Die Sanierung der historischen Bausubstanz begann bereits 2012 mit der Südfassade. Entsprechend der zur Verfügung stehenden Mittel wurde in einzelnen Bauabschnitten in den Jahren 2013, 2016, 2019 und ab 2022 saniert. Durch die großzügige Gewährung von Bundesfördermittel aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ konnten die bis 2030 geplanten Sanierungsabschnitte zu einem großen abschließenden Sanierungsabschnitt 2022 bis 2025 zusammengefasst werden.
Die Sanierungsarbeiten an der historischen Bausubstanz umfassten nicht nur die Fachwerkfassade, sondern auch die Dachkonstruktion und den Schiefergiebel. Die vorhandene Toilettenanlage inkl. haustechnischer Installation wurde komplett erneuert und vergrößert, sodass sie nun barrierefrei zugänglich sind. Außerdem wurde ein Küchen- und Thekenblock eingebaut sowie ein Multifunktionsraum, der u. a. als Lager- und Künstlergarderobenraum dienen wird.
Enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz
Am Holztragwerk der Zehntscheune wurden vor Sanierungsbeginn vorhandene Schäden aufgenommen und eine Verformungsmessung durchgeführt. Auf dieser Grundlage wurde in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz die Planung erarbeitet. Diese sah neben Verbesserungen im Inneren im Wesentlichen die Reparatur der schadhaften Holzbauteile der Dach- und Fachwerkkonstruktion sowie die Verbesserung der Queraussteifung mittels zugfester Kopfbänder vor. Die Sanierung der historischen Bausubstanz wurde bereits 2023 abgeschlossen.
Die Kosten zur Umsetzung der Maßnahmen an der Zehnscheune betragen insgesamt rund 2,2 Mio. Euro. Davon entfallen ca. 1,1 Mio. auf die reinen Sanierungs– und Substanzerhaltungsarbeiten der Scheune, sowie ca. 1,1 Mio. Euro auf den Innenausbau. Das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlicher Raum steuert eine Förderung in Höhe von ca. 795.500 Euro zur Finanzierung bei. Zudem sind seitens der Denkmalpflege Hessen Fördermittel in Höhe von 135.000 Euro in die Sanierung des Bauwerks geflossen. Der Verein Zehntscheune Waldau e.V. konnte außerdem die Kasseler Sparkasse als Sponsor gewinnen.
Daten und Fakten zur Zehntscheune
Die Zehntscheune in Kassel-Waldau befindet sich in der Nürnberger Straße 140. Diese wurde 1464 gebaut und 1484 erstmals urkundlich erwähnt. Das ehemalige Jagdzeughaus war ein stattlicher langgestreckter Fachwerkbau. Das heutige Erscheinungsbild mit ausgemauerten Gefachen und hohem Satteldach entstand Ende des 15. Jahrhunderts. Seit etwa 1600 diente das Gebäude als Jagdzeughaus. Vom ursprünglichen Gebäude ist heute, nach einem Schaden im Zweiten Weltkrieg, nur noch ca. die Hälfte vorhanden. Heute ist sie die einzige kulturelle Einrichtung in Waldau für größere Veranstaltungen mit bis zu 199 Personen.
Förderverein sorgt für Erhalt und Pflege
Das denkmalgeschützte Gebäude gehört seit 2012 der Stadt Kassel und wird durch den gemeinnützigen Förderverein Zehntscheune Waldau e.V. betreut. Der Verein hat 56 Fördermitglieder, die sich seit 2010 ehrenamtlich für den Erhalt und die Pflege der Scheune engagieren. In der Zehntscheune finden durch den Förderverein organisierte Veranstaltungen statt, die überlokale Bedeutung haben, wie z.B. die Neujahrsbegrüßung, der Osterbrunch, die Entenkirmes oder das Weihnachtsbaumfest. Daneben finden derzeit zehn bis zwölf private Veranstaltungen im Jahr statt.