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Karl Schomburg, 1835 bis 1841

Gefragt nach Oberbürgermeister Karl Schomburg (11.10.1791 bis 4.7.1841) kennt wohl so mancher die Schomburgstraße oder die Schule an der Schützenstraße, die seinen Namen trägt.

Karl Schomburg

Vorkämpfer für bürgerliche Freiheit und politische Emanzipation

Manche – vor allem im Rathaus – werden wissen, dass von Zeit zu Zeit Personen mit außergewöhnlichen kommunalpolitischen Verdiensten mit der Karl-Schomburg-Plakette ausgezeichnet werden, der höchsten städtischen Auszeichnung, die der Magistrat neben der Ehrenbürgerschaft vergibt. "Kassel hat wenig Männer hervorgebracht, auf die es so stolz sein kann wie auf diesen." So würdigte Oberbürgermeister Hans Eichel seinen Amtsvorgänger Karl Schomburg, als dessen Denkmalbüste 1982 in der Grünanlage neben dem Ständehaus am Ständeplatz eingeweiht wurde.

Von 1822 bis 1841 war Karl Schomburg unser Stadtoberhaupt. Er stammte aus Grebenstein, wo er als Sohn eines Arztes am 11.Oktober 1791 geboren wurde. Nach juristischen Studien war er zunächst als Anwalt und Landgerichtsassessor in Karlshafen und Kassel tätig, bis er gerade dreißigjährig auf Empfehlung des amtierenden Kasseler Bürgermeisters Caspar Heinrich Ludwig Stern zu dessen Nachfolger gewählt wurde. 1834 wurde Schomburg aufgrund der gerade in Kraft getretenen kurhessischen Gemeindeordnung Kassels erstes Stadtoberhaupt mit dem Titel Oberbürgermeister.

Mit Karl Schomburg begann eine neue Epoche der Kasseler Stadtgeschichte: Die moderne Entwicklung von landesherrlicher Bevormundung zu bürgerlicher Freiheit und politischer Emanzipation. Schomburg wurde für Kassel zu einem Leitbild in der Zeit des "Vormärz", also der bewegten Jahre vor 1848, die in der Kulturgeschichte unter dem Namen Biedermeier eher von Beschaulichkeit geprägt scheinen. Tatsächlich war aber diese Epoche auch in Kassel, der Hauptstadt des Kurfürstentums Hessen, eine Zeit intensiver politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Es ging einerseits darum, die städtische Selbstverwaltung zu verteidigen, aber auch auszubauen gegenüber einem sich nach wie vor absolutistisch gebärdenden Staat, zum anderen darum, den kurhessischen Staat durch eine liberale Verfassung zu erneuern. Auf beiden Ebenen hat Karl Schomburg Vorbildliches geleistet: Als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kassel und als Präsident des Landtages des Kurfürstentums Hessen.

Ludwig Emil Grimm, der Malerbruder der Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm, hat einen der bedeutendsten Momente im Leben des Karl Schomburg in einer prächtigen Zeichnung festgehalten: Schomburg führt eine städtische Delegation an, die den Kurfürsten von Hessen am 15.September 1830 um Erlaß einer neuen liberalen Verfassung nachsucht, die tatsächlich einige Monate später Wirklichkeit wurde.

Aber auch und gerade für die Stadt Kassel hat Schomburg unendlich viel getan, zu einer Zeit, als die Kasseler Stadtverwaltung gerade ein gutes Dutzend Bedienstete hatte. In der Verwaltung und bei den Finanzen der Stadt musste Schomburg zunächst die Folgen der Misswirtschaft der Regierung König Jéromes beseitigen. Er sorgte für die Verbesserung der Trinkwasserleitungen und Brunnen, der Kanalisation, des Straßenverkehrs und des Stadtbilds, organisierte die Armenfürsorge neu, bemühte sich z.B. um die Gründung eines Hebammeninstituts. Bis heute gibt es die städtische Sparkasse, um deren Einrichtung Schomburg zehn Jahre lang kämpfte, bis sie 1832 verwirklicht wurde. Auch im Schulwesen wirken Schomburgs Gründungen bis heute: Besonderes Anliegen waren ihm die Bürgerschulen für alle Bevölkerungskreise, auch für Mädchen. Zu Bedeutung gelangte seine Lieblingsgründung, die "Höhere Gewerbsschule", die 1832 am Martinsplatz eröffnet wurde. An ihr unterrichteten so bedeutende Professoren wie die Chemiker Friedrich Wöhler und Robert Wilhelm Bunsen. Besonders förderte Schomburg die Eigeninitiative auf kulturellem Gebiet: So entstanden 1834 der hessische Geschichtsverein, 1835 der Kunstverein und 1836 der Verein für Naturkunde.

Vielleicht liegt aber die besondere Bedeutung Karl Schomburgs für Kassel und Hessen nicht in der Aufzählung von Initiativen und Maßnahmen, sondern in seiner Persönlichkeit selbst: Mit seiner geradlinigen Festigkeit und seiner menschlichen, versöhnenden Besonnenheit wurde er dem Kasseler Bürgertum in den Jahren oft kleinlichster Auseinandersetzungen und Kämpfe zwischen Regierung und Bürgerschaft zum Vorbild. Vielfache Zurücksetzungen und persönliche Enttäuschungen – zum Beispiel versagte der Landesfürst 1838 Schomburg nach seiner Wahl zum Landtagspräsidenten die Bestätigung – ließen Schomburg nie in sichtbare Verbitterung verfallen.

Freilich verbrauchte Karl Schomburg seine Gesundheit im Einsatz für die Stadt Kassel und für Kurhessen. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass er buchstäblich sein Leben darangesetzt hat, um seinen Mitbürgern ein menschenwürdigeres Gemeinwesen zu schaffen. Bei einem Erholungsaufenthalt im benachbarten Thüringen starb er kaum fünfzigjährig am 4. Juli 1841.

Die Verehrung und Wertschätzung für Karl Schomburg war unwahrscheinlich groß. Nach seinem Tod entnahm man seinem Leichnam das Herz und verwahrte es praktisch wie eine Reliquie in einer Kapsel im Zimmer des Oberbürgermeisters. Offenbar wollte man damit etwas von Schomburgs Geist und Charisma auf die Nachfolger im Amt übertragen. Zwanzig Jahre später, als Karl Schomburgs Witwe beigesetzt wurde, bestattete man aber doch sein Herz in ihrem Grab.

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