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candela2

DVD-Installation

Träger des Kasseler Kunstpreises 2000

Mit Oliver Schulte und Maik Timm, die seit 1994 gemeinsam unter dem Namen candela2 arbeiten, wurden zwei junge Künstler ausgezeichnet, die mit erstaunlicher Konsequenz die neuen Medien nutzen, sie reflektieren und durch spielerischen Umgang zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten führen. Über die Fotografie haben sie sich das Internet, Video und DVD und andere multimediale Gestaltungsformen erschlossen. Nachdem sie bis 1996 vornehmlich im Umkreis ihrer norddeutschen Heimat an Ausstellungen beteiligt waren, zeigten sie ab 1997 ihre Arbeiten (außerhalb von großen Festivals) in Kassel im Stellwerk, im Trafohaus, im Dock 4 und in der Kunsthalle Fridericianum.

Die Video-Präsentation im Fridericianum unter dem Titel »Magdalen with the smoking flame« war für mich eine der besten Video-Arbeiten überhaupt, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. In ihrer Klarheit und Schlichtheit lädt sie zur Kontemplation ein. Man glaubt, vor ein klassisches Gemälde zu treten. Und indem man sich fragt, was diese altertümliche Komposition als Malerei oder Fotografie soll, registriert man, dass die Flamme der brennenden Kerze nicht eingefroren ist, sondern flackert. Damit ist candela2 nicht nur ein Überraschungscoup gelungen, sondern die beiden haben mit ihrer Arbeit gezeigt, wie nah die Video-Technik an die klassische Bildkunst herangeführt werden kann und wo die Grenzlinie verläuft.

In anderen Film- und Video-Projekten haben Oliver Schulte und Maik Timm Formen entwickelt, die den Betrachtern die Steuerungsmöglichkeiten überlassen. In »Nowhere Stories« beispielsweise setzten sie Standbilder aus Filmen ein, die manipuliert werden konnten. Nach einem ähnlichen Prinzip gingen sie bei dem Projekt »Schattenmacher« vor.

In vielen Arbeiten stellen Schulte und Timm die Frage nach dem Bild – wie konstituiert es sich, wo löst es sich in der Bewegung auf? Das gilt auch für das Projekt, das erstmals bei der Kunstpreis-Verleihung vorgestellt wird: »meet me at infinity«. Diese Video-Arbeit handelt von der klassischen Grundfrage der Lichtbildkunst – von positiv und negativ, von schwarz und weiß. Figuren bewegen und vervielfältigen sich. Sie verdichten sich bis zur konturlosen, flächendeckenden Masse, um dann durch den Umkehreffekt erlöst zu werden. Eine meisterliche Demonstration.

Dirk Schwarze

Biografie
Oliver Schulte, 1971 in Cuxhaven geboren
Maik Timm, 1972 in Oldenburg i.H. geboren

1994 Gründung von »candela2« in Cuxhaven, Beginn des Studiums an der Kunsthochschule der Universität Kassel
1997 Axis-Mundi-Internet-Preis der deutschen Kunsthochschulen
2000 Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung; Robert-Völker-Preis der Stadt Kassel


Gruppenausstellungen
1995 »Zeitgenössische Deutsche Modefotografie« Frauenmuseum Bonn
1997 European Media Art Festival Osnabrück (EMAF)
        »monitoring« , Dokumentarfilm- und Videofest Kassel
1998 European Media Art Festival Osnabrück (EMAF)
2000 »My world is not enough«, Kunsthalle Fridericianum, Kassel
         »Das erste Mal«, Marburger Kunstverein
2001 »Screenings 5«, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt

Einzelausstellungen
1994 »Die Ästhetik der Vergänglichkeit« Fotografien, Tikuma Cuxhaven
1995 »Hang-Up's« Fotografien auf Leinwand, NWZ-Galerie Oldenburg
1997 »Symbionics« Computerinstallation, Galerie Stellwerk, Kassel
         »Value« Installation, Trafohaus, Kassel
1999 »Pictures of Chessmen« Videopräsentation, Hoftheater der Eremitage St. Petersburg
         Präsentation der »candela2-Netzarbeiten« Kasseler Museumsnacht, Kassel
2000 Präsentation der »candela2-Videoarbeiten« Kasseler Museumsnacht, Kassel
Veröffentlicht am:   18. 04. 2010