Konzeptstudie zur Stadtteilentwicklung Kirchditmold

Für den Ortskern von Kirchditmold wurde 2021 eine Konzeptstudie zur Stadtteilentwicklung erarbeitet. Mit dieser Studie wird ein integriertes Konzept für den Ortskern entwickelt.

Anlass

Die Konzeptstudie funktioniert ähnlich einem „Kompass“, der die Entwicklung des Ortskerns in den nächsten Jahren leiten soll. Sie wird im Dialog zwischen den Ämtern der Stadtverwaltung, dem Ortsbeirat und der Öffentlichkeit erarbeitet.

Primäres Ziel ist es, den Ortskern mit seinen Einrichtungen und damit den Wohnstandort zu stärken. In der Studie werden Maßnahmen und Ziele dargestellt, die zwar nicht rechtsverbindlich sind, aber der Orientierung dienen. Sie werden in einem Rahmenplan dargestellt und beschrieben. Es finden sich unter anderem Aussagen zur baulichen Entwicklung, zu Nutzungen und Freiflächen. Besondere Beachtung erfahren die Entwicklung des historischen Ortskerns und die Qualifizierung des öffentlichen Raumes.

Ein wesentlicher Baustein in der Erarbeitung der Studie ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Diese konnten Ihre Interessen, Anliegen und Wünsche frühzeitig in die Planungen einbringen und sie durch Ortskenntnis und das lokale Expertenwissen ergänzen und bereichern.

Um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen wurden folgende Möglichkeiten ausgewählt:

  • 5 Multiplikatorengespräche als Gruppengespräch mit ausgewählten Teilnehmenden
  • Bürgerbefragung mit Fragebogen, der in lokalen Blättern mit einer Auflage von 5000 (mit Postwurf) und 2000 (als Auslage) abgedruckt wurde
  • Auslage von Fragebögen in den wenigen geöffneten Geschäften und Verteilung über Multiplikatoren (Auflage 500)
  • Gleichzeitige Möglichkeit, den Fragebogen online auf dieser Seite  auszufüllen
  • Plakate mit Einladung und QR-Code zur Informations-Internetseite und Online-Fragebogen in geöffneten Einrichtungen und Läden (Auflage 25)
  • Info-Veranstaltung   Pandemie-bedingt als Online-Werkstatt
  • Infofenster vor Ort Corona-bedingt unter strengen Hygienevorgaben
  • eigenes E-Mail-Postfach zum Prozess und telefonische Erreichbarkeit des Planungsbüros

Multiplikatorengespräche

Im Zuge der Bürgerbeteiligung wurden zunächst Gespräche mit Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Einrichtungen, Initiativen sowie Vereine, die sogenannten Multiplikatorengespräche, geführt. Diese Gespräche dienten einer ersten Begegnung mit der Einschätzung des Ortskern aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger.

Schwerpunkt Kultur

(Vertreterinnen und Vertreter von Bücherei Kirchditmold e.V.; Hand in Hand e.V.; Transition Town e.V.; Bürger und Heimatverein sowie Projekt „Alte Schmiede“)

In diesem Gruppengespräch wird Kirchditmold als privilegierter und beliebter Wohnstandort dargestellt. Gelobt werde insbesondere die Nähe zur Natur. Während die Preise auf dem Wohnungsmarkt stark angestiegen seien, bleibe der Stadtteil in zwei Bereiche unterteilt: Einerseits das „Oberdorf“ (westlich der Loßbergstraße/ Heßbergstraße) mit eher gut situierten Bewohnerinnen und Bewohner und das „Unterdorf“ (östlich Loßbergstraße/ Heßbergstraße) mit bezahlbarem Wohnraum. Eine stärkere Verknüpfung der beiden Bereiche des Ortes sei wichtig.

Dem entgegen stehe insbesondere der Verkehr und dabei ganz besonders der starke Verkehr entlang der Loßbergstraße, der als außerordentlich störend wahrgenommen werde. Seit 2011 gegen Lärm schützende Garagenhöfe abgerissen wurden, seien die Gebäude in der Zentgrafenstraße und Harleshäuser Straße besonders stark dem Lärm ausgesetzt. Hier gab es u.a. eine Unterschriftensammlung. Zusätzlich wird die schwierige Lage an Kreuzung Zentgrafenstraße/ Loßbergstraße genannt: dort sei es besonders laut und es bestehe starke Luftverschmutzung.

