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KISS Interview: Selbsthilfegruppe "Zwobidu"

Interview im KISS Selbsthilfemagazin 2019

Auf der Suche nach Zufriedenheit
Selbsthilfegruppe unterstützt dabei, andere Denk- und Verhaltensmuster zu erlernen

Um Zufriedenheit geht es in der Gruppe „Zwobidu“ – genauer um die Frage: „Zufriedenheit, wo bist du?“, abgekürzt Zwobidu. Gefühle, Glaubenssätze und Bewertungen spielen bei den wöchentlichen Treffen ebenso eine Rolle wie Gewaltfreie Kommunikation, Kindheitsmuster und der Austausch über den Umgang mit alltäglichen Problemen und belastendenden Situationen.

„Wenn du unzufrieden bist, ändere dein Leben oder deine Einstellung“, ein Zitat, das zur Gruppe Zwobidu passen würde. Angesprochen sind Menschen, die Zufriedenheit suchen und bereit sind, etwas zu verändern, erläutert Gruppengründer Claus-Dieter Erbe. Er selbst kam vor zwei Jahren aus Berlin nach Kassel, hat in Berlin bereits 30 Jahre in der Selbsthilfe gewirkt. Unter anderem in einer Gruppe zur Zufriedenheit. Der trockene Alkoholiker stellte für sich fest, dass er selbst keinen Zugang zu seinen Gefühlen hatte. „Ich wollte meinen Gefühlen einen Namen geben“, erzählt er im lockeren Gespräch in einer Eisdiele.

Er las viele Bücher und machte sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. „Wenn ich zufrieden bin, ist die Welt in Ordnung“, beantwortete er diese Suche für sich selbst. Eben diese Suche nach Zufriedenheit möchte er in der Gruppe in den Mittelpunkt stellen. Anfang März fand das erste Treffen statt. Die Gruppe befindet sich noch in der Findungsphase. Mehr als zehn Teilnehmende sollen es nicht werden. Bisher kamen Menschen ab 40 Jahren, Männer und Frauen, die beispielsweise Schwierigkeiten in der Beziehung oder mit der Arbeit hatten oder einfach zufriedener werden wollten.

„Ich bin offen für die Themen, die von der Gruppe kommen“, sagt Claus- Dieter Erbe. Wichtig ist das Zuhören, die Gruppenmitglieder sollen Druck abbauen und ein Podium haben. Im Austausch miteinander und über die eigenen Erfahrungen geht es darum, sich über die jeweilige Situation und die Schwierigkeiten Klarheit zu verschaffen. Vielleicht die dahinterliegenden Glaubenssätze zu entdecken. Häufig genug haben wir - meist im Elternhaus - negative Bewertungen über uns verinnerlicht. „Ich bin nichts wert, bin zu dumm, muss die Erwartungen der anderen erfüllen“ sind Beispiele dafür. Ebenso wichtig ist es, die Gefühle und die Bedürfnisse zu entdecken, die den Schwierigkeiten zu Grunde liegen. Gefühle und Bedürfnisse sind ein Hauptthema der Gewaltfreien Kommunikation, auf deren Basis in der Gruppe ein wertschätzender Umgang miteinander entstehen soll.

„Wir wiederholen oft Muster, die wir in der Kindheit gelernt haben“, sagt der Gruppenleiter. Solche alten Muster können in der Gruppe bewusst werden. Wenn von den Teilnehmenden kein Thema kommt, bringt er Themen mit. Zum Beispiel den Umgang mit dem Wort „eigentlich“ oder den mit Gefühlen. So hat er beispielsweise an die Teilnehmenden eine Liste verteilt, in der verschiedene Gefühle benannt werden. Ein Angebot, um Klarheit über mögliche Gefühle zu gewinnen und sie bewusster zu machen.

Ziel ist, im Austausch mit den anderen Gruppenteilnehmenden andere Denk- und Verhaltensmuster zu finden und sie nach und nach zu erlernen

und umzusetzen. Beispielsweise nicht zu bewerten. Statt „Du hast etwas gut oder schlecht gemacht“ bei sich zu bleiben und zu sagen: „Das hat mir gefallen“ oder eben nicht gefallen. In einer Beziehung nicht zu sagen „Du arbeitest zu viel“, wenn es darum geht: „Ich möchte mehr Zeit mit dir verbringen“ Die Gruppe hat keinen therapeutischen Anspruch, wesentliches Element ist der Erfahrungsaustausch Gleichbetroffener. Dabei trägt schon eine Erfahrung zur Zufriedenheit bei: In der Gruppe so anerkannt zu werden, wie man ist, nicht bewertet zu werden und auf Gleichgesinnte zu treffen.

Mehr zur Gruppe finden Sie hier.

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