Viele Institutionen kümmern sich in Kassel um Menschen in prekären sozialen und finanziellen Verhältnissen. Der Pakt gegen Armut vernetzt die vielen parallelen Aktivitäten und hilft dabei, die fachliche Expertise der Paktmitglieder zu koordinieren und Kräfte zu bündeln.
Matchfunding-Kampagne "Gemeinsam gegen Armut"
Der Pakt gegen Armut fördert Projekte und Maßnahmen in Kassel, die sich an Menschen richtet, die besonders von Armut betroffen oder gefährdet sind. Im Rahmen der Pakthilfe sind Projekte und Maßnahmen im Stadtgebiet Kassel förderfähig, die sich explizit an Personen bzw. Personengruppen richten, die besonders von Armut betroffen oder gefährdet sind, beispielsweise:
- Aufsuchende Hilfe, wie z. B. Ausweitung von mobilen Angeboten (Getränke, Lebensmittel, Hygieneartikel, ambulante mobile Sprechstunden)
- Günstige oder kostenfreie Mahlzeiten, die über das reguläre Angebot hinausgehen
- Unterstützungsleistungen im Rahmen des Hitzes- und Erfrierungsschutzes für Wohnungslose
- Besondere Formate an Infoveranstaltungen zu Angeboten und Leistungen
- Besonders aufbereitetes neu aufgelegtes Info‐Material (einfache Sprache, Fremdsprachen).
Mit der Matchfunding-Kampagne „Gemeinsam gegen Armut in Kassel“ werden vom 13. April bis 17. Mai fünf Projekte unterstützt, die Menschen in schwierigen Lebenslagen helfen. Die Besonderheit: Jede private Spende wird aus städtischen Mitteln verdoppelt. So erreicht jede Initiative ihr Spendenziel doppelt so schnell und kann umso schneller helfen.
Förderbedingungen 2026
Was kann gefördert werden?
Im Rahmen der Pakthilfe sind Projekte und Maßnahmen förderfähig, die sich explizit an Personen bzw. Personengruppen aus Kassel richten, die besonders von Armut betroffen oder gefährdet sind. Die Umsetzung des Projekts muss in der Stadt Kassel erfolgen.
Wer ist antragsberechtigt?
Antragsberechtigt sind gemeinnützige Initiativen, Einrichtungen und Organisationen sowie private bzw. nachbarschaftliche Initiativen, die in Kassel ansässig sind und hier ihre wesentliche Wirkungsstätte haben. Antragsstellende mit Sitz außerhalb Kassels können Anträge für Projekte stellen, die im Stadtgebiet Kassel umgesetzt werden.
Wie hoch ist die Maximalförderung?
Die Förderung beträgt maximal 5.000 Euro.
Welche Ausgaben sind förderfähig?
Förderfähige Ausgaben sind Sachkosten, die eine unmittelbare oder mittelbare Wirkung für Menschen haben, die von Armut bedroht oder betroffen sind. In Ausnahmefällen und nach vorheriger Abstimmung sind auch Honorare für explizit im Rahmen des Projektes eingesetztes zusätzliches Personal förderfähig.
Welche Ausgaben sind nicht förderfähig?
Nicht förderfähig sind:
- Projekte, die bereits Pakthilfe erhalten haben und unverändert geblieben sind,
- fixe Personalkosten,
- Aktivitäten, die hauptsächlich Werbezwecken dienen,
- ausschließlich öffentlichkeitsorientierte Aktionen (z.B. öffentliche Veranstaltungen),
- die Förderung aus Pakthilfe als Quer‐/Kofinanzierung für ein größeres Projekt.
Sind Eigenmittel erforderlich?
Kosten für das Projekt, die über die Maximalförderung von 5.000 Euro hinausgehen, müssen aus Eigenmitteln oder sonstigen Einnahmen (z. B. Spenden) getragen werden.
Wann ist der Förderzeitraum?
Projekte, für die eine Zuwendung aus der Pakthilfe 2025 beantragt werden, dürfen frühestens am Tag der Antragstellung beginnen und sollen innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein. Die Projekte haben keine Mindestdauer – es können auch Einzelaktionen gefördert werden.
Ist ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn möglich?
Projekte dürfen frühestens am Tag der Antragstellung beginnen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Bewilligung einer Zuwendung für die beantragten Projekte. Wird mit dem Projekt begonnen, bevor der Förderbescheid erstellt wurde, liegt das Finanzierungsrisiko beim Antragstellenden.