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Kirchditmolderinnen und Kirchditmolder sehr engagiert und gut vernetzt sind. Es gibt zahlreiche Projekte in ehrenamtlicher Führung. Das Projekt „Alte Schmiede“ im Ortsteil soll zu einem Treffpunkt werden, der Platz am Kappellenweg wird genutzt für den gut angenommenen Weihnachtsmarkt und das Straßenfest, der Bücherei Kirchditmold e.V. veranstaltet verschiedene Feste und zieht in einen neuen, zentraleren Standort. Das Ehrenamt stößt aber zeitweise finanziell und personell auch an Grenzen.

Ein großes Defizit werde in einem fehlenden Stadtteilzentrum gesehen. Ein von dort aus koordiniertes Zusammenspiel aus Veranstaltungen, Kultur und Gastronomie könne auch den Einzelhandel wieder stärken. Als notwendig werden Beratungsmöglichkeiten für Sozialberatung und eine kostenfreie Seniorenbegegnungsstätte sowie Hilfsangebote für Seniorinnen und Senioren eingeschätzt. Besonders im „Unterdorf“ sei es derzeit schwieriger Menschen mit Angeboten zu erreichen.

Als eine wichtige Zukunftsaufgabe wird die Aktivierung des zentralen Versorgungsbereichs gesehen. Vor einigen Jahren gab es deutlich mehr Geschäfte, heute täten sich die Läden schwer. Dabei müsse zwischen den Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber mit dem Wunsch nach mehr Verkehr und Stellplätzen im Ortskern und den Anwohnerinnen und Anwohner, denen Frei- und Grünräume wichtig sind, vermittelt werden. Ein Anliegen ist dabei ein Platz, an dem auch ein Wochenmarkt untergebracht werden könnte.

Schwerpunkt Schule
(Schulleiter der Friedrich-List-Schule)

Die Friedrich-List-Schule liegt mitten im Ort. Ab 2022 sollen hier Baumaßnahmen stattfinden, um den naturwissenschaftlichen Bereich zu erneuern. Unter anderem entstehen vier neue Klassenräume, die zwischenzeitlich in Container auf dem Hof ausgelagert werden. Auch das Hausmeisterhaus wird in Zukunft für Beratungsangebote in der Schule genutzt. So soll der Standort zukünftig gestärkt werden.

Als „Bike-School“ fühlt sich die Schule der Fahrradmobilität verpflichtet und lagert derzeit in Containern auf dem Schulhof Fahrräder für den Sportunterricht. Zukünftig sollte es neue, teilweise auch überdachte, Fahrradständer geben. Es gibt derzeit weder für Schülerinnen und Schüler noch für Lehrerinnen und Lehrer schuleigene PKW-Stellplätze.

Die Schule verfügt über keine Sporthalle und kann gelegentlich die Sporthalle in Harleshausen oder die Stockwiesen nutzen. Als Arrangement wird derzeit Sport „en Block“ unterrichtet: Segeln, Surfen, Biken, Klettern, Golf.

Die Cafeteria besteht seit 2011 und hat keine eigene Toilette. Eine abendliche Nutzung für öffentliche Treffen oder Veranstaltungen ist deshalb nur unter Einschränkungen möglich. Für den Betreiber ist es schwer ein wirtschaftliches Angebot herzustellen: 1000 Schülerinnen und Schüler seien zu wenig, da die Konkurrenz groß sei und Öffnungszeiten durch das Unterrichtsende und die Schulferien limitiert sind.

Die Anbindung an den Stadtteil werde intensiv gepflegt und es bestehe ein reger Austausch, obwohl die Schülerinnen und Schüler aus einem weiten Einzugsgebiet kommen. Leider entstünden auch immer wieder Konflikte mit den Anwohnern, die geschlichtet werden müssen. Themen sind hier der Aufenthalt vor den Läden sowie hinterlassener Müll und Zigaretten.

Derzeit ist der Schulhof nachmittags ab 17 Uhr und an den Wochenenden geschlossen. Man könne sich gut vorstellen, dass hier stattdessen ein einladender Bereich für die Bevölkerung entstehen könne. Die ökologische Qualität der Außenräume zu steigern, wäre sicher ein beliebtes Ziel und eine Neugestaltung der Außenbereiche wäre gut denkbar. Da im Grunde alle Schüler erwachsen seien, bestehe in der Aufsichtspflicht kein Grund für eine Mauer um den Schulhof.

