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KISS Interview: Skoliose Selbsthilfegruppe

Interview im KISS Selbsthilfemagazin 2017

Die frühe Diagnose ist wichtig
Skoliose - Erkrankung der Wirbelsäule tritt häufig in der Pubertät auf/Bewegung ist das A und O

In einer leichten Form tritt sie häufiger auf – ab einer bestimmten Krümmung der Wirbelsäule wird Skoliose zu einer Krankheit. Die Krümmung kann Folgen haben, von Schmerzen über Verlust der Beweglichkeit bis zu Störungen bei Lunge und Herz. Seit Januar gibt es in Kassel eine Selbsthilfegruppe, in der Erkrankte sich austauschen und informieren können. Geleitet wird sie von Elias Hofmeister.

Nachdem bei seiner Tochter Skoliose diagnostiziert wurde, nahm er in 2016 Kontakt zum Bundesverband Skoliose-Selbsthilfe auf. Mittlerweile kennt er sich gut mit der Erkrankung aus. Skoliose kommt aus dem Griechischenund bedeutet „krumm“. Die Wirbelsäule ist bei Skoliose seitlich verkrümmt, zusätzlich sind einzelne Wirbel verdreht. „Viele Menschen haben eine kleinere Abweichung“, erläutert Hofmeister, „die nicht behandelt werden muss“. Erst ab 10 Grad spricht man von einer Skoliose, sie gehört zu den seltenen Erkrankungen.

Krankengymnastik und Korsett
Je nach Schwere sind spezielle Krankengymnastik, ein Korsett oder bei einer Krümmung über 50 Grad sogar eine Operation die gebotene Therapie. Welche Folgen die Skoliose hat, hängt vom Grad des Krümmungswinkels ab. Rippenbuckel und Lendenwulst sehen nicht schön aus, auch Schulter und Becken können sich verändern. Durch eine starke Krümmung kann es zu Atemnot kommen, weil die Wirbelsäule auf die Lunge drückt.

Meist tritt die Krankheit vor oder in der Pubertät auf, wobei Mädchen häufiger betroffen sind. Wichtig ist eine frühe Diagnose. Den Verdacht auf Skoliose kann man im Grunde ganz einfach durch einen Vorbeugetest feststellen: Rücken freimachen, sich ganz vorbeugen. „Dann sieht eine zweite Person, ob die Wirbelsäule gerade ist“, sagt Hofmeister. Wenn nicht, sollte man zur weiteren Abklärung einen Orthopäden aufsuchen.

Doch nicht alle Orthopäden kennen sich mit der Erkrankung aus, die bei den seltenen Erkrankungen zu den häufigeren gehört. Umso wichtiger ist die Information in der Selbsthilfegruppe über Spezialisten sowie über Therapie und Therapeuten, die sich mit Skoliose auskennen. „Bewegung ist das A und O“, weiß Hofmeister. Denn ohne Bewegung und Therapie kommt es schneller zu Versteifungen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen.

Erfolge von anderen motivieren
Erfolge von anderen durch Bewegung und Physiotherapie können dazu motivieren, sich selbst mehr zu bewegen. Ab 20 Grad Krümmung hilft ein Korsett, doch gerade in der Pubertät wollen Jugendliche nicht 16 bis 22 Stunden pro Tag ein solches Korsett tragen. Auch hier kann die Gruppe ermutigen. Meist kamen bisher Eltern oder Verwandte in die Gruppe. Doch sie existiert noch nicht sehr lange und Hofmeister möchte zusätzlich eine Gruppe speziell für Jugendliche ins Leben rufen.

Was eine Selbsthilfegruppe bieten kann ist Zeit – die Ärzte kaum haben. „Jeder kann sagen, was er möchte und seine Befindlichkeiten schildern“, sagt der Gruppenleiter. Er plant auch Grillabende und Vorträge, eine Physiotherapeutin hat über eine spezielle Krankengymnastik für Skoliose informiert.

Mehr zur Gruppe finden Sie  hier

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