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Kasseler Altstadtfest

Im Zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der historischen Kasseler Altstadt zerstört, und dennoch: Zwischen Königsplatz und Fulda finden sich noch zahlreiche Örtlichkeiten, die an die Historie der Stadt erinnern. In diesem Areal wird in ungeraden Jahren das Kasseler Altstadtfest gefeiert.

Typisch Kassel: 21. bis 23. Juni 2019

Ob Druselturm, Renthof, Markthalle, Entenanger, Brüderkirche, Schlossplatz, Rondell oder Martinskirche: An allen  Schauplätzen des Altstadtfestes wird ein Programm geboten, das in allen Aspekten Bezüge zur Stadt hat. Angefangen bei der Historie Kassels über die typische Kasseler Mundart und kulinarische Spezialitäten bis hin zu den Partnerstädten Kassels: Wer das „Kasseler Altstadtfest“  besucht, kann die Stadt Kassel in all ihren Facetten erleben – und dabei ein vielfältiges Kulturprogramm genießen, das kaum abwechslungsreicher sein könnte.

So werden beispielsweise „Lebendige Führungen“ angeboten, die zu einer Zeitreise durch die Geschichte der Kasseler Altstadt einladen und diese in szenischen Darstellungen erlebbar machen. Die Partnerstädte Kassels präsentieren sich mit Kulissen-Verkaufsständen in landestypischer Architektur und einem bunten Kulturprogramm.

Eine Zeitreise von Chassalla bis Kassel macht neugierig auf Gaukelei, Musik und historische Spiele. Es wird ein unterhaltsames Mundart-Programm in Musik und Sprache geboten, während Kasseler Gastronomen Spezialitäten von Ahler Worscht bis hin zum Weckewerk anbieten. Zusätzlich werden fantasievolle Dekorationen sowie eine abendliche Illuminierung vieler beteiligter Gebäude das ehemalige Altstadt-Quartier in eine festlich-stimmungsvolle Atmosphäre tauchen. 

Mit dem Altstadtfest richtet sich der Blick auf die Wiege der Stadt – es ist der Teil, der Kassel in besonderer Weise einzigartig macht und für Identifikation sorgt. Das Quartier wird bei der Stadtentwicklung künftig eine besondere Bedeutung haben.

Standorte und Programm in der Übersicht

Verkehrshinweise

Druselturm

Hintergrund

Mit der Begrifflichkeit der Altstadt hat es Kassel nicht leicht. Denn unter einer Altstadt versteht man allgemein einen Stadtkern, der seine ursprüngliche Bausubstanz und sein Erscheinungsbild über Jahrhunderte hindurch bewahren konnte. Auch rekonstruierte Bauensembles - wie der Dresdner Neumarkt - gelten als historische Stadtkerne.

Vergleichbare zusammenhängende Areale findet man in Kassel nicht. Dabei hatte es bis zum Zweiten Weltkrieg als eine der schönsten mittelalterlichen Fachwerkstädte Deutschlands gegolten. Schmale Gassen und kleine Plätze, gesäumt von den nach traditioneller Bauweise errichteten Häusern  prägten die Altstadt, die die beiden damals noch spitz zulaufenden, neogotischen Türme der Martinskirche weithin sichtbar überragten. Die Altstadt erstreckte sich östlich der heutigen Innenstadt-Achse aus Königsstraße samt Friedrichs- und Königsplatz (beide entstanden erst nach dem Schleifen der alten Stadtbefestigung nach 1760), über den Altmarkt, die Alte Brüderkirche und den Renthof bis zum Rondell und hinab zur Fulda mit der gegenüberliegenden Unterneustadt.

Das Ende dieses gewachsenen Stadtkerns kam am 22. Oktober 1943. Der schwerste Luftangriff auf Kassel zerstörte 97 Prozent der Häuser. Das überkommene Kasseler Lebensgefühl, das in der früheren engen Altstadt noch im Bild vom "Ahlen Nest" (Altes Nest) kulminiert war, ließ sich danach kaum noch nachempfinden. Andererseits hatte die Platznot schon lange vorher als rückständig gegolten. 


Eher ein Neuaufbau als ein Wiederaufbau

Vielleicht gab es auch deshalb in Kassel – im Gegensatz zu ähnlich zerstörten Städten wie zum Beispiel Münster oder Nürnberg – "weniger einen Wiederaufbau als mehr einen Neuaufbau auf altem Grund", wie es der frühere Stadtarchivar Frank-Roland Klaube einmal formuliert hat. Hinzugekommen seien "geistige Strömungen, die radikal mit der Vergangenheit brechen wollten", das heißt mit der fast 600-jährigen Dominanz der Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel und dann seit 1866 der preußischen Prägung. In dieses Bild passt, dass auch Repräsentationsbauten wie das kurfürstliche Stadtschloss oder die preußische Staatsoper verschwanden.

Stattdessen erstand Kassel im Stil der Moderne. Das wird an Bauwerken mit beispielhafter 50er-Jahre-Architektur wie dem Staatstheater oder rund um den Scheidemann-Platz sichtbar. Und wo vor dem Krieg Häuser der Altstadt standen, bahnten sich bald breite Verkehrsadern einen Weg durch die autogerechte Stadt. Die Überreste des Marstallgebäudes (mit der heutigen Markthalle) wurden erst Anfang der 60er-Jahre abgeräumt und durch eine freie Neukonstruktion ersetzt. Das Anfang des 18. Jahrhundert entstandene Orangerieschloss blieb sogar bis 1976 eine Ruine. Die Fassade wurde bis zur Bundesgartenschau 1981 und anschließend das ganze Bauwerk erneuert.

Etwa um diese Zeit wuchs in Kassel der Wunsch, Gewachsenes zu bewahren. So erhielt der zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernte Vordere Westen als eines der ersten Quartiere in Deutschland eine Milieuschutzsatzung. Das um 1900 entstandene Antlitz der Gebäude im Umfeld des Bebelplatzes (mit gründerzeitlichen Elementen bis hin zum Jugendstil) blieb weitgehend erhalten. Längst gehört der Vordere Westen zu den begehrtesten Wohnlagen Kassels.

Beliebte restaurierte Stadtkerne 

Heute schätzen viele Menschen in Deutschland das Flair von gemütlichen Altstädten, die die Geschichte von Jahrhunderten widerspiegeln. Gerade im Osten sind ganze historische Stadtkerne restauriert worden, die zu verfallen drohten. Und Frankfurt am Main lässt den zentralen Römer komplett nach Vorbildern vergangener Jahrhunderte gestalten.
Auch in Kassel ist eine Atmosphäre, die Stadtgeschichte atmet, beliebt. Das ist spürbar  - ob im Schatten von Zwehren- und Druselturm, am Fridericianum, am Ottoneum, auf dem Weinberg, in der Kettengasse, am Kurbad Jungborn in der auf alten Grundrissen wiedererstandenen Unterneustadt und an vielen anderen Orten.

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