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Geschichte der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung


Der Stifter und sein Vermächtnis

Wolfgang Zippel wuchs in einem bürgerlichen Elternhaus mit starker musischer Prägung auf. Kindheit und Schulzeit verlebte er in Kassel, das Abitur absolvierte er 1942 an der Wilhelmsschule mit ihren traditionell breit gefächerten musikalischen Aktivitäten.

Von der Schulbank weg wurde er, fast noch ein Knabe, als Soldat für den Russlandfeldzug eingezogen und erlitt früh eine schwere Verwundung, bei der er seinen rechten Arm verlor. Noch während des Krieges begann er das Jurastudium im nahen Göttingen. In den 50er-Jahren war er in einem Kasseler Industrieunternehmen beschäftigt, der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im Rechts- und Personalbereich; auch den Fragen und Problemen der Auszubildenden widmete er sich mit großem Engagement. Als sein Berufsweg ihn aus Kassel wegführte – nach Wuppertal und nach Kelsterbach – blieb der enge Kontakt zu seiner Heimatstadt und ihrem kulturellen Leben erhalten.

Seine besondere Leidenschaft galt der Musik. Er gestaltete mit seiner wohlklingenden Baritonstimme manchen hausmusikalischen und literarischen Abend inmitten seiner liebevoll zusammengetragenen Sammlung antiker Möbel, Bilder, Porzellane und Silbergegenstände. Diese Sammlung war wichtiger Bestandteil seines Vermögens, das er der Stadt Kassel vermachte.

Die Begegnungen mit Wolfgang Zippel verliefen nicht immer unkompliziert. Zu Anfang wirkte er oft zurückhaltend, ja verschlossen, konnte dann aber im Verlauf eines Gespräches auftauen und vom intensiven Zuhörer zum klugen, freundschaftlichen Ratgeber wechseln. Trotz mancher Freundschaften blieb er Einzelgänger, unverheiratet, konnte, von spontaner Unternehmungslust gepackt, plötzlich vom Bildschirm verschwinden, sich auf irgendeine Weltreise begeben, und ebenso überraschend wieder auftauchen.

Gegenüber unserer Gesellschaft und unserem Sozialstaat war er kritisch abwägend und doch engagiert. Beruflich erfolgreich, jedoch in persönlichen Dingen genügsam und bescheiden, hatte Wolfgang Zippel sich schon früh mit dem Gedanken beschäftigt, wem und wie er sein Vermögen hinterlassen könnte.

Die Stiftung Brückner-Kühner lieferte die Initialzündung für die Idee, das Vermögen – zweckgebunden – in eine Stiftung einzubringen. Die Grundzüge der von Wolfgang Zippel selbst formulierten Stiftungssatzung weisen zu der der Stiftung Brückner-Kühner starke Parallelen auf.

Ihm gefiel der Gedanke, dass das Kasseler Kulturleben durch mehrere private Stiftungen unterstützt werden würde. Besonderen Wert legte er darauf, dass die Mittel seiner Stiftung ergänzend zum öffentlichen Kulturengagement – und nicht etwa dieses kompensierend – eingesetzt werden sollten.

Ausgehend von seiner Begeisterung für die Musik und angesichts der Bedeutung, die die bildende Kunst für Kassel seit jeher hat, wollte er bevorzugt jungen Künstlern dieser Disziplinen Motivation und Starthilfe für ihr Schaffen geben. Diese Idee und Zielsetzung hat er mir in mehreren Gesprächen erläutert.

Seit mehr als 25 Jahren wird, dem Stifterwillen entsprechend, jährlich der Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung an junge Kasseler Künstlerinnen und Künstler vergeben. Darüber hinaus reichen die verfügbaren Mittel, um Künstlerinnen und Künstler durch Ankäufe ihrer Werke oder durch Projektzuschüsse zu fördern. Viele der auf diese Weise Geförderten haben inzwischen überregionale Bedeutung erlangt, und die Stadt Kassel verfügt in der Artothek über eine beachtliche Sammlung der in ihren Mauern geschaffenen Werke junger Kunst.

Diese breit gefächerte Umsetzung seiner Stiftungsidee – dessen bin ich mir sicher – hätte Wolfgang Zippel sehr gefallen.

Ein Text von Dr. Volker Schäfer

Veröffentlicht am:   02. 11. 2017