Schwerpunkt Soziales
(Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Kindergarten und Elternbeirat)

In den beiden Gesprächen in diesem Themenfeld wird hervorgehoben, dass eine, wenn nicht sogar die wichtigste Frage den Wohnraum beträfe. Junge Familien wünschen sich ein Häuschen im Grünen, aber die Preisentwicklung sei immens. Die Nachverdichtungspotenziale seien aufgebraucht und neue Mehrfamilienhäuser würden mit Argwohn betrachtet. Die Struktur, dass der Besitzer nicht der Nachbar wird, sei neu und das entstehende Angebot zu hochpreisig. Gleichzeitig gäbe es viel Interesse an der Wohnlage. Auch die Kindertagesstätte erlebt aktuell eine hohe Nachfrage.

Eine Ausnahme bildeten hier die Genossenschaftshäuser der Riedwiesensiedlung, aber im Ortskern bestünde ein solches Angebot nicht. Wenn neuer Wohnraum geschaffen wird, dann solle Wohnraum entstehen, der auch für Einkommensschwächeren zugänglich ist. Selbst Normalverdiener fänden heute keine Wohnangebote. Aufgrund dieser Preissteigerung gehe der Generationenwandel einher mit einem Wandel der Milieus. Immer größer werde der Anteil an Akademikern, kleiner hingegen der Anteil an Handwerker-Familien, gleichzeitig gäbe es auch „Abgehängte und Arme“.

Die Kirche als ein Identifikationsmerkmal des Ortskerns soll mit dem Gemeinwesen zukünftig besser vernetzt werden, indem mit den Geschäftsleuten, mit dem Bürger- und Heimatverein, mit der Bücherei und der Grundschule zusammengearbeitet wird. Eine besondere Rolle soll dem Kirchplatz als Versammlungs- und Kommunikationsort zuteilwerden. Das Gemeindehaus als einziger große Saal in Kirchditmold soll weiter für Ortsteilaktivitäten geöffnet werden.  

Auch der Friedhof habe viele Qualitäten: Die räumliche Nähe des Ortes der Beisetzung finden Menschen wichtig. Aber er ist auch ein Ort des Verweilens, der Ruhe, der Naturwahrnehmung und auch der ökologischen Qualität. Zugänglichkeit und Barrierefreiheit seien hier wichtige Aufgaben.

Es gäbe viel Sorge über den Handel im Ort. Aus den Netzwerken wird berichtet, dass der Tenor sei: „Wir haben es schwer, aber wir kämpfen!“ Bestimmte Angebote wie etwa Apotheke und Buchladen werden sehr geschätzt. Trotzdem biete der Ortskern zurzeit nicht die Möglichkeit sämtliche Erledigungen vor Ort zu machen – was aber im Grunde der Wunsch sei. Eine Drogerie etwa wäre eine große Bereicherung. Grundsätzlich läge die Unzufriedenheit in der Erwartung an die zentrale Lage: man suche ein Zentrum das es nicht gibt. Die Friedrich-List-Schule stünde auf dem ehemaligen Kirchstandort, der ursprünglich diesen zentralen Ort markierte. Außerhalb der Schulzeit sei aber heute niemand dort.

Es gibt viele alteingesessener Läden mit ungewisser Zukunftsperspektive aufgrund fehlender Nachfolge und mangelnder Zukunftsfähigkeit. Auch biete das Nahversorgungsangebot nicht die gewünschte Einkauferfahrung. Es sei ein großes Gefühl der Benachteiligung entstanden, da zukünftig eine zusätzliche Aushöhlung des Ortskerns befürchtet wird.

Die Verkehrssicherheit werde im Kindergarten oft diskutiert. Es gäbe keinen Platz zwischen Bürgersteig und Straßenbahn, sodass Unübersichtlichkeit für die Kindern entstünde. Zwischen Kindergarten und Kirche wird ein Zebrastreifen gewünscht und eine Neugestaltung der dortigen Höhenversprünge, um eine bessere Rad-Durchwegung zu ermöglichen. Insgesamt sollte der Kirchenvorplatz mit dem Platz vor dem Gemeindehaus zu einer Einheit umgestaltet werden.

