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Jutta Schlier Jutta Schlier

Die Person des Monats

Jutta Schlier, nordhessische Künstlerin, zeigt während des Sommersemesters ausgewählte Arbeiten im Konzertsaal der Musikakademie.


Liebe Frau Schlier, Ihre Ausstellung im Konzertsaal der Musikakademie trägt den Titel „FarbTon“. Bitte beschreiben Sie doch einmal, welche Bedeutung Farben und Klänge in Ihrer Kunst haben.

Ich liebe Farben. Sie machen mein Leben bunt. Es bereitet Freude, in Farben zu schwelgen und sich mit ihnen ausdrücken zu dürfen. Manches wird in Farbe oder in Töne gesetzt, was in Worte nur mühsam erklärt oder gar nicht in Worte gefasst werden kann. Farben und Töne können Weite schenken, sie beflügeln, bewegen und erregen. Es gibt Tage, an denen mich Klänge beim Malen begleiten, an anderen wiederum brauche ich die Stille.

Ihr Werdegang führt Sie nicht geradewegs zur Kunst. Während der Vorgespräche zu Ihrer Ausstellung erwähnten Sie einmal, dass es sich nicht um Umwege, sondern vielmehr um Schleifen eines Lebenswegs handelte, deren Ausgangs- und Zielpunkt immer wieder die künstlerische Praxis und deren Auswirkung eine Vertiefung des Ausdrucks waren. Verraten Sie uns mehr darüber?

Rückblickend war alles notwendig für einen Entwicklungsprozess oder nennen Sie es Weg, der mich zu mir selbst führte. Es ist die Gelassenheit und die Ruhe, die mir immer mehr geschenkt wird. Aus dieser darf ich malen, die Farben fließen und mich überraschen lassen.


FarbTon – der Titel erinnert an Kandinsky und seine synästhetische Theorie der Analogien von Klang und Farbe. In welcher Beziehung stehen Musik und Malerei, Farben und Klänge für Sie?

Mit kraftvollen dynamischen Linien, Farben und Formen möchte ich die Kraft, die Gefühle, Gedanken, Assoziationen, Eindrücke, Freuden, Erinnerungen ausdrücken. Man komponiert, sei es mit Farben oder mit Klängen, die aus dem Inneren aufsteigen. Farben und Töne bewegen, erzeugen Stimmungen und lassen den Menschen aus seinem Alltag auftauchen. Farben und Klänge können sich unterstützen und so ein Gesamtbild beim Betrachter/Zuhörer schaffen. Musik/Töne und Bilder/Farben können gegenseitig inspirieren. Die Zeilen von Joseph von Eichendorff sind sehr treffend:
"Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort."
Dann können auch Bilder zu Musik und Musik zum Gemälde werden.


Der Musikakademie sind Sie als Mitglied von Fmaks verbunden und besuchen unsere Veranstaltungen häufiger. Worin sehen Sie Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in der künstlerischen Praxis von Musiker/-innen und bildenden Künstler/-innen?

Ich kann und möchte da nur von meiner Erfahrung sprechen. Gemeinsamkeiten sind das kreative Schöpfen und das Ausdrücken in Tönen. Musik und Bild laden ein zum Dialog, zur Betrachtung und stimmen ein. Musikstücke wollen gespielt und gehört werden, der Zuschauer/Zuhörer ist mit im Geschehen, er erfährt und erlebt Töne, kraftvoll und zaghaft, laut und leise, wie Klänge für sich einzeln und zusammen zu einem Stück zusammenfließen.


Haben Sie einen Wunsch an die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltungen der Musikakademie, die ja auch zu Betrachterinnen und Betrachter Ihrer Kunst werden?

Mit meinen Bildern möchte ich zum Verweilen einladen.
Vieles lässt sich entdecken, was sich erst auf den zweiten Blick erschließen lässt und es kann auch manchen bewegen über eine geistige Botschaft nachzudenken.
Kunst wird zur Sprache des Herzens und Bote des inneren Erlebens. Fantasie und außersprachliche Erfahrungen werden angeregt, die nicht bewerten, sondern empfinden wollen.
Wichtig ist mir die Betrachter-Bild-Beziehung. Wer sich auf ein Bild einlässt, erkennt mehr – oder -  allein die Komposition der Farben gefällt. Beides hat seinen Reiz.
 

Vielen Dank für das Gespräch - wir drücken Ihnen die Daumen und freuen uns auf die Reaktionen der Studierenden, der Dozentinnen und Dozenten sowie unseres Publikums auf Ihre Ausstellung!

Veröffentlicht am:   06. 07. 2018  


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