Wir empfehlen: Lese-Tipps für den Winter

Unsere Tipps für die Wintermonate! Viel Spaß beim Schmökern!

Winterzeit ist Lesezeit: unsere eiskalten Empfehlungen

Die Tage werden kürzer, die warmen Pullis liegen bereit, die Sommersachen sind längst eingemottet und das Wetter zeigt sich nicht gerade von seiner besten Seite: was gibt es da Schöneres, als sich daheim entspannt mit guter Lektüre einzukuscheln? Wir sind für Sie auf die Suche nach lesenswerten Winterschätzen gegangen, die genau richtig sind für einen gemütlichen Leseabend…

Viel Vergnügen wünscht Ihnen das Team der Stadtbibliothek!

Anna Nerkagi: Weiße Rentierflechte

Aljoschka soll heiraten - doch es ist keine Liebesheirat, die ihm bevorsteht. Die künftige Braut hat seine Mutter für ihn erwählt, denn er soll in die Fußstapfen seiner nenzischen Vorfahren treten, die als Nomaden seit Generationen Rentiere im Norden Russlands züchten. Aljoschka steht zwischen den Welten und gerät in eine Zwickmühle: auf der einen Seite das tradierte Familienleben der Vergangenheit, auf der anderen Seite die Errungenschaften der Moderne und die Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens. Ein Roman darüber, wie es ist, sich im Spannungsfeld zwischen Traditionsbewahrung und dem Wert der Entscheidung des Individuums unter Einfluss moderner Lebensentwürfe zu befinden. Dieses Buch ist nicht nur aufgrund seiner schönen Sprachbilder etwas ganz Besonderes: im Original bereits 1996 auf Russisch erschienen, handelt es sich um den ersten Roman, der im deutschsprachigen Raum von einer nenzischen Autorin veröffentlicht wird.


Jon McGregor: Stürzen Liegen Stehen

Dass die Antarktis ein unerbittliches Gebiet ist, das keinen Fehler verzeiht, ist dem erfahrenen Stationsleiter Robert wohlbekannt, doch kommt es auf einem Ausflug mit seinen Freunden Luke und Thomas zu einem rätselhaften Zwischenfall, bei dem sich die Gruppe verliert und Robert schließlich allein an der Basisstation ankommt. Doch er setzt nicht wie vereinbart einen Notruf ab. Seine Frau Anna setzt alles daran, Robert aus der misslichen Lage herauszuholen und nach Hause zu bringen. Doch er hat sich seit dem Ereignis in der unwirtlichen Weite des Südpolargebiets stark verändert, er kann sich nicht mehr verständlich machen und benötigt ständig Hilfe im Alltag. Dies stellt die Ehe von Anna und Robert auf eine harte Probe, da die sehr unabhängige Anna nun neben dem Management von Karriere und Familie, das sie ohnehin schon wegen der häufigen Abwesenheit Roberts allein gemanagt hat, nun auch noch die Pflege ihres verstummten Mannes bewältigen muss. Ein äußerst interessanter Roman, der zeigt, zu was Menschen fähig sind, wenn aus heiterem Himmel eintretende Probleme auftauchen, die das alltägliche Leben zum Einsturz bringen.


Odd Harald Hauge: Gejagt im Eis

Aus seinen eigenen Erfahrungen als Tourguide auf dem Archipel Spitzbergen gespeist, präsentiert der Autor einen Thriller, der durch seinen politisch motivierten Plot sowie seinen ungewöhnlichen Handlungsort besticht, denn nicht viele Romane haben die faszinierende, wenn auch unwirtlich erscheinende Inselwelt Spitzbergens bisher als Setting gewürdigt. Dem Protagonisten der Geschichte, Martin Moltzau, ein ansonsten unerschrockener Touristenführer, kommt bei der amerikanischen Familie, die bei ihm eine Schneemobiltour zu einer einsamen Siedlung gebucht hat, etwas seltsam vor. Was hat es mit den geheimnisvollen Reisenden auf sich? Trotz der gefahrvollen Strecke beharren die Touristen auf ihrem Wunschziel; zu allem Unglück gehen Gäste in den Unbilden des eisigen Wetters verloren. Das Auftauchen einer bewaffneten russischen Truppe, die sich der Gruppe an die Fersen heftet, sorgt vollends für Turbulenzen. Moltzau gerät unversehens zwischen die Fronten eines skrupellosen Interessenkampfes um die Ressourcen der Insel, der sich zwischen Russland, USA und Norwegen abspielt, und ist gezwungen, in einem wilden Showdown einen Ausweg aus der brenzligen Situation zu suchen. Ein rasanter Thriller, der sich gleichsam wie ein Schneefall, der zunächst geruhsam mit einigen Flocken beginnt, zu einem infernalischen Schneesturm auswächst. Für Fans von mitreißender Action à la James Bond.