Schwerpunkt Wirtschaft
(Vertreterinnen und Vertreter von Gewerbeverein Kirchditmold (er)leben e.V., Wirtschaftsförderung Region Kassel und IHK)

Im Gruppengespräch zum Thema Wirtschaft wird zunächst über die Verkehrssituation gesprochen, die als unzureichend eingeschätzt wird. Während einerseits die Geschäfte kaum private Stellplätze im verdichteten zentralen Bereich anbieten können, gerät die Situation durch den Stellplatzbedarf der Friedrich-List-Schule zusätzlich unter Druck. Es sollte Ausschau nach Stellplatzflächen im angrenzenden Bereich gehalten werden, denn insbesondere ältere Menschen seien auf Stellplätze in der Nähe der Geschäfte angewiesen. Schwierig sei auch die Verkehrsführung – so sei unverständlicherweise ein Linksabbiegen auf der Loßbergstraße zurzeit nicht möglich. Die Haltestelle stadteinwärts versperre wichtige Wege für Fußgänger*innen und sei an ihrem ursprünglichen Standort gegenüber des Ärztehauses besser aufgehoben.

Das Angebot im Ortskern unterliege einem Erosionsprozess. Potenzial bestehe zwar, aber nur mit ausreichend flankierenden Maßnahmen sei ein attraktiver Branchenmix mit Cafés zu erreichen. Als Beispiel wird etwa die Friedrich-Ebert-Straße genannt. Die Versorgungslage sei seit dem Schließen von Edeka Riedwiesen schlechter geworden und fußläufig wäre der Edeka in der Harleshäuser Straße zu weit entfernt.

Der Wunsch nach einem Café sei groß, wirtschaftlich sei es jedoch kaum darstellbar. Gegebenenfalls wäre eine Dependance einer größeren Einheit wie Bachmann oder Nenninger denkbar. Die Bäckerei Amthor läge unglücklicherweise außerhalb des zentralen Versorgungsbereichs. Ein zusätzlicher Magnet wäre ein Drogeriemarkt, aber die Flächenbedarfe dieser Märkte sind groß. Büros in den Erdgeschosslagen stören den Ortscharakter. Kleine Läden könnten als Nischen- und Liebhaberläden funktionieren, müssen sich mit überregionaler Anziehungskraft profilieren oder brauchen ein weiteres Standbein im Online-Bereich. Für das Fortbestehen von Einzelhandel müssten im Ortskern stärkere Maßnahmen ergriffen werden, wie etwa Ansiedlungsförderung, Gründer-Wettbewerbe oder Zuschüsse. Zunächst bräuchten die Händler jedoch mehr Freiheiten: etwa sollte jeder Laden einen Stuhl, Blumen oder Auslagen rausstellen dürfen, Nutzungsentgelt für Außengastronomie und Stellplatznachweise sollten aufgehoben werden. Weihnachtsdekoration der Händler sollte erlaubt und insbesondere kleine Gewerbebetriebe unterstützt werden

Es fehle außerdem ein Platz mit Gastronomie, der als zentraler Treffpunkt funktioniert und an dem man im Freien zusammen sein kann. Ein guter Ort sei hier an der Ecke Zentgrafenstraße/ Harleshäuserstraße. Auch ein Markt könnte funktionieren, wie Harleshausen zeige. Insgesamt bestehe der Eindruck, dass in Kirchditmold die Aufenthaltsqualität fehle. Zurzeit säße man neben dem Bus und im Schatten, wenn man im Ortskern sitze. Kleine Maßnahmen in der Teichstraße könnten schon helfen. Dort begänne allerdings der „Denkmalgeschützte Bereich“ der bei Veränderungen manchmal schwierig sei.

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt wird als sehr angespannt wahrgenommen und neuer Wohnraum werde dringend gebraucht. Insbesondere bezahlbare große Wohnungen für junge Familien seien kaum zu finden. Teilweise würden Kaltmieten von bis zu 15 oder 17 Euro aufgerufen. Auch Seniorinnen und Senioren wollen in Kirchditmold bleiben und einige würden gern in Wohnanlagen ziehen. Große Anbieter suchen allerdings Grundstücke ab 3000-4000 m², die im Ortskern nicht mehr zu finden sind.

