KISS Magazin: Frauenselbsthilfe nach Krebs

Interview im KISS Selbsthilfemagazin 2020

Die Gruppe ist wie eine gute Freundschaft
Frauenselbsthilfe nach Krebs ist offen für alle Krebserkrankten – Frauen und Männer sowie die Angehörigen

Die Diagnose Krebs ist ein einschneidendes Erlebnis, sagt Marion Kleppek, Gruppenleiterin der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Umso hilfreicher waren für sie Menschen, die ohne große Erklärung wissen und verstehen, wie es ihr geht. Der offene Austausch und das Miteinander machen die Gruppe für sie zu etwas wie eine gute Freundschaft. Dabei hatte sie anfangs durchaus Bedenken im Hinblick auf die Selbsthilfe. Sie befürchtete, dass dort nur über Krebs geredet wird. Als sie in Homberg erstmals in die Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs kam, stellte sie fest: Dort wurde auch viel gelacht. Sie war positiv überrascht.

Ein offener Austausch
Leider gab es die Frauenselbsthilfe nach Krebs in Kassel nicht mehr, die Gruppe war eingeschlafen. Um die Fahrt nach Homberg zu sparen, gründete sie sie Ende Mai 2019 in Kassel neu. „Der Start war etwas holperig“, erinnert sie sich. Vor der Corona-Pause trafen sich acht bis 13 Frauen jeden dritten Montag im Monat und tauschten sich offen über unterschiedliche Themen aus. Von Krebstherapien, über Ärzte bis hin zu „allem, wo der Schuh drückt.“ Auch wenn zwischendurch eine persönliche Krise oder Bedarf entsteht, sind die Gruppenmitglieder telefonisch oder digital erreichbar und füreinander da. Die geplanten Vorträge eines Apothekers und einer onkologischen Therapeutin konnten wegen Corona bisher noch nicht stattfinden.

Offen für alle Krebsarten
Eine Besonderheit ist, dass alle an Krebs Erkrankten ebenso wie ihre Angehörigen in die Gruppe kommen können, auch Männer und Angehörige. „Die Probleme sind ja ähnlich“, sagt Marion Kleppek, die 2017 selbst an Darmkrebs erkrankte. Eine Angehörige stellte nach dem Gruppenbesuch fest, dass ihr das Gespräch in der Gruppe weitergeholfen habe. Sie habe jetzt mehr Verständnis für ihren krebskranken Mann. Marion Kleppek bekommt auch viele Anrufe von Angehörigen, die viele Fragen zum Umgang mit den Erkrankten haben. Noch eine Besonderheit gibt es in der Gruppe: Einige Mitglieder nähen Herzkissen aus Stoffspenden, die dann in Krankenhäusern an Krebspatienten verteilt werden. Auch das soll, ebenso wie die Gruppe selbst, Mut machen und Kraft geben. Nach den Gruppentreffen gehen die Erkrankten jedenfalls gestärkt und bereichert nach Hause. Auch deshalb, weil Freude, Spaß und Lachen ebenso ihren Platz haben wie der Austausch über Probleme und anstehende Fragen.

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