Theresa Hannig: Pantopia

In der Weltrepublik Pantopia leben Menschen wie du und ich, und wo Menschen gemeinsam leben, entstehen im alltäglichen Miteinander Probleme, die gelöst werden müssen. Sei es die Frage nach sozialer Gerechtigkeit, Nahrungsmittelpreisen, Klimaschutzmaßnahmen oder einem fairem Aktienhandel, der allen dient. Wie wäre es, wenn die Geschicke der Welt von einer KI gesteuert würden, die sich ihrer selbst bewusst ist, die sich bei ihren Entscheidungen anstatt von einer Gefühlswelt von reiner Logik und Algorithmen leiten lässt und bei der das Handeln zum Wohle der Allgemeinheit im Vordergrund steht? Eine solche KI mit dem Namen Einbug wacht über Pantopia, seit sie von ihren Erschaffern Patricia und Henry, die sie ursprünglich als innovative Trading-Software entwickelten, durch einen Programmierfehler zu einer selbstständigen, lernfähigen Persönlichkeit mit Rang und Namen aufsteigt. Gerade die Beschreibung der Persönlichkeitsentwicklung und der Lernprozesse, die Einbug durchläuft, sind faszinierend beschrieben. Diese Geschichte einer fantasievollen Utopie, die die Hoffnung auf eine gerechtere Weltordnung beleuchtet, ist auch für all jene interessant, die sonst wenig Gefallen an Science-Fiction finden.


Lars Mytting: Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund

Wie viel Macht wohnt alten Mythen inne, die von Generation an Generation weitergegeben werden und welchen Einfluss üben sie aus? Welche Konsequenzen entstehen können, wenn sie absichtsvoll ignoriert werden und Missachtung erfahren, spürt Lars Mytting in dem zweiten Band seiner Schwesterglocken-Reihe nach, in dem er die Geschichte um die verloren gegangene Stabkirche und ihrer zwei sagenumwobenen Glocken weiterführt.
Pastor Schweigaard übernimmt im Jahr 1880 eine kleine Gemeinde in Norwegen. Die alte Stabkirche des Ortes hat nach seiner Meinung ausgedient und soll einem moderneren Bau weichen – und mit ihr auch zwei ganz besondere Glocken, um die sich die Legende rankt, dass sie ohne menschliches Zutun zu läuten beginnen, sofern ein Unglück naht. Gerhard Schönauer, Student der Architektur aus Dresden, soll als Abgesandter der dortigen Kunstakademie den Abbau überwachen und den in Einzelteile zerlegten Sakralbau nach Deutschland überführen. Dorfbewohnerin Astrid begehrt gegen den drohenden Verlust der Kirche auf, weiß sie doch um die Wirkung der Glocken, die nach einer alten Prophezeiung niemals voneinander getrennt werden dürfen. Durch ihre Liebe zu Gerhard gerät sie jedoch in einen schwerwiegenden Konflikt. Egal wie sie sich entscheidet- es wird verheerende Folgen haben.
Viele Jahre später trifft Jehan, der Sohn Astrids, die den Abbruch der Kirche und mit ihr auch den Verlust der Glocken zu verhindern suchte, 1903 bei der Jagd in der norwegischen Wildnis einen seltsamen Fremden, der ihm ein Geheimnis anvertraut, das sein gewohntes Leben auf den Kopf stellen wird…


Wolf Harlander: Schmelzpunkt

Es ist viel zu warm in Grönland: Eis schmilzt und schmilzt - und mit der Schmelze sterben die Tiere. Inuk Nanoq kennt die Gletscher von Kindsbeinen an, doch ein derartig verstörendes Ereignis war ihm bis dato unbekannt. Unversehens geraten er und die deutsche Forscherin Hanna, die hinter dem rätselhaften Fischsterben eine menschengemachte Ursache ermittelt, in ein gefährliches und gleichermaßen rücksichtsloses Spiel um die Rohstoffe der Arktis, bei der internationale Mächte entfesselt werden. Ein temporeicher Umweltthriller, der aufrüttelt, da er Angesichts der Auswirkungen des rasant fortschreitenden Klimawandels eine nicht unwahrscheinliche Zukunftsvision heraufbeschwört und der zudem Wissenswertes über die Geschichte der Inuit Grönlands vermittelt.


Jackie Polzin: Brüten

Ihre Hühner bringen die Protagonistin zum Nachdenken – zum einen über sich selbst, zum anderen über ihre Sicht aufs Leben. Wie ihre liebenswerte Hühnerschar, bestehend aus den Hennen Gloria, Gam Gam, Darkness und Miss Hennepin County, sie Stück für Stück aus der mentalen Reserve lockt und nach dem schmerzlichen Verlust ihres Kindes zurück in den Trubel des Lebens holt, ist einfühlsam beschrieben. Eine melancholische Grundstimmung durchzieht diese anspruchsvolle Geschichte, die in leisen Tönen erzählt wird und fast schon an eine philosophische Betrachtung zur Hühnerhaltung erinnert, denn die Hühner fungieren als eine Art Schutzschild vor der Welt, vor der sich die Romanheldin seit dem Tod ihres Kindes in seelischer Pein zurückgezogen hat. Ein Roman darüber, wie eine gute Beobachtungsgabe das Wesen der Dinge ergründen und zu einem tieferen Selbstverständnis führen kann.


