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Felix Elsner

Preisträger Kasseler Kunstpreis 1999
Der Künstler Felix Elsner wurde 1999 mit dem Kasseler Kunstpreis in der Sparte "Musik" ausgezeichnet.

Über Felix Elsner
(Auszüge aus der Laudatio anlässlich der Verleihung des Kasseler Kunstpreises der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung 1999)

Auszug aus der Komposition

In vielen Stücken des Komponisten und Pianisten Felix Elsner sind Bilder, ist das Bildhafte von großer Bedeutung. Mit großer Eleganz entwirft Felix Elsner tonal gestaltete Bilder, die voller Leben und Dynamik sind und die immer mit einer faszinierenden Dramaturgie aufwarten. Eine wichtige Aufgabe als Komponist ist für ihn die des Dramaturgen, der dafür zu sorgen hat, Spannungsbögen, Höhepunkte und Entspannungsmomente aufeinander abzustimmen.
Da erleben wir das Abenteuer Fliegen oder wir hören einen wahrhaftigen Hexenritt, so der Titel einer gleichnamigen Komposition, in der auch seine hervorragenden virtuosen Fähigkeiten zum Tragen kommen. Eine Virtuosität, die jedoch nie vordergründig bleibt, sondern sich mit einem romantisch-expressiven Klavierton verbindet.
Neben dem Dramaturgischen gilt Felix Elsners Interesse der strukturellen Seite von Musik und den musikhistorischen und stilistischen Kontexten. Komponieren stellt für ihn den reizvollen Versuch dar, spannende Aufgabenstellungen, die die Musik in sich trägt, zu bewältigen. Diese Aufgaben können harmonische, rhythmische oder formale Schwerpunkte enthalten, wie beispielsweise die Zielsetzung, einen vierzehn Takte langen Blues zu schreiben, der keine Bluesharmonik, -melodik und keine bluestypischen Taktschemata enthält und trotzdem noch als Blues erkennbar ist. In diesem Sinne ist für ihn Komposition immer praktisch angewandte Musiktheorie.
Elsners Kompositionen lassen Platz für Kommunikation und bieten Raum. Also verliert er den Anlass für die jeweilige Musik nie aus den Augen. Dies ist für mich ein ganz spannender Aspekt seiner Arbeit: Beim Hören entsteht der Eindruck eines Ganzen, eines gemeinsamen Entwickelns.
Felix Elsner hat sich zur Aufgabe gestellt, die eigene musikalische Sprache ständig zu erweitern. Hierzu nutzt er Kompositionstechniken aus dem Jazz genauso wie aus der europäischen Kunstmusik des 20. Jahrhunderts. Viele Vorbilder, die er nennt, wie z.B. John Taylor, David Liebman oder Paul Bley, sind selbst Künstler, die die herkömmlichen Pfade verlassen haben und in deren Arbeiten die Grenzen zwischen den verschiedenen Gattungen und Stilen längst verwischt sind. Trotz aller anderen Einflüsse bezeichnet Felix Elsner seine Musik weiterhin als Jazz. Damit möchte er vor allem seinen persönlichen Zugang zur Musik kennzeichnen, denn seine intensivste Auseinandersetzung mit Musik hat unter dem Einfluss von Jazzkünstlern stattgefunden, auch wenn dies immer unter Einbeziehung der europäischen Kunstmusik und einer kontinentalen Geisteshaltung geschehen ist.
Dabei hat man nie das Gefühl, dass es sich bei den Kompositionen von Elsner um ein Flickwerk von Stilistiken oder um stilistische Fingerübungen handelt, geschaffen aus purem intellektuellen Interesse an einer bestimmten Schule. Vielmehr wird technisches Können, intellektuelles Vermögen und das exzellente pianistische Können Elsners in den Dienst der Musik und der Suche nach einer eigenständigen Sprache gestellt. An improvisierter und komponierter Musik interessiert ihn besonders das Ausloten des Kräfteverhältnisses von technischer Virtuosität und expressivem Gehalt eines Werkes.
Wir sind sicher, dass Felix Elsner auf seinem weiteren Weg weiterhin wunderbare, spannende und interessante Musik komponieren und mindestens genauso gut selbst zum Vortrag bringen wird. Wir sind stolz darauf, ihn heute mit dem Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung bedenken zu können, und wünschen Felix Elsner auf seinem weiteren künstlerischen Weg alles erdenklich Gute.

Michael Rappe

Biografie
Studium der Musik und Germanistik in Oldenburg, Essen und Kassel

1993 Live-Vertonungen von Stummfilmen mit dem Kulturzentrum PFL und der Stadt Oldenburg
seit 1994 Auftritte auf Festivals in Sarajevo, Maastricht, Frankfurt, Leipzig, Augsburg, Berlin, Köln, etc.
1996 Livemitschnitte beim WDR 3 (Köln) und bei WDR 1 live (Essen)
Auszeichnung mit dem Folkwangpreis der Musikhochschule Essen
seit 1996 Leitung von zahlreichen Jazz-Workshops
1997 Konzertreise nach Bosnien mit dem Deutschen Musikrat
1999 Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung
seit 2000 Zusammenarbeit und Tourneen mit Pablo Ardouins Quartett »Tango Efusion«
Lehrauftrag für Klavierimprovisation an der Universität Kassel
Veröffentlicht am:   18. 04. 2010