Schwerpunkt Senioren
(Vertreterinnen und Vertreter aus Seniorenbeirat, Ortsbeirat und Stadtrat)

Im Gruppengespräch wird der ausdrückliche Wunsch nach einem besonderen Fokus auf den öffentlichen Raum zum Ausdruck gebracht. Er soll zu einem Treffpunkt und Aufenthaltsraum, einem „sozialen Raum“ werden, der einlädt, sich zu begegnen und soziale Kontakte zu knüpfen – insbesondere im Bereich Harleshäuser Straße/ Zentgrafenstraße/ Teichstraße. Dafür müssten die Flächen neu verteilt werden, sodass mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger und mehr Barrierefreiheit entstünde. Man solle dabei über alternative Verkehrskonzepte wie beispielsweise einen „Shared Space“ nachdenken, um eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität zu erreichen und den PKW-Verkehr zu reduzieren. Die Umgestaltung der Haltestelle Kirche wird als Beispiel angeführt, dort sei ein Umbau gut gelungen. Insgesamt brauche es mehr Grün für mehr Aufenthaltsqualität. Damit ältere Menschen weiterhin in den Ortskern kommen können, solle auch die Befahrbarkeit mit dem PKW gesichert bleiben. Im Moment weise der zentrale Bereich unterschiedliche Defizite auf. Es seien im Ortskern mehr Dienstleistungen als Einzelhandel angesiedelt, die Teilnehmenden erinnern sich an die früher belebten Arkaden. Außerdem werde der Bereich am Opferhof inzwischen als „tote Ecke“ eingeschätzt, es müsse jenseits des Opferhofes ein Platz zum Aufenthalt gestaltet werden. Als Problem wird die Verkehrssituation an der Teichstraße beschrieben: zu viele Busse und eine ungünstige Platzierung der Haltestellen führen zu fehlenden Aufenthaltsmöglichkeiten und ungünstigen Situationen für Fuß- und Radverkehr.

Der Cafeteria-Pavillon der Friedrich-List-Schule war auch für eine öffentliche Nutzung gedacht, wurde aber ohne Toiletten geplant, sodass eine öffentliche Nutzung deshalb nur eingeschränkt möglich sei. Gefordert wird: „Die Mauer muss weg!“ um vor der Schule einen öffentlichen Raum als Treffpunkt zu schaffen. Das könne auch dazu führen, dass Schülergruppen sich mehr im öffentlichen Raum verteilen. Gut wäre auch ein Innenraum, in dem man sich treffen kann, die Bücherei reiche für reges Vereinsleben nicht aus.

Zum Thema Wohnen wird unterstrichen, dass Kirchditmold ein sehr beliebter Stadtteil sei. Die Stellplatzfläche neben dem ehemaligen Kiosk in der Teichstraße werde als „Zahnlücke“ wahrgenommen und sollte bebaut werden. Außerdem sei eine Bebauung zwischen Schienen und Loßbergstraße nun möglich, nachdem die Fläche ursprünglich für eine Verbindungsstraße freigehalten worden sei. Es sollten keine Einfamilienhäuser gebaut werden, denn besonders bezahlbare Wohnangebote seien wichtig. Auch das Thema des seniorengerechten Wohnens solle in den Fokus rücken, denn es gäbe keine entsprechenden Wohnangebote im Ortskern. Wenn ein solches Wohnangebot entstehen soll, dann sollte es genossenschaftlich sein, um die Bezahlbarkeit zu sichern. Momentan gäbe es auch kein Tagespflegeangebot in Kirchditmold, aber viele ältere Menschen helfen sich im Stadtteil auch untereinander und organisieren Gruppen.

In der Stadtteilzeitung „Kirchditmolder Schauplatz“ abgedruckter Bürgerfragebogen

Bürgerbefragung mit teilstandardisiertem Fragebogen

Darüber hinaus war die Öffentlichkeit herzlich eingeladen sich am Planungsprozess zu beteiligen. Zum einen konnten Stärken und Schwächen Kirchditmolds sowie die Prioritäten für die Entwicklung des Ortskerns zwischen dem 3. Mai und dem 6. Juni 2021 anhand eines Fragebogens genannt werden.

Dieser war in den Stadtteilzeitungen „Blickpunkt“ und „Kirchditmolder Schauplatz“ sowie ausgelegten Faltblättern zu finden und konnte über den in der Zentgrafenbuchhandlung aufgestellten Ideenbriefkasten abgegeben werden. Alternativ konnte der Fragebogen digital über einen QR-Code oder auf dieser Seite ausgefüllt werden. Hier bestand auch die Möglichkeit sich zu den innerhalb der räumlichen Analyse erstellten Plänen zu den Themen „Städtebau und Stadtgestalt“; „Wohnen, Versorgung und Freiraum“ sowie „Wirtschaft und Verkehr“ zu äußern.  