Ingebjørg Berg Holm : Wütende Bärin

Sol, Nina, Njål bilden eine vertrackte Dreiecksbeziehung, wie das Leben sie nun mal schreibt: als Sols und Njåls gemeinsamer Kinderwunsch scheitert, verlässt  Njål Pastorin Sol für Nina, die wie er Klimaforscherin ist, und bekommt mit ihr Tochter Lotta. Doch die Beziehung zu Nina bleibt eher pragmatischer Art, während die von Sol und Njål von leidenschaftlicher Natur ist und stets wieder aufflammt, sodass sich Njål schließlich von Nina trennt und sich wieder Sol annähert. Nun kommt es zum Sorgerechtsstreit um Lotta, und auch beruflich treten Njål und Nina in Konkurrenz, als ein Forschungsprojekt auf Spitzbergen ausgeschrieben wird, das für beide von Relevanz ist. Schließlich reisen Njål, Nina und Lotta gemeinsam nach Spitzbergen. Die Idee: ein gemeinsamer Aufenthalt in einer Hütte weitab jeglicher Zivilisation auf Spitzbergen, wo Eisbären die nächsten Nachbarn sind. Doch über allem liegt der Schatten dessen, was mit Lotta geschehen ist, und was als Mysterium der Unaussprechlichkeit zwischen den Figuren steht.  Raffiniert legt die Autorin verschiedene Sichtweisen offen und lässt die Figuren gegenseitig ihre Psyche auf offenbarende Art sezieren. Ein Mikrokosmos von Gefühlen dreier Erwachsener, in dessen Mitte das Kind Lotta bedeutungsvoll und gleichermaßen unnahbar wie eine Sonne leuchtet. Eine anspruchsvolle, ganz und gar besondere Geschichte über menschliche Abgründe und ein verworrenes Seelenleben von hoher Komplexität vor der arktischen Kulisse Spitzbergens, dessen Kälte durch die Beschreibungen der Autorin und nicht zuletzt auch durch die gekonnte Dreiteilung der Ich-Stimmen spürbar wird.


Arttu Tuominen: Was wir verschweigen

Wenn der ehemals beste Freund zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall wird, sind Irrungen und Wirrungen vorprogrammiert. So ergeht es dem finnischen Kriminaloberkommissar Jari Paloviita, als sich ein Mord an einem Mann in einem Holzhaus ereignet und sein Jugendfreund Antti dadurch als Täter ins Visier der Ermittlungen gerät. Aber ist dies Antti wirklich zuzutrauen? Jari ist ebenso verwirrt wie betroffen gleichermaßen, da er viele Kindheitserinnerungen mit Antti teilt, doch die Indizien sprechen für sich… Ein Krimi, der durch die vielen Rückblenden die gemeinsamen Erlebnisse aus der Jugend der Protagonisten lebhaft wiederaufleben lässt, eine Brücke schlägt zwischen den Ereignissen der Vergangenheit und ihren Auswirkungen auf die Gegenwart und letzten Endes die Frage aufwirft, wie weit wir für eine Freundschaft zu gehen bereit sind.


Malene Sølvsten : Ansuz

Die 17-Jährige Anne zieht zurück in den Ort ihrer Geburt. Sie ist eher zurückhaltend und einzelgängerisch, doch findet sie in ihrer neuen Klasse mit Luna und Mathis zwei interessante Freunde. Die Idylle der kleinen Gemeinde in Nordjütland trügt jedoch, als Anne immer wieder die Vision eines rothaarigen Mädchens hat, das ermordet und mit der Rune Ansuz, der vierten Rune des älteren Futharks, gekennzeichnet wird. Dies erscheint ihr schon seltsam genug, aber als in ihrem Umfeld tatsächlich fünf rothaarige Mädchen, ebenfalls versehen mit der Ansuz-Rune, auf diese Weise umkommen, wird ihr mulmig zumute. Auf einmal ist nichts mehr so, wie es scheint, und auch Luna und Mathis verbergen ein Geheimnis. Anne begreift, dass sie Teil von etwas Größerem ist, und stößt beim Versuch, die Morde aufzuklären, unversehens das Tor zur mystischen Welt der altnordischen Götter und Wesen auf, die fortan einen wichtigen Teil in ihrem Leben einnehmen. Dieser Schmöker bietet eine exquisite Mischung aus fantastischer Literatur und Kriminalgeschichte und verwebt gekonnt Elemente der altnordischen Mythologie zu einem fesselnden Fantasy-Epos.


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