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Vielfältige Eindrücke für Kasseler Delegation in Nowy Urengoi

Digitalisierung, Energie und Integration waren Arbeitsschwerpunkte der Reise einer Delegation aus der Stadt Kassel in die westsibirische Stadt Nowy Urengoi. Geleitet wurde sie von Bürgermeisterin Ilona Friedrich. Zu der Delegation zählten auch Vertreter der Wintershall Holding GmbH und der Universität Kassel, die Partner der Städtekooperation mit Nowy Urengoi sind. Ziel der Reise, an der Fachleute verschiedener städtischer Ämter teilnahmen, war die Intensivierung des Austausches zwischen beiden Verwaltungen.

Mit dem Blick auf die Digitalisierung, die beide Städte beschäftigt, befassten sich die Kasseler Delegation und ihre russischen Gastgeber mit der strategischen Entwicklung ihrer Kommunen. Nach dem Einführungsvortrag, in dem Bürgermeisterin Friedrich die strategischen Ziele der Stadt Kassel für die nächsten Jahre erläuterte, und dem Referat der Gastgeber wurden die unterschiedlichen Erfahrungen diskutiert und nach Gemeinsamkeiten gesucht.

Weiterhin besuchte die Delegation einen „Bildungs-Ethnopark“, in dem Kindern und Jugendlichen das Leben der indigenen Ureinwohner Sibiriens nahe gebracht wird, die auch heute noch in Zelten ihren Rentieren folgen. Dabei lernte die Gruppe aus Kassel das Leben der Ureinwohner vom Volk der Nenzen in der sibirischen Tundra aus eigener Anschauung bei einem Besuch eines ethnographischen Parks kennen.

Integration im Vielvölker-Staat Russland

Daran knüpfte ein weiterer Schwerpunkt des Austausches an: das Thema Integration. Die Gruppe besichtigte ein Migrationszentrum, in dem Menschen untersucht werden, die nach Nowy Urengoi ziehen, und dort ebenso alle weiteren Formalitäten erledigen können. Weitere Themen in diesem Zusammenhang waren die Rollen der Religionsgemeinschaften in der Stadt und damit verbunden der Besuch einer örtlichen Moschee.

„Wir haben viel darüber erfahren und auch gelernt, wie Integration im Vielvölker-Staat Russland funktioniert und ganz praktisch gelebt wird“, erläuterte Bürgermeisterin Friedrich. „Als großer und wichtiger Standort der Erdgasindustrie Russlands ziehen viele Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft nach Nowy Urengoi, deswegen ist das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Gruppen ein wichtiger Schlüssel für den Stadtfrieden.“

Erdgas aus Sibirien als Brücke für die Erneuerbaren Energien in Deutschland

Zu einem Besuch in Nowy Urengoi gehören immer auch lehrreiche Einblicke in die Rohstoffgewinnung. Die Delegation besichtigte die Produktionsstätten des Unternehmens „Achimgaz“, an dem die Kasseler Wintershall Holding GmbH und die russische Gazprom gleichermaßen beteiligt sind. Das Gemeinschaftsunternehmen fördert Erdgas und Kondensat aus einem der größten Erdgasfeldern der Welt, aus der sibirischen Lagerstätte Urengoi. „Wenn man sieht, wie schwierig es ist, das Gas zu gewinnen, und wie viele Verarbeitungsschritte erforderlich sind, damit es seinen Weg in den Pipelines auch nach Kassel antreten kann, dreht man seine Heizung zu Hause mit großer Hochachtung vor der Leistung der Menschen vor Ort auf“, sagte Friedrich. „Auch wenn die Energiewende in Deutschland immer weiter voranschreitet, wird Erdgas eine wichtige Brücke für unsere Versorgungssicherheit bleiben.“

Es ging aber nicht nur die Förderung von Erdgas, sondern auch um energiesparende Technologien und ihre Anwendung beim Besuch des Museums „Gazprom Dobytcha“. Dort erfuhr die Delegation, unter welch schwierigen Bedingungen die ersten Pioniere in den 1960er Jahren mit der Erschließung der Gasfelder bei Nowy Urengoi begannen.

Außerdem besichtigte die Delegation die Schule 17, in der nach dem Ende der Sommerferien das neue Schuljahr feierlich begrüßt wurde. Diese sehr gut und auf dem neusten technischen Stand ausgestattete Schule arbeitet eng mit dem Schülerforschungszentrum in Kassel zusammen. In diesem Rahmen gibt es gemeinsame Forschungsprojekte sowie einen Schüleraustausch. Beeindruckt war die Delegation auch, als sie einen Sportpalast besichtigte, der nicht nur Möglichkeiten für Fitness, Ballsportarten und auch Tanzsport bietet, sondern auch die Möglichkeit bietet, größere Konzerte zu veranstalten.

„Die für beide Seiten fruchtbare Arbeit soll auf jeden Fall fortgesetzt werden und wir freuen uns schon jetzt auf den Besuch der Delegation aus Nowy Urengoi im nächsten Jahr“, so Bürgermeisterin Ilona Friedrich. Bis dahin sind Online- und Videokonferenzen geplant, um an den gemeinsamen Themen weiterzuarbeiten.

Hintergrund: Städtekooperation seit 2005

Die Städtekooperation zwischen der Stadt Kassel (204.000 Einwohner) und der westsibirischen Stadt Nowy Urengoi (120.000 Einwohner) wurde im Jahr 2005 von der Stadt Kassel, der Universität Kassel und der Wintershall Holding GmbH ins Leben gerufen. Seit nunmehr zwölf Jahren leistet der intensive und vielschichtige Erfahrungsaustausch zwischen Fachexperten der Stadtverwaltung sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Bildung und Kultur unter der Moderation der Universität Kassel einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung beider Städte.

 

Pressekontakt: documenta-Stadt Kassel, Claas Michaelis

Stadt Kassel
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