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Marion Garz

Installationsobjekt; © Marion Garz

Preisträgerin Kasseler Kunstpreis 2009

Die Künstlerin Marion Garz wurde 2001 mit dem Kasseler Kunstpreis in der Sparte "Bildende Kunst" ausgezeichnet.

Biografie

1973 in Ingolstadt geboren
1990-1995 Ausbildung zur Maskenbildnerin (Staatstheater Gießen)
seit 1996 Studium an der Kunsthochschule der Universität Kassel bei Prof. Urs Lüthi
2001 Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung

Zu den Arbeiten von Marion Garz

Die Organisation unseres öffentlichen wie privaten Lebens beruht auf Ordnung, auf Reglements, die für Überblick und Sicherheit stehen, um sich gegen störendes Durcheinander, gegen Unordnung zu schützen.
Herrschende Ordnungsprinzipien und ihre Erscheinungsformen sind die zentralen Themen der Arbeiten von Marion Garz. Mit kritisch-nüchternem Blick beobachtet und registriert sie zunächst mit der Kamera, wobei die jeweiligen Motive durch das Detail, den exakt gewählten Ausschnitt, bestimmt werden. Unter dieser Perspektive konzentriert sich der fotografische Fundus, egal, ob es dabei um Interieurs, Personen oder Dinge geht, auf die Alltäglichkeit ordnender Systematik. Da zeigt ein geöffneter Kühlschrank die aufgeräumte Platzierung seines Inhalts neben der analogen Maserung eines Schrankfurniers; nicht weniger sorgfältige Kleidungsarrangements treffen segmentiert auf sauber gekämmte oder gestylte Haartracht.
Die sachliche Dokumentation ist Teil eines vielschichtigen künstlerischen Konzeptes. In proportionaler Vergrößerung zum Original und in Reihung angelegt repräsentieren die so inszenierten Abbilder geläufige Schemata sozialer Korrektheit und Disziplin. Häufig wird das visuelle Material mit faktischen Realien kombiniert, wobei stets ein entsprechend kolorierter Hintergrund das Ensemble vervollständigt. Die als Ready-made eingesetzten Objekte, akribisch gefaltete Herrentaschentücher in Plastikschachteln, farblich abgestimmte Gruppierungen von Buntstiften, penibel gestapelte Sockenberge, erwachsen in ihrer schlichten Nachstellung zu »Porträts« uniformer Musterung.

In den künstlerischen Raum getragen offeriert sich die Welt der Dinge und ihre Handhabung doppeldeutig. Ernst und komisch zugleich gerät Banales und Unspektakuläres zur Metapher seiner selbst wie zum ironischen Kommentar unserer damit einhergehenden Umgangsweisen. Analog und nur konsequent schließt sich ein weiterer Fundus von Prototypen an. Gesammelte Zitate und Aphorismen, also sprachliche Textur, werden in dieser Arbeit eingesetzt und ebenfalls weitergestaltet. Überdimensional gedehnt, mit entsprechend farbigem Hintergrund als wandgreifende Inschrift montiert, veranschaulichen generalisierte und deshalb inflationäre Sinnsprüche ihre entleerten Worthülsen als verbliebenes Ikon.

Nähert sich der Betrachter in allen Arbeiten dem Gezeigten in Augenhöhe, so provoziert »Malibu 360« eine ganz andere Position. Auf gleichnamiger PVC-Rollenware, in kleine Quadrate unterteilt und eine gesamte Bodenfläche bedeckend, sind in regelmäßigen Abständen rhetorisch verbürgte Lebenshilfen aufgedruckt. Bückend und gehend erschließt sich der Betrachter die Installation, neigt sich zu der im Status des Kunstwerkes vorgegebenen Trivialität.
Die Perfektion gesellschaftlicher Raster und deren Kontrollierbarkeit legt Marion Garz in ihren künstlerischen Interpretationen offen, deren unmittelbar vorgeführte Präsenz überzeugend eigene und damit unser aller Sozialisationskonditionierung zum Ausdruck bringt.

Doris Krininger

Veröffentlicht am:   18. 04. 2010