Kassels Treibhausgasbilanz

Die Stadt Kassel hat eine Treibhausgasbilanz für das Jahr 2023 vorgelegt. Die in der Stadt verursachten Emissionen sind demnach im Vergleich zu 2019 um 15 Prozent gesunken. Sie betragen 1,1 Millionen Tonnen CO2.

Rechnerisch ergibt sich daraus ein Pro-Kopf Ausstoß von 5,5 Tonnen CO2 pro Jahr. Das liegt unterhalb des Bundesschnitts von rund 8,1 t CO2 pro Kopf. „Die Entwicklung ist erfreulich und deutet darauf hin, dass unsere lokalen Anstrengungen wirken“, so Stadtklimarätin Simone Fedderke. „Wir haben jedoch noch ein großes Stück Wegstrecke vor uns. 1,1 Millionen Tonnen CO2 sind 1,1 Millionen Tonnen zu viel auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Rückgänge zeigen, dass sich im Energiesektor, auch dank der Bemühungen der KVV-Gruppe, einiges getan hat. Im Verkehrsbereich stagnieren die Emissionen jedoch ähnlich wie auf Bundesebene.“

Die Bilanz zeigt auf, dass die meisten Emissionen (68,5 Prozent) aus dem Bereich stationärer Energie stammen, also vor allem aus der Verbrennung von Erdgas, Braunkohle, Heizöl zur Wärme- bzw. Stromgewinnung. Von diesen Emissionen werden rund 59 Prozent von Privathaushalten verursacht, 21 Prozent von der Industrie und 20 Prozent im Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD). 

Der Verkehrssektor schlägt mit 31,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Kassel zu Buche. Im Zentrum steht hier die Verbrennung von Diesel und Benzin. Zwei Drittel der Verkehrsemissionen sind auf PKWs zurückzuführen, gefolgt von leichten Nutzfahrzeugen und LKWs. Emissionen aus der biologischen Abfall- sowie aus der Abwasserbehandlung stellen weitere 1,4 Prozent der Kasseler Emissionen dar.

Der Sektor der Land- und Forstwirtschaft reduziert die Kasseler Emissionen netto um 1,4 Prozent. Während gewisse Emissionen durch die geringen Viehbestände ausgestoßen werden, binden insbesondere die Baum- und Waldbestände Kassels CO2.

Sonstige nicht-energiebedingte Emissionen aus industriellen Prozessen wurden ebenfalls untersucht, konnten mangels Daten jedoch nicht berechnet werden. Die Emissionen werden aber als in Summe vernachlässigbar angesehen, da nur zwei Unternehmen fragliche Emissionen ausstoßen könnten.

Der Rückgang im Vergleich zu 2019 ist fast vollständig auf den Energiesektor (-196.000 Tonnen) zurückzuführen, während die Verkehrsemissionen quasi stabil blieben (-4.000 Tonnen). Die Rückgänge erklären sich insbesondere durch geringere Verbrauchswerte im Erdgas- und Fernwärmeverbrauch. Auch der lokale Emissionsfaktor für Strom sank aufgrund steigender Erneuerbaren-Energien-Anteile.

Schäden durch CO2-Ausstoß

Die im Kasseler Stadtgebiet ausgestoßenen Emissionen im Jahr 2023 verursachen laut Methodenkonvention des Umweltbundesamts Schadenskosten von 340 bis 990 Millionen Euro. „Auch wenn dieser Schaden nur zu einem Teil von Kassel selbst zu schultern ist, macht die Dimension deutlich, wie wichtig es auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist, Emissionen schnellstmöglich einzusparen“, ordnet Stadtklimarätin Fedderke ein.

Hintergrund

Die Treibhausgasbilanz wurde vom Klimaschutzspezialisten Ark Climate erstellt. Sie entstand im Rahmen des von der Stadt Kassel beauftragten Klimafahrplans, den Ark Climate gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik und der PTV Transport Consult erarbeitet.

Die Treibhausgasbilanz wurde erstmals nach dem Greenhouse Gas Protokoll Standard (GHG-Protokoll) erstellt. Das GHG-Protokoll ist der international gängige Standard für die Erstellung kommunaler Treibhausgasbilanzen. Der Klimaschutzrat hatte diesen Standard empfohlen und die Klimaschutzstrategie der Stadt Kassel definierte ihn als künftig zu verwendendem Standard. Das GHG-Protokoll sieht die Bilanzierung aller Treibhausgase vor, die durch die Aktivitäten innerhalb einer Stadt hervorgerufen werden („Territorialprinzip“).

Die Bilanz der Stadt Kassel wurde in den Vorjahren nach dem sogenannten BISKO-Standard erstellt. Im Vergleich zwischen den beiden Standards fallen die Emissionen nach GHG Protokoll um 190.000 Tonnen geringer aus (2019 BISKO: 1,508 Mio. Tonnen, 2019 GHG Protokoll: 1,322 Mio. Tonnen). Hintergrund ist zum einen eine Verbesserung der Datenqualität durch eine Verbrauchsdatenkorrektur im Wärmeverbrauch. Zum anderen können im BISKO-Standard nur deutschlandweite und keine ortsspezifischen Emissionsfaktoren verwendet werden. Diese fallen aufgrund der Klimaschutzbemühungen in Kassel jedoch besser aus als im Bundesschnitt. Bei einer weiteren Bilanzierung nach BISKO würde so beispielsweise der Kasseler Kohleausstieg oder die Zusammensetzung der Fahrzeugflotte in Kassel nicht ablesbar sein. Mit dem GHG Protokoll lässt sich die Realität und Wirkung von Maßnahmen besser abbilden.

Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Kassel 2019 - 2023.

Zum Weiterlesen

Die Treibhausgasbilanz der Stadt Kassel können Sie  unter diesem Link PDF-Datei 4,8 MB barrierefrei herunterladen.