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Martin Baum

Preisträger Kasseler Kunstpreis 1994
Der Künstler Martin Baum wurde 1994 mit dem Kasseler Kunstpreis in der Sparte "Musik" ausgezeichnet.

Über Martin Baum
(Auszüge der Laudatio anlässlich der Verleihung des Kasseler Kunstpreises der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung 1994)

Martin Baum in

Martin Baum ist, wie man so sagt, Vollblutschauspieler. Er stammt aus einer österreichischen Schauspielerfamilie, wurde geboren und wuchs auf in Linz an der Donau. Das Linzer Theater gehört zu den drei großen Bühnen Österreichs. Noch heute steht die Mutter als Schauspielerin auf der Bühne, sie ist außerdem Lehrerin an einer Schauspielschule. Der Vater, ausgebildeter Schauspieler und Regisseur, war Lehrer und später Schulleiter an einem Institut für Taubstumme und nahm die alte Theaterpassion nach der Pensionierung wieder auf. Für die drei Söhne gehörte das Theater zum Leben wie das Essen und Schlafen: Die Mutter lernte ihre Texte, während sie in der Küche abwusch und Kartoffeln schälte. Auch gesungen hat Martin Baum als Kind, vor allem Liedtexte in Fremdsprachen, die er nicht verstand, komische Laute auf Englisch oder Französisch, die er vor sich hinträllerte. Später sang er, durch Vermittlung der Eltern, im Jugendchor der Kirche.

Die Schultheatergruppe lief parallel. Martin Baums literarische Vorbilder waren nicht so sehr »erlesen« wie »erspielt«: Molière und Brecht. Zusammen mit seinem zweiten Bruder Thomas, heute Schriftsteller und Autor von Filmscripten und Drehbüchern, gründete Martin Baum eine freie Theatergruppe. Die beiden traten mit Revuen und Musikstücken auf. Nach der Matura ging Martin Baum zur Schauspielschule. Die Stimmbildnerin gewöhnte ihm ab, was er in der 2-jährigen Operngesangsausbildung gelernt hatte, denn das Schauspiel, auch das Musical, erst recht Brecht erfordern einen anderen Umgang mit der Stimme. Zwischendurch unterbrach er das Studium und ging in einer freien Produktion mit dem Kindermusical »Timuria« im Zirkuszelt für die UNICEF in der Bundesrepublik auf Tournee.

Martin Baum in Tankred Dorats

Nach Abschluss der Schauspielschule (die Abschlussrolle war der Vater Miller in »Kabale und Liebe«), nach Gastrollen in Salzburg, Linz und Marburg hatte Martin Baum sein erstes Theaterengagement in Heilbronn. Das Theater unter dem Intendanten Klaus Wagner war ein reines Schauspielhaus, das auch Musicals produzierte. Ein Haus, dessen Charakter den Interessen und Talenten Martin Baums entgegenkam. Der junge Schauspieler, Martin Baum war gerade 24 Jahre alt, wurde gefordert: Er spielte große Rolle, musste gleich an Shakespeare. Die großen Anforderungen waren gleichzeitig ein großer Ansporn, eine Chance für den Schauspieler. Im ersten Jahr bewältigte Martin Baum 228 Vorstellungen. Es war eine Phase der »massenhaften Arbeit«, er hatte viel Spaß, aber wenig Geld und lernte viel. Ihm ist es vor allem wichtig, das Theater Spaß macht. Ohne das kann man nichts erreichen, selbst eine Tragödie zu spielen muss ihm Spaß machen.

In Heilbronn lernte Adelheid Müther, heute die Schauspieldirektorin im Staatstheater Kassel, Martin Baum als jungen Anfänger kennen. Vor einem Jahr kam sie dann nach Kassel und holte Martin Baum nach. Er ist Ihnen allen als Besuchern des Staatstheaters ohnehin kein Unbekannter mehr. Martin Baum glänzte nicht nur als Musical-, Rock- und Brechtsänger, bewies als »Charley’s Tante« sein umwerfend komisches Talent, sondern überzeugte auch in klassischen und experimentellen Rollen, spielte den Just in Lessings »Minna von Barnhelm« und den Jan in Brocks »Here is Monster«. Daneben trat er auch als Solosänger mit eigenen Programmen auf und wirkte mit bei den Produktionen des Staatstheater-Ensembles »Die Nachtschwärmer« und »Lieder der Nacht« im Theatercafé.

Es ist ein ungewöhnlich vielseitiges Spektrum an ganz unterschiedlichen Rollen, Genres und Kunstgattungen, das der junge Schauspieler in gerade einer einzigen Spielzeit dem Kasseler Theaterpublikum demonstriert hat und durch das er sich, das darf ich wohl so sagen, mit seiner besonderen Ausstrahlung und seiner seltenen Begabung, Schauspiel und Gesang zu verbinden, in die Herzen der Kasseler gespielt hat. »Karriere« heißt für ihn einfach, gutes Theater zu machen, egal wo. Dabei sind es gerade große Begabungen wie die Martin Baums, die das ganz große Theater bedeuten.

Irmgard Schleier

Biografie
1963 in Linz an der Donau (Österreich) geboren und aufgewachsen
1983-1987 Ausbildung zum Schauspieler am Mozarteum in Salzburg, erste Film- und Fernseherfahrung
1986-1988 Gastverträge in Salzburg, Linz und Marburg
1988-1991 festes Engagement am Staatstheater Heilbronn
1991 Verleihung des Volksbühnenpreises
1991-1993 als freiberuflicher Schauspieler tätig Gastverträge in Zürich (Theater am Neumarkt), Kaiserslautern und Konstanz
1993-1999 festes Engagement am Staatstheater Kassel
1994 Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung
1996-1997 Arbeit als Regisseur, Inszenierungen im TiF
seit 1999 festes Engagement am Staatstheater Mainz
2000 D. Edgar (DSE): »Dr. Jekyll und Mr. Hyde«, Regie
2000/2001 S. Belbel: »Das Blut«, Regie

Veröffentlicht am:   18. 04. 2010