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Auslandspraktikum in Rovaniemi

In einem interessanten Erfahrungsbericht schildert Franziska Engelhardt ihre Eindrücke, die sie während eines Auslandspraktikums in der Stadt Rovaniemi in Finnland gewonnen hat.

Ein Erfahrungsbericht von Franziska Engelhardt

Im Rahmen des dualen Studiengangs Public Administration ermöglicht die Stadt Kassel ihren Anwärtern ein vierwöchiges  Auslandspraktikum. Dabei sollen neue Erfahrungen in Behörden und Unternehmen im Ausland gesammelt werden, aber auch der persönliche Kompetenzerwerb steht im Vordergrund.

Für mich ging die Reise in den hohen Norden nach Rovaniemi in Finnland. Dort sollte ich für vier Wochen leben, arbeiten und viele neue Erfahrungen sammeln. Bereits ein paar Wochen vor meiner  Abreise hatte ich Kontakt mit meiner Betreuerin in Finnland. Henrietta arbeitet im Kultur- und Jugendamt der Stadtverwaltung von Rovaniemi. Sie schickte mir einen vorläufigen Ablaufplan, der fast jeden Tag einen anderen Einsatzort für mich vorsah. Dadurch stieg meine Vorfreude nochmals an und ich konnte weitere Planungen für meine Freizeitgestaltung vornehmen.

Rovaniemi ist die Hauptstadt Lapplands und liegt direkt am Polarkreis. Sie ist zudem die offizielle Heimat des  Weihnachtsmannes. Bedingt dadurch, und dass der Architekt Alvar Aalto die Stadt in Form eines Rentierkopfes plante, trifft man nahezu an jeder Ecke ein Rentier. Die Stadt hat ca. 62.000 Einwohner, der Großteil lebt im Zentrum, welches an den Flüssen Kemijoki und Ounasjoki liegt. Da viele kleine Dörfer und Gemeinden in Umkreis des Zentrums mit zur Stadt gehören, ist Rovaniemi mit ca. 8.000 km² die flächenmäßig größte Stadt Europas.

Das Büro meiner Betreuerin befindet sich in Monde, einem der vielen Jugendzentren der Stadt. Zusammen mit weiteren Kollegen und Jugendarbeitern werden dort kulturelle Veranstaltungen geplant, organisiert und koordiniert. Einiges geschieht auch in Zusammenarbeit mit Schulen oder wird für einzelne Schulklassen organisiert. Gibt es spezielle Veranstaltungen innerhalb der Stadt, z. B. die Rovaniemi Woche, beteiligt sich das Jugendzentrum Monde im Rahmen von Veranstaltungen und Workshops daran, die Henrietta und ihre Kollegen mitbetreuen und planen.

Meine Arbeitszeit habe ich in den verschiedensten Bereichen und Einrichtungen verbracht. So konnte ich neben einigen Jugendzentren auch eine Schule, die Universität von Lappland, verschiedene Museen, das städtische Schwimmbad, die Bibliothek und das Theater Rovaniemis kennenlernen. Außerdem verbrachte ich zwei Tage mit dem Lapland Chamber Orchestra und durfte dieses auf ein Konzert nach Ivalo (ca. 280 km entfernt von Rovaniemi) begleiten.

Während der Rovaniemi-Woche half ich Henrietta bei der Betreuung von zwei Veranstaltungen, einem Rap-Konzert und einem pop-up Flohmarkt in Monde. Im Rathaus arbeitete ich unter anderem mit der Eventkoordinatorin Roosa zusammen. Für sie sammelte ich Ideen für ein Partnerstädte-Event von Kassel und Rovaniemi, welches sie in naher Zukunft veranstalten möchte. Für Merja, die Leiterin der Kultur- und Freizeitabteilung, erstellte ich eine Präsentation über Olsztyn (Partnerstadt in Polen), da sie beruflich dorthin reisen musste. Für das Communication-Department schrieb ich mehrere Berichte über meine Eindrücke und Erlebnisse während meines Praktikums, die online veröffentlich werden sollten. Zudem gab es einen Tag, an dem wir in einer kleinen Gruppe wandern gingen und im Wald Essen machten. Unsere Betreuer entzündeten ein Lagerfeuer, an dem wir Kaffee kochten, Würstchen (Grillimakkara) grillten und auch Pilze, die wir zuvor sammelten, in einer Pfanne zubereiteten. Danach gab es Elchfleisch und zum Schluss noch Marshmallows, die nicht ganz ins finnische Essen passten.

Während der Arbeit konnte ich sehr viel lernen, zahlreiche Orte und Landschaften entdecken und natürlich neue Bekanntschaften schließen. In meiner Freizeit erkundete ich die Umgebung zu Fuß, machte viele Wanderungen zu bestimmten Zielen oder auf Rundwegen. Neben den Ausflügen in die Natur besuchte ich auch  Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen wie das  Weihnachtsmanndorf. Durchweg traf ich dabei freundliche und hilfsbereite Menschen, mit denen die Zeit im Nu verflog.

Obwohl ich alleine nach Finnland reiste, fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt so. Langeweile kam durch die vielen Ausflüge und Treffen während und auch außerhalb der Arbeit nicht auf. Alleine reisen hat sogar einige Vorteile. Meine Pläne konnte ich frei gestalten und spontan ändern. Außerdem kommt man mit Fremden eher ins Gespräch oder sieht Dinge, die einem entgangen wären, hätte man sich gerade mit dem Reisepartner unterhalten.

Die Einblicke in die finnische Arbeitsweise waren sehr interessant und abwechslungsreich. Quasi nebenbei konnte ich zudem meine Sprachkenntnisse verbessern und sogar etwas Finnisch lernen. Das Leben in Rovaniemi und die Mentalität der Finnen ist beneidenswert um ihre innere Gelassenheit und die Nähe zur Natur. Durch die vielen Bekanntschaften, die ich machen konnte, habe ich sehr viel sehen und lernen können, was als normaler Tourist wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Die Zeit verging wie im Flug und viel zu schnell hieß es schon wieder Kofferpacken und zurück nach Deutschland fliegen.

Neben den neuen Arbeitserfahrungen und Einblicken in den finnischen Alltag konnte ich auch viel für mich persönlich mitnehmen. Das Leben dort hat mir sehr gefallen, die Einwohner und Besucher der Stadt haben zusammen mit der unglaublichen Natur einen tollen Ort zum Verweilen geboten. Die Stadt hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, mit dem Gefühl nach mehr.

Franziska Engelhardt

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