KISS Interview: Gesprächskreis Eltern hochbegabter Kinder

Interview im KISS Selbsthilfemagazin 2017

Alle Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten fördern
Gesprächskreis von Eltern mit hochbegabten Kindern: Hochbegabung kann auch zu Auffälligkeiten führen

Die Meinung, hochbegabte Kinder müssten doch ohne Probleme die erforderlichen Leistungen erbringen, trifft auf viele, aber keineswegs auf alle Kinder zu. Die Hochbegabung eines Kindes fällt oft erst dann auf, wenn es Schwierigkeiten in der Schule oder im Kindergarten gibt. In Kassel haben die Eltern von hochbegabten Kindern eine Gruppe gegründet, in der sie sich gegenseitig unterstützen.

Wird die Hochbegabung eines Kindes nicht erkannt, kann es bei den Kindern zu Schwierigkeiten in der Entwicklung kommen. Vielleicht spüren sie, dass sie anders sind als andere, andere Interessen haben und oft auf Unverständnis treffen und gebremst werden. Oder aber sie langweilen sich, finden die üblichen Spiele und Aktivitäten wenig interessant, sind unterfordert und zeigen trotz hoher Intelligenz schwache Leistungen und lösen Aufgaben sogar falsch. Manche Kinder fangen dann an, den Clown zu spielen oder sie stören, um wahrgenommen zu werden, oder reagieren mit Verweigerung. Diese Auffälligkeiten führen zur Ursachenforschung und werden zum Anlass, eine Hochbegabung zu vermuten.

Kaspereien und Verweigerung
Diese Erfahrung machten auch drei Elternpaare, die gemeinsam die Leitung der Kasseler Selbsthilfegruppe für Eltern hochbegabter Kinder übernommen haben. Eine Familie hat zwei hochbegabte Kinder. Der Sohn fiel in der Grundschule durch Kaspereien und Verweigerung auf, die Eltern wurden zum Gespräch gebeten. Die Tochter ist eher ruhig und still, hatte in der Schule viel Bauch und Kopfweh. Dass Mädchen eher leiser und stiller sind, Jungs hingegen auffällig werden, ist bei hochbegabten Kindern der klassische Fall, doch nicht der typische. Es gibt auch laute Mädchen und stille Jungen mit Kopf und Bauchschmerzen.

„Wir waren lange Zeit mit unseren eigenen Problemen beschäftigt“, erzählt die Mutter, die im Leitungsteam der Gruppe das Kontakttelefon übernommen hat. Sie führten viele Schulgespräche und fühlten sich alleine. Sie fragten sich, wo man kompetente, qualifizierte Unterstützung finden könne und wollten auf keinen Fall überheblich und ehrgeizig wirken, wenn man über die Hochbegabung der Kinder spricht. Diese Befürchtung vor dem Urteil der anderen Menschen ist verbreitet. Anrufer am Kontakttelefon fragen manchmal, wie man es am besten formuliert, dass das Kind hochbegabt ist. Damit niemand es in den falsch versteht. Dabei gehe es im Grunde doch darum, „alle Kinder ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend wahrzunehmen und zu fördern“, erläutert die Mutter.

Infos zu: Hochbegabung
Zurzeit gibt es keine einheitliche anerkannte Definition von Hochbegabung. Allgemein wird gesagt, dass hochbegabte Kinder Gleichaltrigen auf musischem, sportlichen oder intellektuellen Gebiet weit voraus sind. Im Allgemeinen geht man bei einem Intelligenzquotienten von 130 und mehr von einer Hochbegabung aus, doch ist der Intelligenztest nur ein Werkzeug zur Diagnose. Bezeichnende Merkmale können auch darunter auftreten. Hochbegabte Kinder zeichnen sich durch sehr früh entwickelte, weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen aus. Dies kann unterschiedliche Intelligenzbereiche betreffen – logisch-mathematische, sprachliche, musikalische, sportliche oder soziale, manchmal auch mehrere oder alle Bereiche gleichzeitig. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung sind weit überdurchschnittlich intellektuell befähigt und gelten somit als hochbegabt. Hochbegabte Kinder sind oft auch hochsensibel. Es gibt manchmal ähnliche Auffälligkeiten mit anderen Bereichen wie zum Beispiel AD(H)S, was zu Fehldiagnosen führen kann. Ziel ist es, diese Fehldiagnosen in Zukunft zu vermeiden.
Quelle: dghk.de

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