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Maßgeschneidert: Kassel hat ein Ausbildungsprogramm speziell für Migrantinnen entwickelt

Der Pflegenotstand vor allem in Altenheimen ist ein vieldiskutiertes Thema, dem die Stadt Kassel mit einem eigenen Weg begegnen will.

„Bevor Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden, wollen wir zunächst einmal sehen, was an Potentialen in unserer Stadt vorhanden ist, und mit diesem Kasseler Weg möglichst auch ein Beispiel setzen. Die Förderung von Frauen mit Migrationshintergrund ist uns besonders wichtig, denn für sie, die oftmals Mütter mit kleinen Kindern sind, bedarf es besonderer Rahmenbedingungen, um ihnen eine Berufsausbildung zu ermöglichen“, sagt Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich. Sie war Ideengeberin und Initiatorin des Ausbildungsprojektes.

Ziel der Stadt Kassel ist es, verstärkt Migrantinnen, darunter insbesondere Geflüchtete, in Qualifizierung, Ausbildung und Erwerbsarbeit zu vermitteln. Dazu hat sie das Projekt „Neue Chance in der Sozialwirtschaft - Qualifizierungsperspektive für Migrantinnen in Kassel“ entwickelt. Unterstützt wird es durch das Förderinstrument „Sozialwirtschaft integriert“, mit dem das Hessische Ministerium für Soziales und Integration Konzepte und Ausbildungen fördert, die Menschen mit Migrationshintergrund die Chance geben, in der Sozialwirtschaft als Fachkraft tätig zu werden.  

Ein Projekt speziell für Migrantinnen
„Wenn Frauen integriert sind, dann werden es auch ihre Kinder sein“, sagt Projektleiterin Terhas Andezion vom Sozialamt der Stadt Kassel. Sie hat selbst einen Migrationshintergrund und weiß, wovon sie spricht. „Das Erlenen der deutschen Sprache, die Möglichkeit, den Lebensunterhalt selbst zu verdienen, Anerkennung im Beruf, soziale Kontakte und eine selbstbewusste Lebenshaltung als Vorbild für ihre Kinder - all das sind Dinge, die für diese Frauen mit der Ausbildung in Deutschland verbunden sind.“

Sieben Teilnehmerinnen, alles Mütter mit Migrationshintergrund aus afrikanischen und arabischen Ländern, haben nun im Mai 2019 nach einer Berufsorientierungsphase eine duale Ausbildung in der Altenpflegehilfe begonnen. Bei erfolgreichem Abschluss wird ein Großteil dieser Frauen ihre berufliche Qualifizierung mit einer Ausbildung zur Altenpflegerin fortsetzen können.

Die Chance nutzen
Für den erfolgreichen Abschluss der derzeitigen Ausbildungsphase sind alles Voraussetzungen vorhanden. Bei einem Termin mit Bürgermeisterin Friedrich berichteten die Frauen von ihren bisherigen positiven Erfahrungen in dem Projekt, das es ihnen ermöglicht, auch für ihre Familien und ihre Kinder zu sorgen. Denn die Kasseler Ausbildung zur Altenpflegehelferin in Teilzeit ist für Menschen konzipiert, die aufgrund ihrer persönlichen Situation, wie zum Beispiel als Alleinerziehende mit kleinen Kindern, nicht an einer Ausbildung in Vollzeit teilnehmen können. Daher finden sowohl Theorie und Praxis ausschließlich vormittags und ausschließlich von Montag bis Freitag statt.

Untereinander halten die Teilnehmerinnen, dies sich bereits aus der Berufsorientierungsphase kennen, regen Kontakt. Fast alle haben bereits in ihren Herkunftsländern gearbeitet und die entsprechenden Schulabschlüsse vorzuweisen. Selbstbewusst berichten sie nun, dass es neben der beruflichen Ausbildung für sie in ihrer neuen Lebenssituation wichtig ist, aus der sozialen Isolation herauszukommen, die das häusliche Umfeld für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund bedeuten kann. „Wir werden jetzt täglich gefordert und haben die Perspektive, eigenes Geld zu verdienen. Daher wird uns von unserem Umfeld sehr viel mehr Respekt entgegengebracht“, sagt etwa Millicent Serwah-Mensah.

Die Ausbildung zur Altenpflegehelferin in Teilzeit dauert 17 Monate, der Ausbildungszeitraum ist vom 2. Mai 2019 bis 30. September 2020. In dieser Zeit sind mindesten 700 Stunden theoretischer und fachpraktischer Ausbildung in der Altenpflegeschule und mindestens 900 Stunden praktischer Ausbildung in den Altenpflegeeinrichtungen nach § 4 Absatz 5 des hessischen Altenpflegegesetzes zu erbringen.

Insgesamt werden 21 Frauen in einem Zeitraum von 18 Monaten auf die Nichtschülerinnenprüfungen im Winter 2020 vorbereitet. Die derzeitigen Planungen sehen vor, ab Mai 2020 eine weitere Gruppe von Frauen in die Altenpflegehilfeausbildung zu integrieren.

Partner AWO Nordhessen
Träger der dualen Ausbildungsmaßnahme Altenpflegehilfe ist die AWO, gemeinnützige Gesellschaft für soziale Einrichtungen und Dienste in Nordhessen mbH, Tochterunternehmen des AWO Bezirksverbandes Hessen-Nord e. V.. Sie betreibt schwerpunktmäßig Einrichtungen und Dienste der Altenhilfe. Deren Geschäftsführer Michael Schmidt erläutert: „Unsere Schulen sind sehr gut auf dieses besondere Projekt vorbereitet. Wir sehen uns dabei sehr genau an, wo jemand steht und stellen uns in der Ausbildung darauf ein. Das Projekt ist damit eine gute Grundlage für die Ausbildung von Fachkräften, die wir so dringend benötigen. Es ist aber auch für die teilnehmenden Frauen eine exzellente Grundlage, um dann als Altenpflegerin über ein Einkommen zu verfügen, das den Lebensunterhalt garantiert und für künftige Renteneinkünfte sorgt. Und nicht zuletzt können wir denen, die die Ausbildung abschließen, auch eine Arbeitsplatzgarantie geben.“       

Teil eines Gesamtprojektes
Die Ausbildung zur Altenpflegehilfe ist Teil eines Gesamtprojektes in Kassel, dessen Ziel es ist, Fachkräfte für die Sozialwirtschaft mit Integration durch Qualifizierung und Beschäftigung auszubilden. Neben dem Hauptschulabschluss stehen dabei die Berufsfelder Hauswirtschafterin, Ausbildung zur Sozialassistenz, Erzieherin, Alten- und Krankenpflegerin und Assistenz in der Hauswirtschaft zur Auswahl.

150 Teilnehmerinnen sollen im Zeitraum von 2018 bis 2022 die Maßnahme durchlaufen, mindestens 50 Teilnehmerinnen eine duale Ausbildung absolvieren.

Die Stadt Kassel und die AWO bieten eine Ausbildung mit Perspektive speziell für Migrantinnen an: Projektleiterin Terhas Andezion, Maysaa Al-Shamsi, Jan Bendix (Stadt Kassel), Manwa Alhaj, Bürgermeisterin Ilona Friedrich, Millicent Serwah-Mensah, Deeba Parwani, Ulamaka Evelyn Eze, Habiba Schreiber und Michael Schmidt, AWO (v.l.n.r)

Pressekontakt: documenta-Stadt Kassel, Petra Bohnenkamp

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