Architekten-Wettbewerb Offene Schule Waldau

Im Rahmen eines Architektur-Wettbewerbs zum Schulneubau der Offenen Schule Waldau votierten die Preisrichterinnen und Preisrichter einstimmig für den ambitionierten Entwurf der renommierten Schulbauarchitekten von C.F. Møller Architects aus Kopenhagen.

Der erste Preisträger

Der Name der Offenen Schule Waldau könnte bald auch architektonisch zum Programm der pädagogischen Versuchsschule in Kassel werden.

Der Entwurf von C.F. Møller Architects aus Kopenhagen gibt der pädagogischen Offenheit der Offenen Schule Waldau eine faszinierende und gleichzeitig begeisternde äußere Form. Die Schule ist nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort - Unterrichtsräume und Freizeiträume werden kombiniert. Stadtteilbibliothek und Jugendzentrum sind in das Gebäude integriert. So entsteht ein Bildungshaus für den Stadtteil.

Die gesamte Architektur der Schule lädt zum Betreten ein. Im Erdgeschoss sind alle öffentlichen und teilöffentlichen Nutzungen angeordnet: Neben Bibliothek und Jugendhaus auch das Forum mit Mensa, der Musikbereich, die naturwissenschaftlichen und die künstlerisch-handwerklichen Nutzungszonen. Die verschiedenen Unterrichtsräume für die Jahrgänge fünf bis acht im ersten Obergeschoss sind so organisiert und angeordnet, dass sich in alle Richtungen Ausblicke auf die Umgebung ergeben. Auf den terrassierten Dächern der Schule sind Lern-, Spiel- und Sportlandschaften vorgesehen. Lernen wird zukünftig sowohl innen als auch vermehrt außen stattfinden.

Der Entwurf für den Schulneubau ist bewusst so gestaltet, dass er Bewegung, Spiel und Erkundung auf allen Ebenen fördert. Breite Lerntreppen und Galerien erstrecken sich über drei Stockwerke und bieten genügend Platz für Gruppenaktivitäten und Rückzugsräume.

Das alles ist ein deutlicher Unterschied zum aktuellen Schulgebäude. Betritt man heute die Offene Schule Waldau, dann erlebt man das Gebäude alles andere als offen. Bei der Vision des ersten Preisträgers betritt man die moderne Schule über ein nach oben geöffnetes Atrium. Damit zeigt sich bereits im ersten Eindruck eine große Offenheit. Dies ist ganz genau im Geiste der Offenen Schule Waldau.

Blick in den Siegerentwurf

Die Detailansicht des Siegerentwurfs zeigt deutlich, dass hier ein Schulgebäude mit einem neuen räumlichen Charakter entstehen soll. Eine Schule, die nicht mehr wie frühere Schulbauten Klassenzimmer an einem Flur aufreiht, sondern das pädagogische Konzept der Schule in eine Lernlandschaft übersetzt. 

Mit Stadtteilbibliothek und Jugendzentrum ist das Schulgelände auch Stadtteilzentrum, das Erdgeschoss ist genauso offen wie die Terrassen. Außerhalb der Unterrichtszeiten kann das Haus in der Eingangsebene zum Treffpunkt für Anwohnerinnen und Anwohner werden. Alle Fachunterrichtsräume für Naturwissenschaften und Kunst/Werken und öffentlichen Nutzungsbereiche, die in das Gebäude integriert werden, befinden sich im Erdgeschoss; sie sind so zu jeder Zeit zugänglich und die Lern- und Unterrichtsbereiche in den oberen Stockwerken können geschlossen bleiben.

Je nach Altersstufe der Schülerinnen und Schüler wurden im Raumprogramm unterschiedliche räumliche Anforderungen definiert. Die Altersstufen erhalten jeweils eigene Bereiche im ersten und zweiten Stockwerk, wo die älteren Schülerinnen und Schüler ihre Heimat haben. Die Ebenen sind durch ein Atrium als zentralem Treffpunkt im Schulalltag verbunden.

Nachhaltigkeit der Konstruktion

Die Stadt Kassel forderte im Wettbewerb von allen Architekturbüros einen Beitrag für ein nachhaltiges und klimagerechtes Bauen. Damit kommt die Stadt ihrer Verantwortung für die Zukunft junger Menschen im globalen Klimawandel nach. Eine besondere Anforderung geht über allein energiegerechtes Bauen hinaus: Die Baustoffe sollen keine Schadstoffe enthalten und kreislauffähig sein. Es gilt das „Cradle-to-Cradle-Prinzip“ („Von der Wiege zur Wiege“). 

Der Entwurf von C.F. Møller Architects erfüllt diese Anforderungen mustergültig. Die oberen Geschosse des Gebäudes sind eine klimafreundliche Holzhybridkonstruktion. So wird ein Gebäude zum Materiallager der Zukunft. Besonders interessant ist die Verknüpfung mit der Reduktion von technischen Einrichtungen ohne hierbei auf Nutzungsqualität verzichten zu müssen.

Insgesamt werden durch diese Konstruktion und die Auswahl der Materialien 50 Prozent CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen eingespart. Die Einsparung von Treibhausgasen beim Bau von Gebäuden ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz. Denn Klimabelastung durch den Gebäudebau und die verwendeten Materialen übersteigt bei allen Gebäuden über lange Zeiträume hinweg die Emissionen durch den Gebäudebetrieb. Deshalb ist eine Bauweise, die Emissionen reduziert, der bestmögliche Klimaschutz im Gebäudebereich.

Weiteres Verfahren

Die Vergabe des ersten Preises an C.F. Møller bedeutet, dass mit diesem Entwurf nun erst einmal weitergearbeitet wird. Dieser muss nun auf seine Funktionalität und Wirtschaftlichkeit weiter geprüft und optimiert werden. Dabei kommt es schrittweise zur Verfeinerung und Präzisierung, die aber den grundsätzlichen Charakter des Entwurfs nicht in Frage stellen.