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Auslandspraktikum in Västerås

In einem interessanten Erfahrungsbericht schildert Lucas Nägeler seine Erlebnisse, die er während eines Auslandspraktikums in der Stadt Västerås in Schweden gemacht hat. Das Auslandspraktikum fand im Herbst 2018 statt.

Ein Erfahrungsbericht von Lucas Nägeler

Im Rahmen des dualen Bachelor-Studiums “Public Administration” bietet sich den Anwärtern der Stadt Kassel zwischen dem zweiten und dem dritten Ausbildungsjahr die Möglichkeit, ein vierwöchiges Auslandspraktikum in einer Stadt in Frankreich, Finnland, Schottland oder Schweden durchzuführen. Da ich bereits im Vorfeld viel Positives über Schweden als Land und auch das Praktikum dort gehört hatte, fiel meine Wahl recht schnell auf die Verwaltung der schwedischen Stadt Västerås als Ziel meines Praktikums.

Die Stadt Västerås und deren Verwaltung

Västerås ist mit rund 150.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt Schwedens und liegt rund 100 Kilometer westlich von der Hauptstadt Stockholm. Bekannt ist Västerås vor allem für seine Lage am großen See Mälaren und als Industriestandort vor allem für Unternehmen der Robotertechnik. In den ersten Tagen in Västerås wurde ich herzlich von meiner Betreuerin Kristina und deren Kollegin Maria empfangen und durch das geräumige und moderne “Stadshus” geführt.

In den nächsten vier Wochen lernte ich viele verschiedene Ämter der Stadt Västerås kennen, in welchen ich mehr und mehr feststellte, dass sich die Verwaltungsarbeit in Schweden in einigen Punkten wesentlich von der in Deutschland unterscheidet.

Besondere Erfahrungen der Verwaltungsarbeit

In der Stadtverwaltung Västerås kümmert sich eine Abteilung explizit um das Thema Mitarbeitermotivation. Die dortigen Mitarbeiter tragen allerlei wissenschaftliche Kenntnisse rund um dieses Thema zusammen und erstellen daraus Präsentationen und Infoveranstaltungen für andere Mitarbeiter und Führungskräfte. Schnell konnte ich feststellen, dass die Motivation vieler Mitarbeiter nicht ausschließlich im Geldverdienen liegt, sondern vor allem in dem Glaubenssatz, die Stadtbevölkerung sei auf die Arbeitsleistung der Stadtverwaltung angewiesen, damit der Lebensstandard aufrechterhalten werden könne. Dies treibt viele Mitarbeiter dazu an, über ihre Grenzen hinaus zu gehen und sich ihrer Arbeit mit viel Leidenschaft zu widmen. 

Auch das Miteinander innerhalb der Stadtverwaltung ist durchweg positiv und hat teils gar etwas Familiäres. Durch die Anrede mit “du” konnte auch ich schnell die Kommunikation auf einer Ebene mit den Mitarbeitern finden und fühlte mich direkt in die Gemeinschaft geschlossen. Unterstützt wurde dieses Gemeinschaftsgefühl durch die als “Fika” bekannte Kaffeepause vor und nach der Mittagspause, welche gesetzlich vorgeschrieben ist und von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung als Austausch sowohl über dienstliche als auch private Themen geschätzt wird.

Während meiner Zeit in der Stadtverwaltung konnte ich feststellen, dass das Thema Nachhaltigkeit in sämtlichen Ämtern eine große Rolle spielt. Von der Einführung eines autofreien Stadtkerns und die Ausstattung sämtlicher Busse mit Biogasantrieb über die Umgestaltung ehemaliger Mülldeponien zu attraktiven Wohngegenden bis hin zur völligen Neugestaltung bestimmter Stadtteile anhand der Bevölkerungswünsche und -prognosen ist sich die gesamte Stadtverwaltung über die möglichen Probleme der Zukunft bewusst und sucht bereits jetzt entsprechende Lösungen.

Obwohl Västerås auch in Themen wie der Digitalisierung bereits eine der Vorreiterstädte in Schweden und auch international ist, äußerten viele Mitarbeiter zu meinem Erstaunen eine gewisse positive Unzufriedenheit dahingehend, dass dies erst der Anfang und noch viel mehr zu tun sei. Dieses Streben nach Fortschritt in einer aus meiner Perspektive bereits so fortschrittlichen Stadt hat sich mir im Laufe des Praktikums besonders eingeprägt.

Freizeitgestaltung und -möglichkeiten 

Während meiner Zeit in Västerås lebte ich in einer Studentenunterkunft, welche gut ausgestattet war und zentrumsnah lag. In meiner Freizeit war ich viel mit dem von der Stadt bereitgestellten Fahrrad unterwegs, um die zahlreichen vor allem historischen Sehenswürdigkeiten in und um Västerås sowie vor allem den See Mälaren an sonnigen Tagen zu besuchen. Dadurch, dass die meisten Schweden fließend Englisch sprechen, hatte ich von Anfang an keine Probleme, mich im Alltag zurechtzufinden und die schwedische Kultur besser kennenzulernen. Auch als Reiseziel kann ich Västerås daher nur empfehlen.

Bewertung des Auslandspraktikums

Abschließend kann ich sagen, dass das Auslandspraktikum in Västerås eine wertvolle und schöne Erfahrung für mich war, bei der ich viele positive Eindrücke aus dem schwedischen Verwaltungsalltag sammeln und mitnehmen konnte. Ich bin überzeugt, dass die Entscheidung für das Praktikum in Schweden die beste war und kann jedem Anwärter der nachfolgenden Jahrgänge die Stadt als Ziel empfehlen.

Lucas Nägeler

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