Bis wann muss der Antrag eingereicht werden?
Zuwendungen aus der Pakthilfe 2025 können in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden Mittel beantragt werden. Der Antrag soll vollständig ausgefüllt über das Onlineformular eingereicht werden.
Wie erfolgt die Projektabrechnung?
Die Verwendung der Mittel muss spätestens zwei Monate nach Ablauf des Förderzeitraums nachgewiesen werden. Bei Zuwendungen bis zu 2.500 Euro ist die Abgabe einer Erklärung über die zweckentsprechende Verwendung der Förderung anstelle eines vollständigen Verwendungsnachweises ausreichend. Die Nachweisführung erfolgt über einen Online‐Prozess, der die notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellt. Nicht verbrauchte Mittel müssen an die Stadt Kassel zurückgezahlt werden.
Die Struktur des Pakts
In Kassel engagiert sich eine große Anzahl von Institutionen und Trägern, Vereinen und Ehrenamtlichen gegen Armut – und dies durchaus erfolgreich. Es gibt zivilgesellschaftliche und städtische Arbeitsgruppen, Arbeitskreise, Bündnisse, Netzwerke, Runde Tische und Räte, Experten‐ und Entscheidungsgremien sowie weitere Austauschformate.
Allen zivilgesellschaftlichen und städtischen Akteurinnen und Akteuren ist bewusst, dass zur Prävention von Armut und zur Förderung sozialer Teilhabe spezifische Lebenslagen von Kindern, Alleinerziehenden, Langzeitarbeitslosen und älteren Menschen sowie die damit verbundenen Gesundheits‐, Wohn‐, Kontakt-, Arbeits‐ und Lerngewohnheiten berücksichtigt werden müssen. Dabei wird davon ausgegangen, dass neben materiellen Leistungen auch soziale Kontakte und die Realisierung partizipativer Angebote maßgeblich sind.
Ein Pakt unterscheidet sich von anderen Formaten durch ein höheres und allen bewusstes Maß an Verbindlichkeit. Netzwerke werden geknüpft, Pakte werden geschmiedet. Dies ist verbunden mit einer deutlichen Ansage an die Öffentlichkeit: Die Kasseler Stadtgesellschaft nimmt Armut nicht hin, sondern versucht aktiv, gegen diese vorzugehen. Der Pakt ist ein unmissverständlicher Ausdruck dieser Haltung.
Die Mitglieder des Pakts
Die über 150 Menschen, die sich im Pakt vernetzen, kommen aus den verschiedensten sozialen Arbeitsbereichen, aus Wohlfahrtsverbänden, Religionsgemeinschaften sowie aus Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft.
Einmal im Jahr treffen sich alle Mitglieder der Paktforen zu einer Paktkonferenz, auf der die Arbeitsergebnisse vorgestellt werden und über neue Ansätze diskutiert wird.
Der gesamte Prozess wird von der Universität Kassel wissenschaftlich begleitet und unterstützt.
Der Paktrat
Die Mitglieder des Paktrats unterstützen die Arbeit des Pakts gegen Armut durch ihre führenden Rollen in Kassels Stadtgesellschaft. Mit ihrer fachlichen Expertise und weitreichenden Netzwerken sorgen sie dafür, dass die gemeinsamen Ideen auch umgesetzt werden.
Im Paktrat sind:
- Dr. Norbert Wett, Dezernent für Bürgerangelegenheiten, Soziales, Digitalisierung und Tourismus (Vorsitzender)
- Johannes Bleck, Geschäftsführender Regionalleiter des Caritasverbandes Nordhessen-Kassel
- Anja Deiß‐Fürst, Leiterin des Kasseler Sozialamts
- Uwe Gabriel, Geschäftsführer der GWG Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel
- Jutta Kahler, Geschäftsführerin des Jobcenter Stadt Kassel
- Nicole Maisch, Bürgermeisterin der Stadt Kassel
- Tamara Morgenroth, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Region Kassel
- Jörg Müller, Regionalgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
Die Motivation der Paktratsmitglieder
Die Mitglieder des Paktrats beschreiben in wenigen Worten die Ziele ihrer Arbeit für mehr soziale Gerechtigkeit.
Themenwerkstätten
Was sind Themenwerkstätten?
