtebaulich als Scharnier zwischen der Oberen Königsstraße und der Wilhelmshöher Allee eine besondere Bedeutung. Diese räumlich vermittelnde Funktion war Bestandteil aller historischen Gestaltansätze. Entsprechend überlagern sich in der Anmutung des Platzes unterschiedliche gestalterische Schichtungen der jeweiligen Zeit.“ Prof. Reichel erwartet, dass die früheren Schichtungen des Brüder-Grimm-Platzes in der konkreten Umsetzung der Neugestaltung deutlich werden sollten.

„Wir schaffen eine Symbiose aus urbanen Vorplätzen vor den tollen Museen und einem ökologisch sehr stark wertigen Baumhain aus Kiefern in der Mitte des Platzes in Anlehnung an die Märchenwelt der Brüder Grimm“, erläuterte Frank Flor, Club L 94 Landschaftsarchitekten, zur Entwurfsplanung seines Büros.

Hintergrund – Verfahren mit Einbindung von Anliegern und Stadtgesellschaft

Die aussagekräftige und inhaltlich starke Idee der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro RÖVER Ingenieursgesellschaft, Beratende Ingenieure VBI aus Gütersloh hatte in dem Wettbewerbsverfahren überzeugt, in das auch ein Beirat aus privaten und institutionellen Anliegern des direkten und des weiteren Umfeldes eingebunden war. Dazu zählten unter anderem die Museumslandschaft Hessen Kassel, Vertreterinnen und Vertreter der Murhardschen Bibliothek, des Elisabeth‐Krankenhauses, Schülervertretungen der in der Nähe gelegenen Gymnasien, Vertretern des Innenstadthandels sowie den stadtentwicklungspolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Rathausfraktionen. 

Mit dem Entwurf von Club L94 wird in die seit 1913 prägende Grundrissfigur des Brüder‐Grimm‐Platzes eine intensiv bewachsene Kreisform mit starkem symbolischem und hohem ökologischem Wert eingeschrieben. Er ist die Basis für weitere Konkretisierungen in der derzeit laufenden Planungsphase. Der Baubeginn ist frühestens ab Ende 2022 geplant.

Öffentlicher und konstruktiver Diskurs kann Planungsprozess bereichern

„Dass über den preisgekrönten Wettbewerbsentwurf breit und kontrovers diskutiert wird, war zu erwarten und ist ausdrücklich erwünscht“, sagte Stadtbaurat Nolda. „Denn eine öffentlich und konstruktiv geführte Kontroverse birgt Chancen und kann den Planungsprozess bereichern.“

Weitere Informationen zum Brüder-Grimm-Platz und dessen Neugestaltung unter  www.kassel.de/bruedergrimmplatz.