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Inlandspraktikum in Frankfurt

In einem interessanten Erfahrungsbericht schildert Anika Rehrmann ihre Eindrücke, die sie während eines Inlandspraktikums in der Stadt Frankfurt gewonnen hat.

Ein Erfahrungsbericht von Anika Rehrmann

Während meine Kommilitoninnen und Kommilitonen in den Norden Europas sowie in den südöstlichen Teil Frankreichs starteten, erhielt ich die Chance, während der halbjährigen Praxisphase innerhalb des Studiums des Beamten im gehobenen Dienst ein zweiwöchiges Gastpraktikum bei der Stadt Frankfurt am Main zu absolvieren. Bereits am Sonntag, den 2. September 2018 habe ich mich mit der Deutschen Bahn auf den Weg nach Frankfurt am Main gemacht. Nach eineinhalb Stunden war ich in Frankfurt am Main angekommen. Das Hotel hatte ich in 10 Minuten erreicht. Es liegt zwischen der Einkaufsstraße, die vielmehr unter den Namen „Zeil“ bekannt ist, dem Römerberg und dem dahinterliegenden Mainufer.

Nachdem ich das Zimmer für die kommenden zwei Wochen bezogen hatte, sah ich mir die umliegende Gegend sowie meine Einsatzorte an. Den Römer, das Rathaus Frankfurts, hatte ich bereits nach weniger als fünf Minuten auf dem Römerberg erreicht. Anschließend suchte ich die Bauaufsicht in der Kurt-Schumacher-Straße 10 auf; auch hier war ich nach wenigen Minuten angekommen.

Um 8:30 Uhr an meinem ersten Arbeitstag war ich mit Herrn Korn vor dem Römer verabredet. Herr Korn ist der Ausbildungsleiter der Stadt Frankfurt am Main. Ich sollte bei der Begrüßung der Nachwuchskräfte der Stadtverwaltung dabei sein. Herr Korn empfing mich zwischen vielen nervösen Auszubildenden, Anwärterinnen und Anwärtern sowie deren Begleitpersonen. Vor der offiziellen Begrüßung im altehrwürdigen Kaisersaal im Frankfurter Römer durch Herrn Oberbürgermeister Peter Feldmann haben die Inspektoranwärterinnen und -anwärter die Ernennungsurkunde erhalten. In dessen Anschluss leisteten sie ihren Diensteid ab. Der Kaisersaal ist von der Größe in etwa mit dem Saal der Stadtverordnetenversammlung im Kasseler Rathaus vergleichbar. Die Wände tragen eine Galerie aller Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation - von Karl dem Großen über Friedrich Barbarossa bis zu Franz II. 52 Ölportrait zieren den Kaisersaal.

Begrüßende Worte richteten Herr Oberbürgermeister Peter Feldmann, Herr Stadtrat Stefan Maier (Dezernat für Personal und Gesundheit) und der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates Herr Christian Barthelmes an die Nachwuchskräfte. Obligatorisch wurde anschließend das gemeinsame Foto auf dem Römerberg gemacht. Das Rahmenprogramm im Römer endete mit einem Imbiss in den umliegenden Räumlichkeiten. Zu meiner positiven Überraschung wurde die Begrüßung der Nachwuchskräfte von der Band „Unterdruck“ der Musikschule Frankfurt e.V. begleitet.

Ab dem 4. September 2018 war ich der Bauaufsicht im Planungsdezernat zugeteilt. Am Standort Kurt-SchumacherStraße 10 befindet sich neben der Bauaufsicht auch das Denkmalamt, das Stadtplanungsamt und das Stadtvermessungsamt. Am Vormittag wurde ich durch die Abteilung der zentralen Fachdienste geführt, den Kollegen vorgestellt und erhielt erste Informationen. Am späten Vormittag durfte ich einem Kollegen aus dem Sachgebiet Prüfung Sonderbau über die Schulter schauen - er erläuterte mir die Vorgehensweise und zeigte mir das Archiv im Keller. Die Stadt Frankfurt am Main verfügt über ca. 4.000 Sonderbauten. Sonderbauten stellen nach § 2 Abs. 9 HBO Anlagen und Räume besonderer Art oder Nutzung, z.B. Hochhäuser, Verkaufsstätten, Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Tiefgaragen, dar.

In der Mittagspause zeigte mir ein Kollege die nahegelegene Kleinmarkthalle sowie die „neue“ Altstadt Frankfurts. Diese ist sehr aufwendig anstelle des abgerissenen Technischen Rathauses errichtet worden. Die Frontansicht der Häuser entspricht denen aus alten Aufzeichnungen - dabei besteht die Konstruktion komplett aus Beton und Stahl, was die Fassade nicht vermuten lässt.

An den Nachmittagen besuchte ich verschiedene Sehenswürdigkeiten: den Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus, die Paulskirche sowie Frankfurts höchste öffentliche Aussichtsplattform in der 55. und 56. Etage im Main Tower. In weniger als einer Minute hat man die Aussichtsplattform mit dem Aufzug erreicht. In knapp 200 Metern Höhe konnte ich vom neuen Standort der Europäischen Zentralbank bis zur Bebauung des Westhafens sowie die sogenannte Skyline von „Mainhatten“ von oben sehen.

Am Wochenende nutzte ich das Angebot des Hopp on/Hopp off-Busses; so erkundete ich weitere Sehenswürdigkeiten Frankfurts wie z.B. den Palmengarten und den Zoologischen Garten.

Die zweite Woche war geprägt von einer Sonderbaukontrolle eines Wohnhochhauses mit 13 Stockwerken sowie Tiefgarage mit 47 Stellplätzen. Wegen des Fassadenbrandes des Grenfell-Towers in London im Jahr 2017 werden in Frankfurt alle Gebäude kontrolliert, die ebenfalls mit ähnlichen Baumaterialien in den 1970-Jahren erbaut wurden.

Die Sonderbaukontrolle begann mit der äußeren Erfassung des Gebäudes. Sonderbaukontrollen werden vom Dach bis zum Keller durchgeführt, damit man nicht mit den Stockwerken durcheinander gerät. Häufigste Mängel waren feuerhemmende Türen, die mit Holzkeilen permanent offen gehalten werden, leicht entflammbare Gegenstände in den Fluren und defekte Sicherheitsbeleuchtungen. Der technische Angestellte überließ uns die Prüfung der Tiefgarage.

Das Praktikum innerhalb der Stadt Frankfurt am Main war sehr interessant. Die Größe, Aufbau und Organisation der Ämter, die ich kennengelernt hatte, hatten mich anfangs sehr überrascht. Im Nachhinein wurde mir jedoch klar, dass es bei einer Stadt mit ca. 750.000 Einwohnern und dieser Infrastruktur nicht ohne 13.000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung funktionieren würde. Die Kolleginnen und Kollegen waren alle nett und nahmen sich auch die Zeit, mir Einzelheiten zu erläutern. Ich fühlte mich sofort in das Team aufgenommen. Zudem führten die fast täglichen Erklärungen, inwiefern Südhessen als Ausland wahrgenommen wird, immer wieder zu amüsanten Gesprächen.

Anika Rehrmann

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