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Gedenken an Pogromnacht 1938: Kassel stellt sich Geschichte

Im Gedenken an die Pogromnacht 1938 haben Stadt und Jüdische Gemeinde auf dem alten jüdischen Friedhof im Fasanenweg am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus Kränze niedergelegt.

Kranzniederlegung auf dem Alten Jüdischen Friedhof durch Oberbürgermeister Christian Geselle

Im Gedenken an die Pogromnacht 1938 haben Stadt und Jüdische Gemeinde auf dem alten jüdischen Friedhof im Fasanenweg am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus Kränze niedergelegt. „Wenn wir uns an diese schrecklichen Geschehen erinnern, können uns nicht davor verschließen, dass unsere Stadt damals aktiv an diesen Verbrechen beteiligt war bzw. sie geduldet hat“, machte Oberbürgermeister Christian Geselle zu diesem Anlass deutlich. 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland hunderte Synagogen. Von der NSDAP initiiert, wurden zudem tausende jüdische Geschäfte zerstört und Friedhöfe geschändet. Viele Jüdinnen und Juden wurden verschleppt und ermordet. Die Pogromnacht gilt als Auftakt der systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und Europa. Rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden verloren im Holocaust ihr Leben. 

In Kassel fanden die Ausschreitungen allerdings schon am 7. November 1938, also zwei Tage vorher statt. Gewalttäter drangen in die Synagoge ein, brachen den Thora-Schrein auf und steckten Gebetsrollen und Kultgegenstände in Brand. Das Gebäude blieb zunächst unversehrt, allerdings nicht lange: Die im Nationalsozialismus gleichgeschaltete Stadtverwaltung ließ die Synagoge kurze Zeit später „abtragen", um dort einen Parkplatz zu errichten. Die Gemeinde wurde zerschlagen. 

„Weshalb widersprachen damals so wenige Menschen, warum sahen sie weg, warum erhob sich kein Protest, als die Juden in Deutschland verhöhnt, isoliert, drangsaliert, enteignet, verfolgt und ermordet wurden?“, fragte der Oberbürgermeister. Heute indes, 82 Jahre später, stellten wir uns diesen Verbrechen und dem Schrecken der Vergangenheit, genauso wie den daraus folgenden Verpflichtungen für die Gegenwart und Zukunft. Diese Verpflichtungen und das Gedenken an die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden verbänden uns heute. Beschämend sei, dass Synagogen und andere jüdische Einrichtungen immer noch und wieder verstärkt beschützt werden müssten. Und nicht zulassen werde man, „dass die Corona-Pandemie, die uns alle, unsere Stadt, unser Land, ja die ganze Welt vor große Herausforderungen stellt, missbraucht wird, um Antisemitismus zu befeuern und unsere Gesellschaft zu spalten.“ Mehr denn je würden Solidarität und Zusammenhalt gebraucht, so der Oberbürgermeister abschließend.

Aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen wegen der Pandemie hatte es in diesem Jahr keine öffentliche Gedenkveranstaltung gegeben.

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