Wir empfehlen: Lese-Tipps für den Sommer

Unsere Tipps für die Sommermonate! Viel Spaß beim Schmökern!

Endlich Sommer, endlich Urlaub, endlich Zeit zum Lesen! Nur was? Diese Frage stellen sich viele.
Aus der Vielzahl an  Neuerwerbungen 2022 (Öffnet in einem neuen Tab) haben wir eine Auswahl an Romanen für Balkon, Berg und Badesee zusammengestellt, von denen wir überzeugt sind, dass sich das Lesen lohnt.

Viel Vergnügen wünscht Ihnen das Team der Stadtbibliothek!

Graham Norton: Heimweh

Scham und Sehnsucht können Generationen durchströmen, aber die Geheimnisse des Herzens werden nicht für immer begraben sein. Es ist 1987 und eine kleine irische Gemeinde bereitet sich auf eine Hochzeit vor. Am Tag vor der Zeremonie fährt eine Gruppe junger Freunde, darunter Braut und Bräutigam, zum Strand.  Ein Unfall passiert. Drei überleben, aber drei sterben...Connor, der Unfallfahrer, muss mit seiner Schuld leben und verlässt seine Heimat und seine Familie. Er findet ein neues Zuhause in New York City, das Vertriebenen wie Connor eine Möglichkeit bietet. 25 Jahre später kehrt Connor zurück.

Das Schönste an diesen Roman ist Graham Nortons kraftvolles, bewegendes und schwarzhumoriges Schreiben über Auswanderung und Rückkehr. Er scheint wirklich in die Seele und das Herz seiner Charaktere einzudringen und ihre innere Seele zu verstehen. Dieses Buch demonstriert sein ausgeprägtes Verständnis für die Macht von Stigmatisierung und Geheimhaltung – mit verheerenden Folgen.


Madeline Miller: Ich bin Circe

Wunderbare Dinge passieren, wenn eine Frau einfach in Ruhe gelassen wird.
Madeline Miller hat die Erinnerung und das Verständnis einer Frau aus der griechischen Mythologie für uns, die Leser, wirklich völlig verändert. Sie schrieb eine schöne, aufregende, spannende und komplexe Geschichte über die schöne Verwandlung einer Frau, die mehr wollte, als ihr als Frau erlaubt und vorgeschrieben war. Als sie einen großen Lebensfehler gemacht hat, wurde sie von ihrer Familie und ihrer Welt verbannt. Anstatt in den Ruin zu stürzen, brachte dieser Fehler sie in eine neue Welt, wo sie beginnen konnte, sich in Einsamkeit wiederaufzubauen.

Circe tat genau das – schmerzhaft langsam, aber beharrlich und geduldig, sammelte sie Wissen und Fähigkeiten und baute mit ihnen eine Macht auf, die unmöglich zu erben ist – die nur erworben werden kann – und die ihr niemand nehmen kann. Indem sie fleißig arbeitete und aus ihren eigenen Fehlern lernte, wurde sie von einem zurückgewiesenen, verängstigten Mädchen zu einer Frau, bei der die Helden Rat, die Könige Hilfe suchten. Weil es die Geschichte einer Frau zu den Frauen bringt und einer Frau eine Stimme gibt, die wir nur als Nebenfigur eines Abenteuers von jemand anderem kannten, empfehlen wir dieses Buch aufrichtig und leidenschaftlich.


Ta-Nehisi Coates: Der Wassertänzer

"Der Wassertanzer" folgt dem gemischtrassigen Sklaven Hiram Walker auf seiner Reise zur Freiheit. Sein Vater ist ein weißer Plantagenbesitzer, der seine Mutter versklavte. Hiram lebt Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Plantage seines Vaters namens Lockless in Virginia.
Hiram hat eine besondere Erinnerungsgabe – er kann sich an jedes kleinste Detail der letzten Jahre erinnern, doch er kämpft mit Erinnerungen an seine Mutter Rose, als Hirams Vater sie von der Plantage verkaufte, als Hiram noch ein Kind war. "Der Wassertanzer" ist sowohl eine Liebesgeschichte als auch eine Geschichte der Underground Railroad, dem Schleusernetzwerk, das Sklaven der Südstaaten half zu entkommen, mit dessen Hilfe Hiram versucht, in die Freiheit zu entkommen. Seine Verbundenheit mit seiner Partnerin Sophia und seiner Mutterfigur Thena treibt Hiram durch den gesamten Roman. Schließlich hilft ihm eine Frau mit dem Spitznamen Moses und sie sagt Hiram folgenden Satz, der die Essenz dieses Romans einfängt: „Vergessen bedeutet, wirklich zu versklaven. Vergessen heißt sterben … denn die Erinnerung ist der Streitwagen, die Erinnerung ist der Weg und die Erinnerung ist eine Brücke vom Fluch der Sklaverei zum Segen der Freiheit.“