Auf der vierten Paktkonferenz im März 2025 wurde die Umstrukturierung des Pakts gegen Armut bekanntgegeben. Was zuerst auffällt: Die Arbeitsebene des Pakts wechselt begrifflich von einem Forum, also einem Ort, an dem vor allem debattiert wird, zu einer Werkstatt, in der die Paktmitglieder gemeinsam arbeiten wollen. Hierbei orientierte man sich am Klimaschutzrat, der ebenfalls in Themenwerkstätten zu seinen verschiedenen fachlichen Schwerpunkten arbeitet.
Statt die schier unbezwingbaren Berge wie Kinderarmut oder Altersarmut als Ganzes anzugehen, konzentrieren sich die Themenwerkstätten auf niedrigschwellige, klar umrissene Ansätze, die betroffenen Menschen das Leben erleichtern können. Der Fokus auf eng gesteckte Fragestellungen soll dabei helfen, mit der Expertise der interessierten Gruppenmitglieder Lösungsvorschläge zu entwickeln und daraus kurz- und langfristige Maßnahmen abzuleiten.
Sobald eine Themenwerkstatt ihre selbst festgelegten Ziele erreicht hat, kann sie aufgelöst werden und die Beteiligten können sich für neue Fragestellungen zusammenfinden. Auch noch während der Arbeitsphase können neue Gruppenmitglieder wichtige Inputs liefern oder externe Organisationen zu Teilproblemen befragt werden. Es ist auch möglich, jederzeit einer neuen Idee in Form einer Themenwerkstatt nachzugehen. Dafür kann einfach der Paktkoordinator Tom Schröder angeschrieben werden, der die relevanten Informationen an die übrigen Paktmitglieder weiterleitet und zur Mitarbeit einlädt.
Welche Themenwerkstätten gibt es?
Förderung der Teilzeitausbildung
- Gruppensprecherinnen: Ute Giebhardt (Frauenbeauftragte der Stadt Kassel), Nicole Eckhardt (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenter Stadt Kassel), Nina Heimroth-Propf (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Kassel)
- Fragestellung: Wie kann die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung noch besser gefördert werden?
- Handlungsansätze: Arbeitgeber und Berufsschulen motivieren; Best Practices finden und als Vorlage nehmen
FamilienPoint Kassel
- Organisationsteam: Lea Lieselotte Sauer (Jugendamt der Stadt Kassel), Najim Boussouf (Familienkasse Hessen) und Anke Schäfer (Projekt Akti(F) Plus beim Kulturzentrum Schlachthof)
- Fragestellung: Wie können verschiedene Institutionen regelmäßig an einem Ort gleichzeitig Beratungen anbieten?
- Umsetzung: Der FamilienPoint findet jeden ersten Donnerstag im Monat im Jugendamt (Scheidemannplatz 1) statt. Alle weiteren Informationen erhalten Sie hier: FamilienPoint Kassel (Öffnet in einem neuen Tab)
Brückenbauer
- Gruppensprecher: Stefan Doering (Forum Vita e.V.)
- Fragestellung: Wie können Langzeitarbeitslose durch Ehrenamtliche (zurück) in den Arbeitsmarkt begleitet werden?
- Umsetzung: Schaffung einer Koordinationsstelle, Weitergabe von potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch das Jobcenter, Suche nach weiteren Ehrenamtlichen; im Januar 2026 startete die inhaltliche Umsetzung
Ausbildung zum Ausbilder für migrantische Betriebe
- Gruppensprecher: Stefan Doering (Forum Vita e.V.)
- Fragestellung: Wie können Kasseler Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationsgeschichte gezielter motiviert werden, die bei ihnen beschäftigten jungen Menschen auszubilden?
- Umsetzung: Informationsflyer, Vermittlung zwischen Betrieben und zuständigen Kammern, Begleitung bei der Prüfungsvorbereitung
Broschüre und Kurs „Arbeiten in Kassel“
- Gruppensprecherin: Hilla Zavelberg-Simon (Fachbereichsleitung Migrationsdienst des Caritasverband Nordhessen-Kassel e.V.)
- Fragestellung: Wie gestalte ich meinen Zugang zum Arbeitsmarkt?