Insgesamt wurden 337 ausgefüllte Fragebögen an das Büro plan zwei übermittelt. Davon wurden 260 Fragebögen online ausgefüllt und 77 Fragebögen über den Ideenbriefkasten abgegeben.

Zur Person

Im Schnitt waren die Teilnehmenden 44,5 Jahre alt, wobei die jüngste teilnehmende Person 8 Jahre alt war und das höchste Alter mit 88 Jahren angegeben wurde.  Der überwiegende Teil der Teilnehmenden wohnt im Stadtteil Kirchditmold, 15% der Personen leben auch im Untersuchungsgebiet. Etwa ein Viertel der weiteren Stimmen stammen aus Kassel und 15 Personen füllten den Fragebogen aus, ohne selbst in der Stadt zu leben.

Wo halten Sie sich gern in Kirchditmold auf?

Auf die Frage, wo sich die Menschen gern in Kirchditmold aufhalten, nannten die meisten Personen die westlich des Untersuchungsgebiets liegende Hessenschanze oder die Prinzenquelle. Aber auch im Untersuchungsgebiet liegende Orte wie die Kirche, der Ziegenbrunnen, der Opferhof oder die Teichstraße wurden mehrfach genannt. 


Darstellung „Das ist mir für die Zukunft Kirchditmolds besonders wichtig

Das ist mir für die Zukunft Kirchditmolds besonders wichtig:
Die Teilnehmenden konnten hier aus zwölf vorgegebenen Antwortmöglichkeiten die vier für sie wichtigsten Punkte wählen. 200 der 335 befragten Personen gaben an, dass der historische Ortskern erhalten und aufgewertet werden soll. Auch das Thema der Mobilität -der Ausbau von Fuß-und Radwegen sowie die Stärkung der umweltfreundlichen Mobilität- wurde auf über der Hälfte der Fragebögen als sehr wichtig eingestuft. Als dritte Priorität werden Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes mit der Schaffung und Vernetzung von Grünräumen sowie der Reaktion auf Klimafolgen angesehen. Aspekte wie die Schaffung neuen Wohnraums, Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten und die Schaffung seniorengerechter Wohnangebote wurden weniger häufig ausgewählt.

Darstellung „Ich möchte in Kirchditmold (häufiger)

Ich möchte in Kirchditmold (häufiger):
Auch bei dieser Frage mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten spielte das Thema der Mobilität eine große Rolle. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sich zukünftig gerne ohne Auto im Untersuchungsgebiet fortbewegen würden. Es zeigte sich der Wunsch nach einem breiteren kulinarischen und kulturellen Angebot sowie dem direkten Zugang zur Natur. Die Möglichkeit Sport im Freien zu treiben oder eigene Ideen und Projekte umzusetzen spielte mit jeweils etwa 10 % der Angaben nur eine untergeordnete Rolle.

Bitte berücksichtigen Sie außerdem:
In einem freien Textfeld hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit weitere Anmerkungen zu machen. Diese Möglichkeit nahmen 141 der 335 befragten Personen wahr. Die Aussagen wurden zur Übersicht nach Themenbereichen sortiert und zusammengefasst. Auch die in den eingegangenen E-Mails gemachten Aussagen sowie Anmerkungen zu den Analyseplänen wurden hier vermerkt.

Das am häufigsten hervorgehobene Thema war der Wunsch nach mehr Aufenthaltsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität im Ortskern. Dieser Wunsch wurde vielfach allgemein benannt, häufig wurden aber auch konkrete Orte, wie die Teichstraße oder der Opferhof, erwähnt und Vorschläge formuliert, wie der öffentliche Raum besser nutzbar gemacht werden könnte. Die Bürgerinnen und Bürger nannten zum Beispiel die Schaffung von Sitzgelegenheiten, die Reduzierung der Straßenbreite oder die Öffnung des Außengeländes der Friedrich-List-Schule zum öffentlichen Raum. Andere Bürger melden sich bei dem Planungsbüro mit Skizzen zur Integration von zusätzlichen Bäumen in den Straßenräumen. Auch in den Beteiligungsformaten wurde fehlendes Grün im Ortskern bemängelt und vermehrte Baumpflanzungen, eine Reduzierung der Flächenversiegelung angeregt. Schließlich wurden einzelne Maßnahmen wie die Gründung von Gemeinschaftsgärten oder die Begrünung der Gleise angesprochen.

