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Auslandspraktikum in Rovaniemi

In einem interessanten Erfahrungsbericht schildert Doreen Korupp ihre Erlebnisse, die sie während eines Auslandspraktikums in der Stadt Rovaniemi in Finnland gemacht hat. Das Auslandspraktikum fand in der Zeit vom 18. August bis Mitte September 2018 statt.

Ein Erfahrungsbericht von Doreen Korupp

Am 18. August 2018 startete meine Reise nach Rovaniemi, Kassels finnischer Partnerstadt. Die nächsten vier Wochen würde ich hier, im Rahmen meiner Ausbildung im gehobenen Dienst bei der Stadt Kassel, ein Auslandspraktikum absolvieren. Es ist das erste Mal, dass ich in ein nordeuropäisches Land reise. Die vor Beginn des Praktikums auftretenden Bedenken, was mich die nächsten Wochen erwartet und ob meine Sprachkenntnisse ausreichen, konnten meine Vorfreude auf das Kommende jedoch nicht trüben.

Nach einer Zugfahrt zum Frankfurter Flughafen und einer Zwischenlandung in Helsinki begann das Abenteuer Rovaniemi. Bereits während des Fluges konnte ich die arktische Landschaft Finnlands bestaunen. Hierbei bestätigte sich auch das, was ich im Vorfeld über Finnland, insbesondere Lappland, gelesen habe. Lappland ist ein sehr dünn besiedeltes Gebiet. Die Landschaft ist geprägt von dichten Nadelwäldern und Seen in den unterschiedlichsten Größen. Mein Reiseziel Rovaniemi ist mit über 8.000 km² sogar die flächengrößte Stadt Europas und ist die Heimat von 62.000 Menschen und 14.000 Rentieren.

Beim Betreten der Flughafenhalle deuteten bunte Weihnachtsdekorationen bereits auf die erste Besonderheit Rovaniemis hin. Einer der bekanntesten Bewohner der Stadt ist nämlich der Weihnachtsmann. Im Weihnachtsmanndorf, welches sich nördlich des Zentrums befindet, kann diesem ganzjährig ein Besuch abgestattet werden. Mit einem Taxi ging es dann zum Hotel, welches für die nächsten Wochen mein Zuhause sein würde. Das Hotel liegt am Berg Ounasvaara und ist ungefähr zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Es war der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Naherholungsgebiet Ounasvaaras. Für den kompletten Aufenthalt wurde mir ein Fahrrad zur freien Verfügung bereitgestellt. Mit diesem war der bis zu fünf Kilometer lange Arbeitsweg besser zu bewältigen. Auch die Innenstadt und andere Ausflugsziele waren durch die sehr gut ausgebauten Fahrradwege schnell und einfach zu erreichen.

Am Montagmorgen startete mein erster Praktikumstag. Ich wurde von Jaakko, meinem Betreuer vor Ort, direkt vor dem Hotel abgeholt. Nach einer kurzen Autofahrt trafen wir beim Umwelt- und Gesundheitsamt Rovaniemis ein, wo ich für die nächsten zwei Wochen die Kollegen bei Ihrer Arbeit begleiten durfte. Die Aufgaben des Umwelt- und Gesundheitsamtes sind vielfältig. Um die öffentliche Gesundheit zu gewährleisten, ist es unter anderem für die Überwachung der Hygienestandards in Tageseinrichtungen, Schulen sowie Krankenhäuser und ähnlichen Einrichtungen zuständig. Auch die Lebensmittelüberwachung in Bars, Kantinen und Restaurants, die Untersuchung von Trinkwasser und die Durchführung von Hausinspektionen zur Identifizierung von Gesundheitsrisiken gehören in das Leistungsspektrum des Amtes.

Bereits ab dem ersten Tag haben mich die Kollegen in ihren Arbeitsalltag einbezogen. So durfte ich an zahlreichen Dienstbesprechungen, Außenterminen, Inspektionen und auch an einer Fortbildung teilnehmen. Bei allen Terminen nahmen sich die Kollegen die Zeit, um mir die wesentlichen Inhalte der Gespräche vom Finnischen ins Englische zu übersetzen und aufkommende Fragen meinerseits zu beantworten. An meinem letzten Tag im Umwelt- und Gesundheitsamt durfte ich eine Präsentation über die Unterschiede zwischen der Arbeit in der Kassel und Rovaniemi halten. Beispielsweise finden während der Arbeitszeit im Sozialraum vormittags und nachmittags jeweils Kaffeepausen statt, welche sich auch mal auf 60 Minuten ausdehnen können. Als wesentlicher  Unterschied empfand ich die informelle Anrede in Finnland. Unabhängig von der Stellung oder des Titels eines Kollegen wird dieser mit dem Vornamen angesprochen. Auch bei Inspektionen stellt man sich untereinander mit dem Vornamen vor.

Zu Beginn der dritten Woche wechselte ich in die Aufsichtsbehörde (Tukes). Jaakko und sein Kollege überwachen die Sicherheit von Dienstleistungen für Verbraucher in Finnland. Hierzu gehören etwa Vergnügungsparks, Spielplätze, Strände, Skigebiete, Abenteuerdienste und öffentliche Veranstaltungen. Das Einsatzgebiet ist sehr weitläufig, sodass wir teilweise zweieinhalb Stunden Fahrt zurücklegen mussten, um eine Inspektion durchzuführen. Durch solche Fahrten bekam ich die Chance, auch Städte und Plätze außerhalb Rovaniemis zu sehen, wie den Tierpark in Ranua oder die russische Grenze. Eine besondere Erfahrung war ein rustikales Mittagessen im Wald, wo wir Würstchen über einer Feuerstelle zubereiteten.

Der Aufenthalt in Finnland war eine sehr schöne Zeit, die ich in sehr guter Erinnerung behalten werde. Die vier Wochen boten mir die Möglichkeit, einen guten Einblick in die Arbeits- und auch die Lebensweise der Menschen in Rovaniemi zu erhalten. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und kann jedem nur einen Besuch in Rovaniemi empfehlen.

Doreen Korupp

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