- Handlungsansätze: Schulungsreihe, Infomaterial (analog zu Kassel wohnt (Öffnet in einem neuen Tab)); Themensammlung (Qualifikation, Bewerbung, Jobbörsen); Referenten (z.B. Jobcenter, Anerkennungsberatung, Coaches); Sprachmittler
Kostenloses Kita-Essen
- Gruppensprecher: Sven Schmidt (Abteilungsleiter im Amt Kindertagesbetreuung der Stadt Kassel)
- Fragestellung: Welche Effekte hat ein kostenloses Kita-Frühstück auf die Entwicklung der Kinder? Wie können auch die Eltern die Ernährung zuhause positiv verändern?
- Handlungsansätze: Bedingungslos kostenfreies Frühstück in zwei Kitas für einen festgelegten Zeitraum; wissenschaftliche Begleitung durch die Uni Kassel
Politische Teilhabe
- Gruppensprecherin: Anja Lipschik (Ortsvorsteherin in Bad Wilhelmshöhe; Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
- Fragestellung: Wie kann mehr politische Teilhabe (vor Ort) gelingen? Wo und wie kann ich mich als Bürger/Armutsbetroffener einbringen? Wie funktioniert Kommunalpolitik?
- Handlungsansätze: Broschüre in leichter Sprache zu Politik und Wahl auf kommunaler Ebene
Wissenschaftliche Begleitung
Prof. Dr. Wolfgang Schroeder
Die Arbeit des Pakts gegen Armut wird seit Beginn von Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schroeder und seinem Team von der Universität Kassel wissenschaftlich begleitet.
Zuletzt wurden Expertinnen und Experten der Rechts‐, Sozial‐ und Verwaltungswissenschaften aus ganz Deutschland zu einer Veranstaltungsreihe eingeladen. Sie tauschten sich dafür mit Amts‐ und Abteilungsleitungen der Stadtverwaltung sowie Vertreterinnen und Vertretern der freien Träger in Kassel aus.
Die Teilnehmenden beleuchteten rechtliche, organisatorische und digitale Anforderungen an eine wirksamere Sozialpolitik. Wiederkehrende Themen in den Vorträgen waren die Notwendigkeit einer Vereinfachung des Sozialgesetzbuchs, Strategien zur Entbürokratisierung sowie Chancen und Risiken der Digitalisierung.
Die Ergebnisse wurden in den i3-Diskussionspapieren veröffentlicht: "Einen wirksamen, bürgerfreundlichen Sozialstaat auf kommunaler Ebene ermöglichen" (Öffnet in einem neuen Tab) (Ausgabe Nr. 25 - März 2026)
Um die Perspektiven aus Kassel möglichst wirksam in die bundesweite Debatte einfließen zu lassen, wurde die wissenschaftliche Ausarbeitung an den Hessischen sowie den Deutschen Städtetag übergeben.
Dr. Sonja Fehr
Soziologin und Armutsforscherin Dr. Sonja Fehr, ebenfalls von der Universität Kassel, begleitet seit Januar 2025 die Arbeit des Pakts durch ein neues Forschungsprojekt. In ausführlichen Interviews werden unmittelbar die Perspektiven armutsbetroffener Menschen gesammelt. So soll auch überprüft werden, welche Maßnahmen besonders erfolgreich die Zielgruppe erreichen beziehungsweise welche Erwartungen die Zielgruppe an die Arbeit des Pakts gegen Armut hat.
Menschen mit Armutserfahrungen sollen aber nicht nur befragt, sondern als Teil des Forschungsprojekts direkt in die Entwicklung geeigneter Unterstützungsmaßnahmen eingebunden werden. Zusammen mit Mitgliedern des Pakts gegen Armut wurde ein Workshop unter dem Titel „Meine Ideen gegen Armut“ veranstaltet. Dort wurde gesammelt, was Armut für die Menschen bedeutet, was die Stadt Kassel für Armutsbetroffene besser machen kann und wie diese sich für ihre Forderungen Gehör verschaffen können. „Es geht darum, gemeinsam eine integrierte Gesamtstrategie für das Thema Armut in Kassel zu erarbeiten“, fasst Armutsforscherin Fehr ihre Vision zusammen. Eine Zusammenfassung des Workshops kann hier abgerufen werden: Dokumentation zum Workshop "Meine Ideen gegen Armut" (Öffnet in einem neuen Tab)
Kontakt
Tom Schröder
Koordinator Kasseler Pakt gegen Armut
Anschrift
Raum: D8.157
Rathaus
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Kontakt
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