Zusammenfassung der freien Anmerkungen innerhalb der Bürgerbefragung

Ein Wunsch zur Veränderung im öffentlichen Raum wird in Kirchditmold außerordentlich stark zum Ausdruck gebracht. Einzelne Bürgerinnen und Bürger machen dazu umfangreiche eigene Planungen, um ihr Anliegen zu unterstreichen. Im Internet wird dazu bereits in eigenen Foren diskutiert. Markante Eingriffe in die Verkehrsführung werden dort ausgeführt, um die gewünschte Qualität zu erreichen. Auch im Online-Format und im Infofenster wurde das Thema Mobilität im Ortskern und der Wunsch nach einer Reduzierung des Autoverkehrs in diesem Bereich hervorgehoben. Hier äußerten sich einige Menschen jedoch eindeutig für eine Erhaltung der Befahrbarkeit des Ortskerns.  Die Diskussion um fehlende Stellplätze ist aber im Vergleich zurückhaltend.  

Bezüglich der Verkehrssituation im gesamten Untersuchungsgebiet wünschten sich einige der Teilnehmenden eine Stärkung des Fußgänger- und Radverkehrs sowie bessere Querungsmöglichkeiten für diese Verkehrsteilnehmer. Sie regten eine bessere fußläufige Nord-Süd-Verbindung sowie die Schaffung von Fahrradstellplätzen an. Auch mit diesen Themen hatten sich einzelne Bürgerinnen und Bürger intensiv auseinanderegesetzt und stellten konkrete Maßnahmenvorschläge vor.

Die Teilnehmenden kritisierten außerdem fehlende öffentliche Räume für Kinder und Jugendliche und schlugen Orte zum Skaten oder einen Fußballplatz für vereinsungebundene Angebote vor.

Im Bereich der Versorgung wurden zahlreiche unterschiedliche Wünsche formuliert. Häufig wurde der Wunsch nach einem Café und einem breiteren gastronomischen Angebot, gern mit entsprechenden Außenbereichen, genannt. Aber auch ein Supermarkt, eine Drogerie und kleine spezialisierte Läden sowie ein Wochenmarkt wurden beschrieben.

Im Bereich der Grundschule sprachen einige Teilnehmende die fehlende Schulwegsicherheit an. Es wurden hier unter anderem ein Parkverbot vor der Schule und eine Einbahnstraße oder Spielstraße zwischen Grundschule und Teichstraße vorgeschlagen.


Bewertung der Ziele der Ortskernentwicklung anhand der Zielscheibe

Infofenster

Außerdem hatten Interessierte die Möglichkeit sich am 28. Mai und am 4. Juni 2021 für ein „Infofenster“ anzumelden. Die Infofenster dienten der Information der Bürgerinnen und Bürger und dem Austausch zwischen den Teilnehmenden untereinander, mit der Verwaltung sowie mit dem Planungsbüro. Zentraler Inhalt war die Abstimmung zu den Zielen und eine Ideen-Sammlung für entsprechende Maßnahmen. Aufgrund des Pandemiegeschehens musste diese Veranstaltung im Mai als digitale Alternativveranstaltung stattfinden, im Juni konnten sich die Teilnehmenden dank Hygienekonzept mit Maske, Abstand und negativem Corona-Test vor dem Gemeindehaus der Petrus-Kirchengemeinde in Kleingruppen treffen. Hier trafen sich am 4. Juni drei Kleingruppen, um mehr über den Prozess der Ortskernstudie zu erfahren, eigene Ideen und Anregungen anzubringen und gemeinsam zu diskutieren.

Zusätzlich bestand die Möglichkeit sich telefonisch oder per E-Mail mit Anregungen und Ideen zu einzubringen. Das digitale sowie das analoge Infofenster boten die gleichen Inhalte. Zunächst erläuterte das Planungsbüro der Prozess und die bisherigen Arbeitsschritte.

Wünsche, Ideen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger werden innerhalb des Infofensters besprochen und gesammelt

Dann stellte das Büro die Zielstellung für das Untersuchungsgebiet vor. Die Ziele ergeben sich aus der Analyse, den Gesprächen mit der Verwaltung und den Multiplikatoren, sowie den vorläufigen Ergebnissen der Befragung. Die Teilnehmenden wurden daraufhin gebeten die Wichtigkeit der Ziele auf einer Skala von „Sehr wichtig“ bis „unwichtig“ auf einer Zielscheibe zu bewerten.

Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden in beiden Runden die herausgearbeiteten Zielstellungen bestätigten. Nur wenige Punkte wurden nicht in das „Schwarze“ der Zielscheibe geklebt.

Später wurde den Bürgerinnen und Bürger ein Entwurf des Rahmenplans präsentiert, der die abstrakten Ziele verortet. Im Gespräch wurden wichtige Planungsräume und -themen herausgestellt und Ideen- und Maßnahmenvorschläge genannt. 

Die Bürgerinnen und Bürger nannten klar den Ortskern und hier der zentrale Bereich Zentgrafenstraße/ Teichstraße als Schwerpunktraum. Grundsätzlich sei das Angebot im Ortskern mit Ärztehause, Apotheke, Schreibwaren, Bäckerei und Nahkauf gut – die Qualität fehle im Außenbereich.  Als eines der wichtigsten Schwerpunktthemen beschrieben die Teilnehmenden die fehlende Aufenthaltsqualität sowie die fehlenden Aufenthaltsflächen im öffentlichen Raum und zu große Straßenquerschnitte.

Wünsche, Ideen und Anregungen der Teilnehmenden am 04. Juni 2021

So wurde unter anderem auch die Friedrich-List-Schule als „Burg“ im Zentrum beschrieben, die für die Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils nicht nutzbar sei. Auch innerhalb der Infofenster wurde daher vorgeschlagen den Schulhof zu öffnen, um die Schule und die umgebenden Flächen stärker in den Ortskern zu integrieren. So können an diesem Ort ein öffentlicher Treffpunkt für alle entstehen. Auch ein Bürgerhaus in diesem Bereich wurde angeregt.

Um die Situation im Ortskern zu verbessern, formulierten die Bürger*innen zahlreiche Maßnahmenvorschläge. So wurde die Neuordnung der Verkehrssituation als Schlüssel für die weitere Verkehrsentwicklung beschrieben. Die Haltestelle (stadteinwärts), die in der Teichstraße viel Raum einnimmt, wurde bemängelt und eine Verlagerung in Richtung Ärztehaus angeregt.

Auch außerhalb des Ortskerns wurden weitere Schwerpunkträume herausgestellt. Hier wurde beispielsweise die Loßbergstraße benannt, die den Ort in Ober- und Unterdorf teilt, selbst aber kaum städtebauliche Qualitäten aufweise. Es wurde angeregt hier durch zukünftige Bebauung Raumkanten zu schaffen und der Straße „ein Gesicht zu geben“. 

Wünsche, Ideen und Anregungen der Teilnehmenden des digitalen Infofensters am 28. Mai 2021

Hervorgehoben wurde die Erhaltung und Schaffung von Grünräumen, die als Rückzugsorte dienen können. Mehr Qualität wünscht man sich auch für kleinere Plätze (etwa Kapellenweg und Gala-Metzner-Platz) und die Sehenswürdigkeiten (beispielsweise Gerichtslinde und Kircheneingang am Kapellenweg). Der Friedhof wurde hier als besonders schöner Ort („Geheimtipp“) beschrieben.

 

Resümee und Ausblick

Viele interessierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger Kirchditmolds sowie Nutzerinnen und Nutzer und Besucherinnen und Besucher des Ortsteils haben die Möglichkeit wahrgenommen sich über die Beantwortung des Fragebogens und die Teilnahme an den Infofenstern aktiv in den Prozess einzubringen und ihre Anregungen, Wünsche und Ideen anzubringen.

Nachdem die Eingaben der Bürgerinnen und Bürger hier zusammengefasst wurden, werden diese nun den Vertreterinnen und Vertreter der relevanten Fachbereiche vorgestellt und von der Stadtplanung in Kooperation mit dem Planungsbüro abgewogen und geprüft.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung, der Eingaben der Verwaltung und der Ergebnisse der statistischen und räumlichen Analyse des Planungsbüros wird im Sommer 2021 die Konzeptstudie zur Stadtteilentwicklung fertig gestellt. Neben den übergeordneten Zielen werden hier auch kurzfristige, mittelfristige sowie langfristige Maßnahmenvorschläge gemacht, um eine zukunftsfähige Entwicklung Kirchditmolds zu gewährleisten.

Diese Ausarbeitung des Entwurfsstandes soll bis Herbst 2021 abgeschlossen und den Bürgerinnen und Bürgern dann innerhalb einer Ortsbeiratssitzung vorgestellt.