Ambrose Parry: Die Tinktur des Todes (Die Morde von Edinburgh 1)

Sherlock Holmes trifft Jack the Ripper – die historische Krimi-Reihe aus Schottland.
Edinburgh 1847: Ein Frauenmörder geht in der Stadt um, allerdings fällt dies zunächst niemandem auf. Einzig der junge Will Raven versucht der Sache auf die Spur zu kommen, nachdem er selbst eins der Opfer gefunden hat. Raven ist Mediziner und hat gerade eine Ausbildungsstelle bei dem bekannten Frauenheilkundler Dr. Simpson angetreten. Hier lernt er das Hausmädchen Sarah kennen, die schlauer und gewitzter ist als es eine Frau zu dieser Zeit sein sollte. Gemeinsam machen sie sich schließlich auf die Suche nach dem Mörder. Wer bereit ist, der Geschichte ein wenig Zeit zu geben und sich auf den Erzählstil einlassen kann, der wird mit einem wirklich guten Buch belohnt. Noch spannender wird die Charakterentwicklung sowie die geniale Geschichte im zweiten Band, der letztes Jahr erschienen ist und den Titel „Das Gift der Lügen“ trägt.


Benedict Wells: Fast genial

Die unglaubliche Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist. Gemeinsam mit seinen Freunden macht er sich in einem alten Chevy auf die Suche nach ihm. Eine Reise quer durch die USA - das Abenteuer seines Lebens. Benedict Wells gelingt es in diesem Buch Gefühle auszudrücken und Charaktere zum Leben zu erwecken. Die Handlung spielt größtenteils in Las Vegas, was besonders passend ist. Glücksspiel ist eine Metapher für den Zufall, der in dem Buch eine so wichtige Rolle spielt. Die Zukunft von Francis steht auf dem Spiel – sein Leben kann so oder so verlaufen, wie beim Roulette.

Es ist wirklich eine Kunst, Figuren mit so vielen Fehlern zu schaffen, die man als Leser aber dennoch so gerne hat und ihnen nur alles Glück der Welt wünscht.


Sabine Thiesler: Im Versteck

Paul Böger aus Hamburg, gut situiert, Fotograf, kauft sich ein einsam gelegenes, heruntergekommenes Haus in der Toskana. Er kündigt seinen Job in Hamburg, verlässt Freunde und Kollegen und zieht in sein neues Haus. Zu ihm, einem Luxus gewöhnten Großstädter, passt dieses Haus, fernab der Zivilisation, gar nicht. Doch Paul Böger ist auf der Flucht, besonders vor den Dämonen in seinem Inneren. Und dann verschwindet ein kleines Mädchen in der Toskana.  Auch Donato Neri, der altbekannte Kommissar aus Thieslers Romanen ist wieder mit von der Partie.  Der neue Thriller von Sabine Thiesler ist hochspannend und fesselnd geschrieben. Ich las alle ihre Krimis und freue mich immer, wenn ein neues Buch von ihr erscheint. Ihre Krimis spielen in Deutschland und der Toskana.

Für Thriller- und Krimifans ist der Roman die perfekte Urlaubslektüre.


Barbara Leciejewski: Für immer und noch ein bisschen länger

Anna hat vor 6 Jahren ihre große Liebe Jeremias bei einem Verkehrsunfall verloren. Seitdem igelt sich die Pianistin in ihrer Wohnung ein und "spricht" mit Jeremias. Als die Kündigung für ihre Wohnung kommt, weiß Anna nicht was sie machen soll. Wie soll sie so schnell eine neue Wohnung in München finden? Als letzter Ausweg bleibt der Einzug in eine WG, deren Mitbewohner genauso gewöhnungsbedürftig von ihren Eigenarten sind wie Anna. Doch der Einzug von Anna in diese WG wird ein Gewinn für alle. Wunderschön geschrieben und einfach herzerwärmend wird die Geschichte von Anna und ihren WG Mitbewohnern erzählt, die alle ihre kleinen "Macken" haben, die ihnen das Leben zugefügt hat. Doch mit ganz viel Liebe, Verständnis und GHesprächen, findet jeder wieder in die Spur und Anna kann mit ihrer Vergangenheit abschließen und sich auf die Liebe freuen.

