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KISS Interview: Selbsthilfegruppe Wechseljahre

Interview im KISS Selbsthilfemagazin 2018

„Ein drastischer körperlicher Umbau“
Gruppe für Frauen in den Wechseljahren bietet Austausch bei der Bewältigung von Beschwerden

Durch den Marie-Calm-Raum bei der KISS schwirren Worte und Sätze wie „Schwindel“ und „Herzstolpern“ „Vitamin B“ oder „Ihr müsst klar sagen, was ihr wollt und euch durchsetzen.“ Sechs Frauen sitzen um den Tisch, die alle in den Wechseljahren unter starken Beschwerden leiden. Seit Februar existiert eine Selbsthilfegruppe, die ihnen bei deren Bewältigung hilft.

Gruppengründerin Melanie Schweighöfer kam nach einer Eierstock-Operation von einem Tag auf den anderen mit nur 39 Jahren in die Wechseljahre. „Mir ging es extrem schlecht, ich konnte noch nicht mal mehr allein einkaufen gehen“, erzählt sie. Panik und Angst wurden neben heftigen Schweißausbrüchen zu ihren steten Begleitern. Ihre Lebensqualität nahm ab und sie fühlte sich alleine. Arztbesuche führten zu keiner klaren Diagnose oder Hilfestellung. Bis sie zu einem Gynäkologen kam, der zuhörte, sie ernst nahm, ihren Hormonstatus bestimmte und die extremen Beschwerden als Wechseljahre diagnostizierte. Die Gabe des Gelbkörperhormons Progesteron linderte schließlich ihre Leiden.

Neben diesem Gynäkologen half ihr der Austausch im sozialen Netzwerk Facebook in einer Gruppe von Frauen in den Wechseljahren. Dort hatte sie manches Aha-Erlebnis und stellte fest: Es geht anderen genauso wie mir. Irgendwann wollte sie sich nicht nur virtuell austauschen und fragte bei der KISS nach einer Gruppe, die es zu Wechseljahren jedoch nicht gab. Carola Jantzen, die Leiterin der KISS, machte ihr Mut und gab Hilfestellung für eine Gruppengründung. Die Frauen hier wissen, wie wichtig es ist, die Beschwerden benennen zu können und ernst genommen zu werden „um zu verstehen, was man hat“, sagt Emmy, die ebenso wie Renate, Reni, Stefanie, Heike und Melanie weiß, wovon sie spricht. „Du sitzt im Bus, die anderen im Wintermantel, und würdest dich am liebsten nackt ausziehen“, erzählt Renate, „und nachts liegst du im Bett, bist wach und schwitzt.“ Heike nickt. „Und dann schläfst du um sechs Uhr morgens ein, viel zu spät.“ Stefanie berichtet von Momenten, „die wie ein Filmriss sind.“ Herzrasen und Ziehen um die Herzgegend machen Angst vor einem Herzinfarkt.

Vielfältige Beschwerden
Die Liste der Beschwerden ist lang. Haarausfall, Konzentrationsprobleme, Schwindel, Gewichtszunahme, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne, eine Frau berichtet sogar von Gallensteinen. Die Wechseljahre seien ein drastischer körperlicher Umbau, meint eine der Frauen. Die Stimmung schwankt ständig und das Leben wird zu einer psychischen Achterbahnfahrt. Man versteht selbst nicht mehr „was eigentlich mit mir los ist“.

Kaum hat eine Frau in der Gruppe ein Stichwort gegeben, fällt der nächsten etwas dazu ein. Ein lebhafter Austausch beginnt. Die Wechseljahre seien auch in andere Hinsicht eine Zeit des Wandels. „Die Kinder gehen aus dem Haus, alles vermischt sich in diesen Jahren“, sagt Emmy. Diese zehn Jahre „seien die härtesten im Leben.“ Doch es sei sehr wichtig und hilfreich, „die Wechseljahre anzunehmen und die Beschwerden zu akzeptieren“, meint Melanie Schweighöfer. Ein Hinweis, der ihr wichtig ist, sie wiederholt ihn bei dem Treffen mehrfach.

Andere haben das auch
Was die Gruppe bringt? „Für mich war wichtig, nicht allein davon betroffen zu sein“, erzählt Heike. Renate profitiert von den Erfahrungen der anderen Frauen und deren Berichte darüber, wie sie mit ihren Beschwerden umgehen. Gerade für Frauen mit extremem Beschwerden hilft die Botschaft: „Das ist normal, andere haben das auch“, ergänzt Emmy.

Neben dem Austausch in der Gruppe treffen sich die Frauen auch zu anderen Aktivitäten. Mal wird ein Eis gegessen, bei dem Treffen heute planen die Frauen am Ende einen möglichen Grillabend. Die Gruppe ist auch offen für alle Frauen in den Wechseljahren, nicht nur Frauen mit extremen Beschwerden.

Die richtigen Ärzte finden
Bei einem Thema haben die anwesenden Frauen keine besonders hilfreichen Erfahrungen gemacht. Sie stießen mit ihren starken Beschwerden bei Ärzten häufiger auf Unverständnis. Mit der Messung des Hormonspiegels lässt sich sicherstellen, dass die Wechseljahre die Ursache der Beschwerden sind. Die Krankenkassen zahlten diese Messung jedoch nicht immer, sagt eine Frau. Oder die Ärzte sagten zu ihnen: „Da müssen sie halt durch, ist doch ganz natürlich.“ Oft böten Ärzte auch keine andere Therapie an als Chemie und Medikamente. Auf die Frage, was sie sich wünschen, kommt deshalb sehr spontan: „Die richtigen Ärzte zu finden, die uns annehmen, uns zuhören und ernst nehmen.“

Information zu Wechseljahren
Wechseljahre – auch Klimakterium genannt – bezeichnen den Übergang von Frauen vom Ende der Geschlechtsreife bis zur Menopause. Sie beginnen meist mit Mitte 40, manchmal früher.

Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Geschlechtshormone, das wichtigste Hormon dabei ist Östrogen. Der Eisprung bleibt aus, die Monatsblutungen werden unregelmäßiger und hören schließlich ganz auf. Im Durchschnitt sind die Frauen in Deutschland dann 51, doch die Bandbreite beim Alter ist groß.

Das Klimakterium kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen, die bei rund einem Drittel der Frauen stark ausfallen können.
Quelle: www.apotheken-umschau.de, www.wikipedia.de

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