Ein sehr flüssiger und spannender Schreibstil macht dieses Buch zu einem Sommer-Leseerlebnis.


Brigitte Glaser: Kaiserstuhl

Alles dreht sich erst allgemein um Champagner und dann um eine ganz bestimmte Flasche des 37er Vossinger Champagner. Immer mehr lichtet sich das Geheimnis, was es mit der Flasche auf sich hat. Auch lichtet sich immer mehr, wie die Hintergrundgeschichte von Henny Köpfer, der Hauptfigur, zum Teil mit dem Champagner und vor allem mit dem Hause Vossinger verknüpft ist. Hier ist ein Roman, der das Leben an der deutsch-französischen Grenze nach dem Krieg schildert. Mit einer Flasche Champagner führt die Bestsellerautorin Brigitte Glaser den Leser in die Vergangenheit, in die Jahre des Zweiten Weltkriegs bis in die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland und in Frankreich. Sie beschreibt in einem lebendigen Schreibstil ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Die fiktiven Ereignisse des Buches sind gut in die historisch belegten Geschehnisse eingebettet. Die Geschichte ist sehr realistisch erzählt, die Personen glaubwürdig angelegt. Man fiebert mit ihnen und rätselt über die Bedeutung dieser Champagner-Flasche.   


Hervé Le Tellier: Die Anomalie

Diese Geschichte erzählt auf unterhaltsame und lehrreiche Weise von existenziellen Themen, die den menschlichen Verstand tatsächlich überschreiten. Der erfrischend kluge und unverschämte Autor Hervé Le Tellier schreibt authentisch, ohne sich an ein Genre zu halten, nicht erklären oder schlau sein zu wollen. Es gibt keine wissenschaftlichen Erklärungen, er will nur Spaß haben und gleichzeitig Fragen des Lebens stellen. Lesen Sie von Anfang an sorgfältig und merken Sie sich die Namen, denn das Team in diesem Buch ist zahlreich und wiederholt sich und das Tempo wächst von Seite zu Seite. Manchmal wird Ihnen die Geschichte kompliziert erscheinen, aber sie ist großartig inszeniert, wunderschön erzählt und absolut brillant. Sie werden es am Ende noch einmal lesen wollen, weil Sie das Gefühl haben werden, die vielen Details, die Ihnen schließlich bewusst werden, nicht genug gewürdigt zu haben.


Celeste Ng: Kleine Feuer überall

Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit? Haben Sie sich jemals gewünscht, Ihre Mutter wäre eine andere Frau, die Mutter Ihres Freundes oder Cousins?
Dieses Familiendrama ist eine Geschichte über zwei Familien. Völlig unterschiedliche Familien. Die erste, zahlreiche, Richardson-Familie ist eine wohlhabende traditionelle amerikanische Familie, die immer am selben Ort lebte, im idyllischen Vorort Cleveland in Shaker Heights, und vier Kinder hat. Herr Richardson ist Rechtsanwalt und Frau Richardson schreibt für eine Lokalzeitung und ist eine dieser Freundinnen, die immer weiß, was das Beste für Sie ist. Sie hat immer Lösungen, Ratschläge und Predigtbedarf.
Die andere ist die Familie Warren, kleiner und ungezwungener und hat nur zwei Mitglieder – eine Mutter, die 36-Jährige Mia, und ihre Tochter, die 15-Jährige Pearl. Herr Warren existiert nicht. Mia ist Kunstfotografin und kommt kaum über die Runden. Mia und Pearl mieteten eine Wohnung von der Familie Richardson in der nah gelegenen Winslow Street. So beginnen sich die Leben dieser Familien zu verflechten. Erst am Ende haben wir den Eindruck, dass sie dazu bestimmt waren, sich zu vereinen. Die Geschichte zwingt uns dazu, unsere eigene Einstellung zu den Eltern, beziehungsweise zu unseren Kindern, zu überdenken. Spannend, interessant, dramatisch und tief. 


Katalog und Lesekonto
Onleihe Verbund Hessen